Teilnehmerinnen eines Tanz-Flashmops tanzen mit erhobenen Händen auf dem Domplatz von Magdeburg.
Auch in der Vergangenheit wurde schon mit Kundgebungen auf das Problem von Gewalt gegen Frauen aufgemacht – wie hier in Magdeburg. (Archivbild) Bildrechte: picture alliance/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert

7,5 Millionen Euro Sachsen-Anhalt beschließt Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen

14. Februar 2024, 16:54 Uhr

Mit einem Aktionsplan will die Landesregierung in Sachsen-Anhalt verstärkt gegen Gewalt an Frauen vorgehen. 7,5 Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung. Im Zentrum stehen Gewaltschutz-Angebote im ländlichen Raum. Am Mittwoch sind wieder Flashmobs und Aktionen geplant, um auf das Problem hinzuweisen.

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In Sachsen-Anhalt soll Gewalt gegen Frauen stärker bekämpft werden. Die Landesregierung hat am Dienstag einen Aktionsplan mit dem Titel "Progress" (dt.: Fortschritt) beschlossen. Das teilte das Gleichstellungsministerium in Magdeburg mit. Der Aktionsplan soll für die Umsetzung der sogenannten Istanbul-Konvention sorgen. Die Konvention ist ein völkerrechtliches Abkommen des Europarates gegen Gewalt an Frauen und häusliche Gewalt.

Angebote für ländlichen Raum

Laut Gleichstellungsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) soll der Aktionsplan insbesondere Gewaltschutz-Angebote im ländlichen Raum voranbringen. "Um betroffenen Frauen den Weg in ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben aufzuzeigen, setzen wir auf ein gestärktes und gut vernetztes Hilfesystem", erklärte Grimm-Benne.

Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm Benne (SPD)
Sachsen-Anhalts Sozial- und Gleichstellungsministerin Petra Grimm Benne (SPD) setzt auf ein gut vernetztes Hilfesystem für von Gewalt betroffene Frauen, in dem Personen, Behörden und Einrichtungen besser zusammenarbeiten. Bildrechte: imago images / Christian Schroedter

Um betroffenen Frauen den Weg in ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben aufzuzeigen, setzen wir auf ein gestärktes und gut vernetztes Hilfesystem.

Petra Grimm-Benne (SPD)

Aktionsplan soll Zusammenarbeit zwischen Polizei, Behörden und Schulen fördern

Demnach stehen in diesem Jahr für den Kernbereich des Hilfesystems rund 7,5 Millionen Euro zur Verfügung. Das seien 3,5 Millionen Euro mehr als 2021, hieß es. Der Aktionsplan soll den Angaben zufolge insbesondere das Hilfesystem für betroffene Frauen stärker vernetzen. Geplant ist demnach eine bessere Zusammenarbeit zwischen Polizei, Schulen, Behörden, Justiz oder Einrichtungen im Gesundheitssystem. So sollen etwa Ärzte und Krankenhäuser in das Netzwerk aktiv eingebunden werden, hieß es.

Hilfetelefon 116 016

Beratung und Hilfe für Frauen: Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder noch erleben. Unter der Nummer 116 016 und via Online-Beratung bekommen Betroffene aller Nationalitäten, mit und ohne Behinderung – 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr Unterstützung. Auch Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie Fachkräfte bekommen anonym und kostenfrei Beratung.

In Sachsen-Anhalt gibt es den Angaben zufolge derzeit 19 Frauenhäuser mit 117 Plätzen für Frauen und 142 Plätzen für ihre Kinder. Seit 2023 existieren zudem zehn ambulante Beratungsstellen. Vier Fachberatungsstellen für Betroffene sexualisierter Gewalt, vier Interventionsstellen, die Fachstelle "Vera" und die Täter-Beratung durch "ProMann" ergänzen demnach das Beratungsangebot.

Aktionstag "One Billion Rising" in Naumburg, Stendal und Magdeburg am 14. Februar

Gegen Gewalt an Frauen finden am Mittwoch im Rahmen der weltweiten Initiative "One Billion Rising" Proteste statt. Zum Beispiel sind Bürgerinnen und Bürger in Naumburg und Stendal um 15 Uhr zu einem Tanz-Flashmob aufgerufen. Die Aktion findet in Naumburg auf dem Marktplatz statt, in Stendal auf dem Winckelmannplatz. Aufgerufen dazu haben die Gleichstellungsbeauftragten von Naumburg und vom Landkreis Stendal.

Menschen auf einer Wiese beteiligen sich an der Tanz-Kampagne "One Billion Rising"
In Stendal kamen laut Reporterin von MDR SACHSEN-ANHALT etwa 50 Menschen zu der Aktion zusammen. Bildrechte: MDR/Susann Meier

Auch in Magdeburg gibt es von 14 bis 18 Uhr eine Tanz-Demo im Gesellschaftshaus Magdeburg. Weitere Veranstaltungen sind in Burg und Halberstadt geplant. In Bitterfeld-Wolfen gibt es eine "One Billion Rising"-Aktion – allerdings erst am 16. Februar.

Teilnehmerinnen eines Tanz-Flashmops tanzen auf dem Domplatz von Magdeburg.
Zuletzt wurde in Magdeburg zum Aktionstag "One Billion Rising" auf dem Domplatz getanzt. Bildrechte: picture alliance/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert

One Billion Rising "One Billion Rising" (englisch für "Eine Milliarde erhebt sich") ist eine weltweite Kampagne für ein Ende der Gewalt gegen Frauen und Mädchen und für Gleichstellung, welche im September 2012 von der New Yorker Künstlerin und Feministin Eve Ensler initiiert wurde. Die eine "Milliarde" deutet dabei auf eine UN-Statistik hin, nach der ein Drittel aller Frauen und Mädchen in ihrem Leben Opfer von Gewalt werden. Es ist eine der größten Kampagnen weltweit, mit Tausenden von Events in bis zu 190 Ländern. Eine Milliarde Frauen und Männer werden dazu eingeladen, raus zu gehen, zu tanzen und sich zu erheben, um das Ende dieser Gewalt zu fordern.

epd; MDR (Hanna Kerwin, Martin Naß, Mario Köhne)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 14. Februar 2024 | 08:40 Uhr

11 Kommentare

Volker S. vor 18 Wochen

@ Atze Grauer: Sie haben Ihre Hausaufgaben gutgemacht und gut gelernt, jedoch nicht vom und fürs Leben.

Die sozialen Medien schaffen keine Umstände, sie spiegeln lediglich wider. Die Ursache liegt ganz woanders.

Opa gegenLinks vor 18 Wochen

Hass ist nicht strafbar ! Ich darf hassen. Die Ablehnung einer Person ist nicht strafbar ! Unterhalb der Strafgrenze neue Regeln zu schaffen, wäre nicht demokratisch - Werte Frau Paus !

Volker S. vor 18 Wochen

Dazu fällt mir spontan ein:

sozial = auf die menschliche Gemeinschaft bezogen

populär = beim Volk, bei der großen Masse

Demokratie = Wille des Volkes

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