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Finanzminister Richter muss mit geringeren Steuereinnahmen auskommen. Mehr dazu im Audio. Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Klaus-Dietmar Gabbert
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MDR SACHSEN-ANHALT Mi 22.05.2024 06:44Uhr 00:48 min

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Sachsen-Anhalt Weniger Geld fürs Land: Steuereinnahmen weit unter Erwartungen

21. Mai 2024, 20:22 Uhr

Die schwächelnde Konjunktur und die zaghafte Konsumlaune der Verbraucher führen zu geringeren Steuereinnahmen in Sachsen-Anhalt. Das reißt ein Loch von 180 Millionen Euro in den kommenden Haushalt. Laut Finanzminister Richter sind Einsparungen notwendig. Arbeitgeber fordern eine schlankere Verwaltung und Bürokratieabbau.

Daniel Salpius schaut freundlich
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Sachsen-Anhalt wird 2024 voraussichtlich 437 Millionen Euro weniger an Steuern einnehmen als erwartet. Zu diesem Ergebnis kommt laut Finanzminister Michael Richter (CDU) die aktuelle Prognose des Arbeitskreises "Steuerschätzung". Die Summe fehle nun zwar im aktuellen Landeshaushalt, könne jedoch im Rahmen der Schuldenbremse über Kreditaufnahmen ausgeglichen werden, so Richter am Dienstag in Magdeburg. Sparmaßnahmen seien im aktuellen Haushaltsjahr nicht notwendig.

Richter: 180 Millionen Euro in kommenden Haushalt ungedeckt

Anders sieht das offenbar in der kommenden Haushaltsperiode aus: Für die Jahre 2025 und 2026 rechnet der Finanzminister mit einem Steuerminus von insgesamt 445 Millionen Euro, von denen zwar der Großteil ebenfalls ausgeglichen werden könne. 180 Millionen Euro blieben jedoch übrig und müssten im Rahmen der anstehenden Verhandlungen über den Doppelhaushalt 2025/26 eingespart werden, so der Finanzminister.

Diese Steuern fließen an die Bundesländer

Zu den sogenannten Landessteuern gehören die Vermögens-, Erbschafts-, Grunderwerbs-, Rennwett- und Lotterie-, Feuerschutz- sowie die Biersteuer. Sie fließen an die Bundesländer.

Bund und Länder teilen sich zudem sogenannte Gemeinschaftssteuern. Dazu gehören zum Beispiel Lohnsteuer, Einkommenssteuer und Umsatzsteuer. Quelle: Statistisches Bundesamt

Über konkrete Einsparmöglichkeiten äußerte sich Richter auf MDR-Nachfrage nicht. Man müsse zuerst sehen, welche Bedarfe die Ressorts anmelden würden. Aber: "Es wird zunehmend schwieriger, mit den zur Verfügung stehenden Einnahmen auszukommen." Daher seien Prioritäten "unabdingbar zu setzen".

Schwächelnde Wirtschaft und zaghaftes Konsumverhalten

Als Gründe für die unter den Erwartungen liegenden Steuereinnahmen nannte Richter unter anderem die schwächelnde wirtschaftliche Entwicklung sowie das zurückhaltende Konsumverhalten der Bürgerinnen und Bürger. Er betonte zugleich, dass das Steueraufkommen insgesamt gestiegen sei – um drei Prozent zum Vorjahr –, nur eben weniger stark als angenommen.

Auch die Gemeinden in Sachsen-Anhalt liegen nach Angaben des Finanzministeriums unter dem Ergebnis der Steuerschätzung vom vergangenen Herbst.

Statt Schuldenbremse: Opposition fordert mehr Investitionen

Trotz der eingetrübten Einnahmesituation warnte Linken-Fraktionschefin Eva von Angern am Dienstag per Pressemitteilung vor Kürzungen bei den Landesausgaben. Stattdessen brauche es mehr öffentliche Investitionen in "ein chancengerechtes Bildungssystem, eine intakte Umwelt und gute Arbeitsplätze". Die Schuldenbremse hingegen sei längst über verschiedene Sondervermögen aufgeweicht.

Zur gegenwärtigen Diskussion um die Schuldenbremse sagte Richter, er sehe eine Lockerung trotz aktueller Lage kritisch. Für Investitionen zur Verfügung gestellte Gelder würden ohnehin am Ende oft nicht abgerufen.

Wirtschaftverbände fordern schlanke Verwaltung und Bürokratieabbau

Der Geschäftsführer der Arbeitsgeber- und Wirtschaftsverbände Sachsen-Anhalt, Matthias Menger, sieht in den Ergebnissen der Steuerschätzung ein deutliches Signal, "dass wir uns auf schwierige Zeiten einstellen müssen". Es sei nun entscheidend, dass sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene geeignete Maßnahmen ergriffen würden, um die wirtschaftliche Stabilität zu sichern und langfristig Wachstum zu fördern, so Menger am Dienstag. 

Einsparpotentiale lägen in jedem Ministerium. "Das heißt, den Personalschlüssel gezielt durch Verwaltungsdigitalisierung und Bürokratieabbau senken."  Das spare nicht nur Kosten, sondern sei zugleich ein Instrument, um die heimischen Unternehmen und damit den Wirtschaftsstandort zu stärken, so Menger.

MDR (Daniel Salpius), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21. Mai 2024 | 18:00 Uhr

18 Kommentare

Roy_Bianco vor 4 Wochen

Da geht es nur zum Wohle der Landeshauptstadt. Der Rest des Landes schaut in die Röhre. Wieviel Bürger profitieren denn am Ende von den Investitionen? Frag mal die Leute in MSH oder Dessau wie die es finden, dass die Kohle immer nur in eine Region verschoben wird.

Shantuma vor 4 Wochen

Bürokratieabbau funktioniert nicht in Deutschland.

Wenn man 1 Vorschrift entfernt kommen doch 3-4 wieder hinterher um ggf. Ausnahmen zu reglimentieren.

Digitalisierung ... ein Wunderwort, welches schon komplett ausgelutscht ist.

Shantuma vor 4 Wochen

@goffman:
Das Problem ist nicht unbedingt das Investitionsverhalten, sondern dass man diese Situation mit Absicht und im vollen Bewusstsein herbei geführt hat!
Und nun werden wieder die Leugner kommen und sagen dass es externe Faktoren waren.
Dies stimmt absolut nicht!

Es gibt ja immernoch genügend Leichtgläubige die glauben (in Teilen sogar religös), dass die Freunde überm Teich wirklich Freunde sind. Dies sind diese aber nicht.
Daher spreche ich mich für ein souveränes Europa aus, welches seine Interessen friedlich, diplomatisch in der Welt vertritt und nicht mit Sanktionen etc. droht, das ist Diplomatie aus dem 19. Jh! Als man noch mit Kanonenbooten nach China gefahren ist ... Moment, dass tun wir ja schon wieder.

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