Ein Mensch gestorben Bahnstrecke nach tödlichem Lokunfall bei Halle wieder frei

Nach dem tödlichen Bahn-Unfall in Halle hat die Bundespolizei die Sperrung der Strecke am Freitagabend aufgehoben. Bei dem Unglück in Halle-Ammendorf war eine Lok in einen Bautrupp gefahren. Ein Mann kam ums Leben. Drei Arbeiter wurden verletzt. Die Bundespolizei ermittelt.

Ein Polizeifahrzeug hält neben der Bahnstrecke in Halle-Ammendorf.
Bundes- und Kriminalpolizei ermitteln weiterhin, wie es zu dem Zugunglück an der Bahnstrecke kommen konnte. Bildrechte: dpa

Die Bundespolizei hat die Strecke nach dem tödlichen Bahnunfall in Halle am Freitagabend wieder freigegeben. Wie ein Sprecher der Deutschen Bahn MDR SACHSEN-ANHALT sagte, soll der Betrieb im Fern- und Regionalverkehr zwischen Halle und Erfurt schnell wieder regulär laufen. Allerdings gebe es durch die bestehenden Bauarbeiten bei Ammendorf auch weiterhin punktuelle Einschränkungen. Der Unfall in der Nacht zum Freitag hatte zu zahlreichen Ausfällen, Umleitungen und Verspätungen im Bahnverkehr geführt.

Unfallstelle am Gleisdreieck Halle-Ammendorf

Wie die Bundespolizei MDR SACHSEN-ANHALT mitteilte, erfasste gegen drei Uhr eine einzelne Lok vier Mitarbeiter der Deutschen Bahn, die zu einem Bautrupp gehörten. Ein Mann kam dabei ums Leben. Das Opfer, ein 27 Jahre alter Sicherungsposten, sei noch am Unfallort gestorben. Ein weiterer 54 Jahre alter Sicherungsposten sei schwerstverletzt und zwei Gleisarbeiter im Alter von 54 und 43 Jahren seien verletzt worden. Die drei Verletzten sind inzwischen außer Lebensgefahr. Laut Polizei befindet sich die Unfallstelle in einem Baustellenbereich am Gleisdreieck Halle-Ammendorf (nahe Europachaussee).

Ein Güterzug auf der Bahnstrecke in Halle-Ammendorf.
Die Ermittlungen der Polizei zum Unfallhergang werden noch andauern. Bildrechte: dpa

Die Lok war laut Bundespolizei in der Nacht von Magdeburg-Rothensee nach Halle unterwegs gewesen. Der Lokführer habe einen Schock erlitten. Acht weitere, nicht verletzte Arbeiter aus dem Bautrupp, die den Unfall mit ansehen mussten, seien seelsorgerisch betreut worden. Wie die Bundespolizei mitteilte, sind die Ermittlungen zum Hergang des Unfalls noch nicht abgeschlossen. Die Bundespolizei und die Kriminalpolizei ermittelten zum Unfallhergang. Dabei gehe ea auch um die Fragen, welche Rolle der Wintereinbruch mit Schnee spielte, ob es menschliches Versagen war oder ob technische Ursachen zum Unfall führten. Die Ermittlungen zur Ursache werden laut einer Bundespolizeisprecherin noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

DB drückt Mitgefühl aus

Nach Angaben der Deutschen Bahn hatten an der Stelle zu dem Zeitpunkt Gleisarbeiten stattgefunden. Das Unternehmen drückte am Freitagvormittag sein Mitgefühl aus. "Der Unfall, der sich vergangene Nacht bei Halle-Ammendorf ereignet hat, macht uns tief betroffen", sagte ein DB-Sprecher. "Unsere Gedanken sind bei dem tödlich verunglückten Gleisarbeiter und den Verletzten sowie ihren Familien und Freunden. Den Angehörigen des Opfers sprechen wir unser herzliches Beileid aus. Den Verletzten senden wir unsere Genesungswünsche."

Ein Kranwagen auf einer verschneiten Bahnstrecke
An der Bahnstrecke in Halle fanden Bauarbeiten statt. Bildrechte: MDR

Ausfälle und Störungen

Das Unfallgleis und das Gleis, an dem der Bautrupp gebaut hatte, waren nach Angaben der Polizei wegen der Ermittlungen am Freitag gesperrt. Der Güterverkehr sei auf der Strecke Halle-Sangerhausen abgewickelt worden.

Verschneite Gleise in Halle
Am Gleisdreieck Halle Ammendorf konnten am Freitag zwei Gleise wieder freigegeben werden (Archivbild). Bildrechte: MDR/Fabian Brenner

Am Freitag kam es zu Ausfällen und Verspätungen im Regional- und Fernverkehr. DB-Fernverkehrszüge wurden über Leipzig/Halle Flughafen umgeleitet. Betroffen waren Züge der ICE-Linien von Hamburg/Berlin Richtung Frankfurt am Main und München. Auch auf der Verbindung auf den Linien Richtung Sangerhausen und Naumburg kam es zu Ausfällen.

Zugunfälle mit getöteten Bahnmitarbeitern

Bundesweit gab es in den letzten Jahren mehrere Zugunfälle, bei denen Bahnmitarbeiter ums Leben kamen. In Sachsen-Anhalt starben im Dezember 2016 zwei Techniker. Ein ICE hatte die 56 und 61 Jahre alten Männer erfasst, die gerade im Dienst gewesen waren. Im März dieses Jahrs starb ein 21 Jahre alter Bauarbeiter auf einer Bahnstrecke zwischen Bremen und Osnabrück. Dort hatte ihn ein Regionalzug erfasst und getötet.

Im November vergangenen Jahres wurde ein Bahnmitarbeiter in Mittelfranken an der Strecke zwischen Treuchtlingen und Würzburg von einem Zug erfasst. Im August 2021 kam in Rheinland-Pfalz ein 22 Jahre alter Bahnmitarbeiter am Bahnhof Konz-Karthaus ums Leben. Er hatte laut Bundespolizei gerade eine Störung beheben wollen.

Bereits seit mehreren Wochen Behinderungen

Bahnreisende in Deutschland müssen wegen der Kollision zweier Güterzüge bei Leiferde in Niedersachsen schon seit Wochen Geduld mitbringen. Fernverkehrszüge werden umgeleitet. Ab 11. Dezember sollen die Züge laut Bahn wieder planmäßig rollen.

dpa, MDR (Paula Kautz, Cornelia Winkler, Leonard Schubert, Susanne Ahrens)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Da Radio wie wir | 03. Dezember 2022 | 06:00 Uhr

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