Verlorene DDR-Kunst in Magdeburg Historische Aufnahmen zeigen zweites Gemälde im ehemaligen Restaurant "Stadt Prag"

13. November 2022, 10:31 Uhr

Sensationsfund in Magdeburg: Bei Bauarbeiten im ehemaligen McDonalds, in dem sich zu DDR-Zeiten das Restaurant "Stadt Prag" befand, ist hinter einer Wand ein Gemälde aus dem Jahr 1955 entdeckt worden. Jahrzehnte war es verschollen, offenbar wusste selbst Mieter McDonalds nichts von der Wandkunst. Der Magdeburger Heimatverein will das wiederentdeckte Kunstwerk nun erhalten – und vermutet in dem DDR-Bau aus den 1950ern noch mehr Kunst.

In der seit Frühjahr geschlossenen McDonalds-Filiale am Alten Markt in Magdeburg ist bei Bauarbeiten hinter einer Wand ein Wandgemälde entdeckt worden. Das Kunstwerk soll 1955 vom Künstler Manfred Kandt gemalt worden sein, als in den Räumlichkeiten noch die Gaststätte "Stadt Prag" untergebracht war.

Ulrich Schneider war über Jahrzehnte technischer Leiter der Magdeburger Wohnungsbaugesellschaft und kennt das Restaurant "Stadt Prag" gut. Jetzt engagiert sich Schneider im Heimatverein und will das wiedergefundene Kunstwerk erhalten: "Mit der Eröffnung des Restaurants und des Gebäudes in den 1950er Jahren wurde auch das Gemälde an die Wand gebracht. Nach einer Neugestaltung der Gaststätte ist das Gemälde dann hinter einer Gipswand verschwunden", erzählt Schneider im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. Erst beim Rückbau der McDonalds-Filiale sei das Bild wieder freigelegt worden.

Dabei ging der Vormieter offenbar sehr rabiat vor, denn die Bohrlöcher für die Halterung der Verkleidung vor dem Gemälde wurden zum Teil mit großen Abplatzungen entfernt. Das schmerzt Schneider. Aber er sieht das Bild nicht als verloren an. "Wir hoffen, dass man die fehlenden Teile ersetzen kann, ein möglicher Nachmieter könnte das Bild neu erstehen lassen." Und es könnte nicht das einzige Gemälde in den Räumen bleiben.

Historische Aufnahmen zeigen zweites Bild im Raum

Für Schneider ist es mittlerweile wie eine Schatzsuche im Internet, mehr über das historische Gebäude zu erfahren. Bei seiner Recherche ist er auf ein Foto des Innenraums gestoßen, das ein zweites Wandbild im ehemaligen "Stadt Prag" zeigt. "Auf der anderen Seite des Raumes ist ebenfalls eine Gipswand, die vielleicht noch ein Geheimnis verbirgt. Ich habe zu Hause noch ein Endoskop und damit wollen wir einmal hinter die Wand sehen. Vielleicht ist das zweite Bild ebenfalls noch erhalten," sagt Schneider.

Jedoch enden die Deckenplatten genau vor der Gipsplatte, genau wie beim bereits entdeckten Bild. Somit könnte das zweite Gemälde einfach übermalt worden sein. Eine Wiederherstellung wäre dann sehr kostenintensiv, sagt Schneider.

Neuer Mieter könnte gefundenes Gemälde erhalten

Zum neuen Mieter der Räumlichkeiten will sich der ehemalige Wobau-Mitarbeiter nicht äußern. Aber er hofft, dass die Gesellschaft sich mit dem neuen Mieter über den Erhalt des Bildes einigt.

Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT könnte es sich beim neuen Mieter um die Restaurant-Kette "Hans im Glück" handeln. Auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT bei "Hans im Glück" zum möglichen Eröffnungstermin eines Restaurants in Magdeburg äußert sich das Unternehmen verhalten: Das Unternehmen ist demnach "stets an neuen attraktiven Standorten interessiert". Für eine Eröffnung in Magdeburg gebe es aktuell keine konkreten Pläne. Auf ähnliche Medienanfragen hatte "Hans im Glück" Magdeburg bereits im Juli als attraktiven Standort bezeichnet. Zu genaueren Planungen will sich die Restaurant-Kette jedoch offenbar nicht in die Karten schauen lassen.

Denkmalschutz greift

In jedem Fall hätten die neuen Mieter auch den Denkmalschutz zu beachten: "Das gesamte Gebäude steht unter Denkmalschutz, damit ist auch das Ensemble zu erhalten", sagt Schneider. Der neue Mieter könnte das Bild zwar wieder sichern, indem er es erneut hinter einer Gipswand verwinden ließe. "Übermalen wäre jedoch nicht zulässig," so Schneider.

Als das Bild zum ersten Mal verschwand, gab es noch keinen Denkmalschutz in der heutigen Form. Aus diesem Grund musste der Vormieter sich um den Zustand des Bildes keine Gedanken machen. Jetzt aber hat Schneider die Hoffnung, dass das Wandgemälde bald wieder im guten Zustand für die Magdeburger zu sehen sein wird. Denn er meint: "Jedes Gebäude hat das Recht, auch so wiederzuerstehen, wie es mal war."

MDR (Lars Frohmüller)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. November 2022 | 09:30 Uhr

4 Kommentare

ElBuffo am 12.11.2022

Ist das wirklich Kunst oder sollte das nur Deko sein? Na egal. Mich interessiert vielmehr, wie man Bohrlöcher entfernen kann. Dass es dabei zu Abplatzungen kam, kann man selbst vielleicht verhindern, wenn man weiß, wie es geht.

hilflos am 12.11.2022

Denkmalschutz und Mieter? Ist nicht der Eigentümer in der Pflicht, gemeinsam mit dem Denkmalschutz? Die Bilder sind in schlechten Zustand und nicht zwangsläufig Teil des Mietgegenstandes

solli am 12.11.2022

Das Bild war bis zum letzten Umbau bei MC Donalds noch zu sehen. Dann wurde es leider überrenoviert.

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