MDRfragt – Das Meinungsbarometer für Mitteldeutschland MDRfragt: Mehrheit mit neuer Landesregierung zufrieden

Nach ihren ersten 100 Tagen im Amt bekommt Sachsen-Anhalts neue Landesregierung von gut der Hälfte der Menschen ein gutes Zeugnis ausgestellt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Befragung von MDRfragt mit mehr als 5.600 Teilnehmenden. Begrüßt wird das Beharren auf den bisherigen Fahrplan für den Kohleausstieg. Kleiner fällt dagegen der Rückhalt in der Corona- und vor allem der Bildungspolitik aus.

Reiner Haseloff (CDU), amtierender Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt
Die Corona-Pandemie prägte die ersten 100 Tage des neuen Kabinetts unter Ministerpräsident Haseloff (CDU). Bildrechte: dpa

Seit 100 Tagen regiert in Sachsen-Anhalt eine neue Koalition aus CDU, SPD und FDP. Die Bevölkerung ist bislang mit der Arbeit von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und seinem Kabinett überwiegend zufrieden. Das legt eine neue Befragung von 5.617 Menschen in Sachsen-Anhalt durch MDR SACHSEN-ANHALT und MDRfragt – dem Meinungsbarometer für Mitteldeutschland nahe.

Demnach bewerten mehr als die Hälfte der Teilnehmenden (53 Prozent) die bisherige Arbeit der Koalition als eher gut bis sehr gut. Rund ein Drittel (34 Prozent) stellt hingegen ein schlechtes Zeugnis aus. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, aber nach wissenschaftlichen Kriterien gewichtet. Im Vergleich zu einer ähnlichen Befragung vor der Landtagswahl ist vor allem die Zahl der Kritiker und Kritikerinnen kleiner. Damals regierten CDU und SPD mit den Grünen.

So funktioniert die Wichtung der Ergebnisse

Die Ergebnisse der Online-Befragung sind nicht repräsentativ. Die Redaktion von MDRfragt hat sie allerdings in Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen Beirat nach den statistischen Merkmalen Bildung, Geschlecht und Alter gewichtet. Das heißt, dass die Daten der an der Befragung beteiligten MDRfragt-Mitglieder mit den Daten der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt abgeglichen wurden. Aufgrund von Rundungen kann es vorkommen, dass die Prozentwerte bei einzelnen Fragen zusammengerechnet nicht exakt 100 ergeben.

Corona-Pandemie: Nur Hälfte mit Management zufrieden

Deutlich gespaltener fällt die Bewertung des Pandemie-Managements aus. Nur 45 Prozent der Befragten gab an, mit der Corona-Politik der Landesregierung in der vierten Welle eher zufrieden zu sein. Die Hälfte (50 Prozent) wiederum bewertete die Arbeit als eher bis sehr schlecht. Ob diese Kritikerinnen oder Kritiker allerdings sich weniger oder schärfere Maßnahmen gewünscht hätten, wurde nicht gesondert erfragt.

Bei einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap im Auftrag des MDR hatten sich Mitte April 2021 zwei Drittel (66 Prozent) wenig bis gar nicht zufrieden mit der Corona-Politik gezeigt. Befragte kritisierten damals vor allem die schleppende Impfkampagne und die Krisenkommunikation der damaligen Landesregierung.

Kohleausstieg: Festhalten am bisherigen Plan

Mehr Rückhalt kann Ministerpräsident Haseloff offenbar in seiner Haltung zum Kohleausstieg hinter sich wissen. Er hat das erklärte Ziel der neuen Ampel-Koalition im Bund, den Kohleausstieg in Deutschland "idealerweise" von 2038 auf 2030 vorzuziehen, bislang vehement zurückgewiesen: Laut Haseloff müsste es in diesem Fall weitere Milliardenhilfen und eine Sonderwirtschaftszone für das Revier geben.

Mehr als zwei Drittel der Teilnehmenden (69 Prozent) finden das richtig. Nur etwa ein Viertel (26 Prozent) lehnen die Haltung dagegen ab.

Bei einer weiteren Frage gaben mehr als ein Drittel der Teilnehmenden (36 Prozent) an, dass sie auch den bislang beschlossenen Zeitplan für den Kohleausstieg für zu früh oder gar ganz falsch halten. Etwas weniger als ein Drittel (30 Prozent) will hingegen 2030 oder früher aussteigen.

Die Verstromung von Kohle ist einer der größten CO2-Verursacher in Deutschland. Der Kohleausstieg soll helfen, die verbindlichen Klimaziele des Pariser Klimaabkommens rechtzeitig zu erreichen. Das letzte aktive Kohlekraftwerk in Sachsen-Anhalt soll derzeit 2034 abgeschaltet, der Kohleabbau 2035 beendet werden.

Lehrermangel: Vertrauen in Bildungspolitik sehr gering

Ein drittes bestimmendes Thema der bisherigen Regierungszeit ist einmal mehr der Mangel an Lehrkräften im Land. Trotz Rekordeinstellungen in den letzten Jahren fehlt es in Sachsen-Anhalt weiterhin an Lehrerinnen und Lehrern. Zuletzt fanden nur 94 Prozent des geplanten Unterrichts auch statt. Dass die Landesregierung das Problem des Lehrermangels in den Griff bekommen wird, das glauben fast neun von zehn Teilnehmenden (87 Prozent) nicht. Nur zwölf Prozent haben diesbezüglich Vertrauen in die neue Regierung und Bildungsministerin Eva Feußner (CDU).

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MDR SACHSEN-ANHALT Mo 27.12.2021 09:30Uhr 00:39 min

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MDR (Thomas Vorreyer, Kristin Hansen)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 25. Dezember 2021 | 10:00 Uhr

9 Kommentare

Mediator vor 26 Wochen

@Culicoidea
Mir wäre neu, dass deutlich jüngere Personen zur Wahl standen. Die Zehn Jahre Unterschied zwischen Merz und Röttgen machen den Kohl ja wohl nicht fett.

Jugend ist nicht alles, wenn man sich den ex Bubikanzler aus Österreich anschaut. Im Nachgang erkennt man, dass er doch vor allem mauscheln konnte, für sein Land aber nicht wirklich eine Agenda hatte.

Mediator vor 26 Wochen

@Atheist
Jetzt stänkern sie doch nicht gleich wieder herum, nur weil die Ergebnisse dieser Umfrage nicht zu ihrer ideologischen Grundausrichtung passen.

Die Menschen in Sachsen Anhalt haben mit großer Mehrheit Vertrauen in die Demokratie, sind überwiegend mit der Arbeit ihrer Landesregierung zufrieden und äußern bei diversen Themen durchaus sehr differenzierte Meinungen.

PS: Es handelte sich hier um keine Wahlumfrage

Dreibeiner vor 26 Wochen

In Deutschland zeigt sich bei Umfragen ein Grundvertrauen in die Demokratie. So beträgt die Demokratiezufriedenheit laut der Wahlumfrage 2002 der DVPW etwa 85 %.

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