Vorläufiges Ergebnis AfD gewinnt Europawahl in Sachsen-Anhalt deutlich – CDU auf Platz zwei

12. Juni 2024, 08:53 Uhr

In Sachsen-Anhalt hat die AfD die Europawahl nach vorläufigem Ergebnis klar vor der CDU gewonnen. Das Bündnis Sahra Wagenknecht holte aus dem Stand ein zweistelliges Ergebnis. Ministerpräsident Haseloff sprach von einem "ganz schlimmen Tag für Deutschland".

Die AfD hat die Europawahl in Sachsen-Anhalt klar gewonnen. Dem in der Nacht zu Montag veröffentlichten vorläufigen Ergebnis zufolge holte die Partei 30,5 Prozent der Stimmen im Land – ein Zugewinn von mehr als zehn Prozentpunkten im Vergleich zur letzten Europawahl. Die CDU kam auf 22,8 Prozent (minus 0,4 Prozentpunkte).

BSW aus dem Stand bei 15 Prozent

Das neu gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) holte unterdessen aus dem Stand 15,0 Prozent. Die SPD lag bei 8,7 Prozent (minus 3,9), die Linkspartei bei 4,8 Prozent (minus 9,6). Die Grünen holten 3,9 (minus 5,2), die FDP holte 2,5 Prozent der Stimmen (minus 2,4). Die Wahlbeteiligung wurde in der Nacht zu Montag mit 62,1 Prozent angegeben

Sachsens-Anhalts AfD-Landeschef Martin Reichardt zeigte sich zufrieden mit dem Abschneiden seiner Partei bei der Europawahl. Er erklärte in einer ersten Reaktion, die AfD habe ihr Ergebnis erheblich verbessert, in Ost- und Mitteldeutschland sei man stärkste Kraft.

Stilisierte Wahldiagramme, davor ein Piktogramm mit den Umrissen Mitteldeutschlands, Sachsen-Anhalt eingefärbt.
Bildrechte: MDR / Franz-Paul Senftleben

Haseloff: "Ganz schlimmer Tag für Deutschland"

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) warf der Bundesregierung unterdessen einen falschen Kurs vor. "Die Ampel wurde abgestraft, weil sie die falschen Prioritäten setzt." Dass nur noch die CDU im Osten der AfD Paroli bieten könne, sei "eine Gefahr für die Demokratie". Er nannte es ein "Alarmsignal", dass die AfD zweitstärkste Partei in Deutschland zu werden scheine. "Das ist ein ganz schlimmer Tag für Deutschland."

SPD, Grüne und FDP reagieren enttäuscht

Die SPD-Landesvorsitzenden Juliane Kleemann und Andreas Schmidt zeigten sich enttäuscht. "Das heutige Wahlergebnis liegt unter unseren Erwartungen und ist für uns sehr enttäuschend."

Ähnlich äußerte sich der Co-Vorsitzende der Grünen im Land, Dennis Helmich. "Wir hatten gehofft, uns dem Rekordergebnis von der Europawahl 2019 anzunähern. Das ist uns klar nicht gelungen."

Lydia Hüskens, Vorsitzende der FDP Sachsen-Anhalt, steht am Eingang eines Bürogebäudes. 7 min
Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Peter Gercke
7 min

Nach der Wahl - "Alle demokratischen Partein müssen ihre Hausaufgaben machen"

MDR AKTUELL So 09.06.2024 21:47Uhr 06:35 min

https://www.mdr.de/mdr-aktuell-nachrichtenradio/audio/audio-2661290.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

FDP-Landeschefin Lydia Hüskens zeigte sich ebenfalls unzufrieden. Die Stärkung der politischen Ränder sei "ein Zeichen für die bestehenden Unsicherheiten in unserem Land". Sie forderte, dass die FDP den "Kurs der Wirtschaftswende für mehr Dynamik und die eingeleitete Asylwende" noch konsequenter umsetzen müsse.

Wahlbeteiligung bei 62 Prozent

Die Wahlbeteiligung ist in Sachsen-Anhalt im Vergleich zur Europawahl vor fünf Jahren gestiegen, lag allerdings unter dem Bundesschnitt. Demnach gaben 62,0 Prozent der Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt ihre Stimme ab. Bundesweit lag die Wahlbeteiligung bei rund 65 Prozent. Vor fünf Jahren hatte die Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt bei 54,7 Prozent gelegen.

Rund 1,8 Millionen Menschen waren am Sonntag im Land zur Wahl aufgerufen. Erstmals durften Personen ab 16 Jahren abstimmen. Bei der Europawahl vor fünf Jahren hatte die CDU in Sachsen-Anhalt mit 23,2 Prozent die meisten Stimmen geholt. Die AfD lag 2019 bei 20,4 Prozent, die Linkspartei bei 14,4 und die SPD bei 12,6 Prozent. Grüne und FDP kamen vor fünf Jahren auf 9,2 beziehungsweise 4,9 Prozent.

Was bedeuten die Wahlergebnisse für Mitteldeutschland? Darüber hat am Abend nach der Wahl die Runde bei "Fakt ist!" diskutiert:

Liebe Nutzerinnen und Nutzer, 

wir können nachvollziehen, dass es sich um ein Thema mit großem Diskussionsbedarf handelt. Um die Diskussion aber nicht in vielen Artikeln zu zerfasern und auch, um unsere Ressourcen optimal zu nutzen, bitten wir Sie, Ihre Kommentare
in unserem Hauptartikel zur Europawahl zu schreiben. Bei allen anderen Artikeln zur Europawahl bleibt die Kommentarfunktion geschlossen. Wir danken Ihnen sehr für Ihr Verständnis und freuen uns auf eine rege, respektvolle Diskussion, Ihre MDR.DE-Redaktion.

Mehr zum Thema Europawahl

MDR (Felix Fahnert)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 10. Juni 2024 | 19:00 Uhr

Mehr Politik in Sachsen-Anhalt