Ein Stück Glas spiegelt eine Werkshalle und befindet sich noch in seiner Gussform. Im Hintergrund sind verschiedene Glasbearbeitungswerkzeuge zu sehen.
Die Unesco entscheidet diese Woche darüber, ob die manuelle Glasfertigung Weltkulturerbe wird. Bildrechte: Harzkristall

Kunsthandwerk Manuelle Glasherstellung ist UNESCO-Weltkulturerbe

06. Dezember 2023, 18:05 Uhr

Die manuellen Glasfertigung in sechs europäischen Ländern, unter anderem auch Deutschland, ist in die internationale Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Das entschied die Weltkulturorganisation UNESCO am Mittwoch im afrikanischen Botswana. Auch der Betrieb Harzkristall aus Derenburg in Sachsen-Anhalt unterstützte den Antrag.

Die Kultur- und Bildungsorganisation der Vereinten Nationen (UNESCO) hat die traditionellen Glas-Handwerkstechniken in sechs europäischen Ländern als Weltkulturerbe anerkannt. Wie die Deutsche UNESCO-Kommission am Mittwoch in Bonn mitteilte, werden die manuelle Glasfertigung in Deutschland, Finnland, Frankreich, Spanien, Tschechien und Ungarn in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Der Vizepräsident der Deutschen Unesco-Kommission, Christoph Wulf, sagte, das Handwerk der Manuellen Glasfertigung zeichne sich durch eine beeindruckende schöpferische Kraft aus: "Die Gemeinschaft der Glasmacherinnen und Glasmacher bewahrt diese besondere Handwerkstradition mit einem beeindruckenden Engagement." An der Nominierung hatten sich Glashütten aus ganz Europa beteiligt.

Glasmanufaktur Harzkristall unterstützt Antrag

Aus Sachsen-Anhalt unterstützte die Glasmanufaktur Harzkristall den Antrag. Sie ist in Derenburg ansässig. Im Gespräch mit MDR KULTUR erklärte Geschäftsführer Volker Putzmann vor der Entscheidung: "Für die manuelle Glas-Produktion würde das natürlich bedeuten, dass man ein Gütesiegel hat und, dass man darauf aufbauen kann, verschiedene Förderungen bekommen könnte und das Ganze natürlich auch einen größeren Bekanntheitsgrad bekommt."

Nur noch wenige Betriebe würden so traditionell in der Glas-Produktion arbeiten, insbesondere wegen gestiegener Energiekosten. Produkte entstehen heutzutage vor allem im historischen Zusammenhang, erklärt Putzmann von Harzkristall: "Wir kriegen viele Anfragen, insbesondere von antiquierten Dingen, die Denkmal-Auflagen haben - wie Lampen, Glasbausteine, Spezialanfertigungen von Schalen oder Geschirr."

In der Glasmanufaktur Harzkristall arbeiten neben den Glasbläsern auch Glas-Macher. An der sogenannten Glas-Pfeife produzieren sie Vasen, Gläser oder Leuchten aus bis zu 20 Kilogramm Glas auf einmal.

Ein Glashandwerker in blauer Arbeitskleidung bearbeitet ein glühendes Stück Glas an einem langen Stab.
Ein Glashmacher bearbeitet ein glühendes Stück Glas. Bildrechte: Harzkristall

Förderung des Glas-Handwerks dringend nötig

Fragt man Volker Putzmann von Harzkristall, warum die manuelle Glasfertigung Welterbe-Potential hat, verweist er auf die Könnerschaft dahinter: "Das Handwerk der Glasmacher ist so besonders, dass man das zwar in drei Jahren erlernen kann, aber eigentlich die Fähigkeiten und Fertigkeiten erst innerhalb von zehn Jahren gänzlich erlangt."

Ein Glasmacher bläst in ein langes Rohr, an dessen Ende sich glühendes Glas in einer Form befindet. Viel Rauch ist zu sehen, im Hintergrund die Werkstatt mit verschiedenen Maschinen.
Ein Glasmacher bläst in die Glasmachpfeife hinein und bereitet damit das Glas für die Hohlglasform vor. Bildrechte: Harzkristall/Andreas Bohn

Mit der Eintragung in die UNESCO-Liste hoffen die Beteiligten auf eine Bewahrung des impliziten Wissens um die manuelle Glasherstellung durch Vernetzung und Weiterentwicklung.

Das scheint dringend nötig, angesichts der Schwierigkeiten in der Produktion, mit der die manuellen Glas-Produzenten zu kämpfen haben. "Wir verstehen uns als sogenannter Museums-Betrieb und haben den Vorteil, dass wir 220.000 Besucher im Jahr bei uns in der Hütte haben," erklärt Harzkristall-Geschäftsführer Volker Putzmann. Ein Großteil der Einnahmen käme da über den Museumsshop. "Nur einen kleinen Anteil, derzeit 20 Prozent, macht die Produktion bei uns aus."

Verschiedene Vasen und Gegenstände aus Glas
Kleine Kunstwerke aus Glas gibt es in Derenburg auch für Zuhause. Bildrechte: Glasmanufaktur Derenburg

Seit 2015 ist die manuelle Glasfertigung bereits nationales immaterielles Kulturerbe.

Seit 2015 steht die manuelle Glasfertigung bereits auf der deutschen Liste für immaterielles Kulturerbe. Das ist die Voraussetzung, um sich auch um eine internationale Aufnahme zu bewerben.

Neben dem Glashandwerk wurden am Mittwoch das Hebammenwesen sowie die traditionelle Bewässerung in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Zuvor schafften es bereits der Operngesang aus Italien und das muslimische Fastenbrechen Iftar auf die Liste. Die UNESCO tagt noch bis zum Wochenende in Kasane in Botswana.

Quellen: MDR KULTUR (Hanna Romanowsky, Sandra Meyer), Harzkristall, UNESCO

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. Dezember 2023 | 06:30 Uhr

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