Interview mit Notarzt Wie Patienten schnell ins richtige Krankenhaus kommen

Zum Jahresende strukturiert der Krankenhausbetreiber Helios seine Kliniken in Mansfeld-Südharz um. Abteilungen werden in Eisleben und Sangerhausen gebündelt und die Notaufnahme in Hettstedt schließt. Das hat auch Auswirkungen auf den Klinikstandort Aschersleben im Nachbar-Landkreis und den Rettungsdienst. Ein Notarzt erzählt.

Ein Mann vom Rettungsdienst schaut in die Kamera
Notarzt Jörn Duwenkamp erklärt im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT, was die Schließung der Notaufnahme in Hettstedt bedeutet. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Jörn Duwenkamp ist als Notarzt in Aschersleben unterwegs. Außerdem leitet der Arzt die Klinik für Notfallmedizin am Ameos-Krankenhaus in Aschersleben. Dort wurden bereits im Oktober mehr Patienten aus dem Raum Hettstedt behandelt als sonst, obwohl die Notaufnahme in Hettstedt erst zum Jahresende schließt.

MDR SACHSEN-ANHALT: Wie verläuft Ihr Dienst heute?

Jörn Duwenkamp: Ich bin heute tagsüber als Notarzt hier für den Standort Aschersleben eingeteilt. Heute hatte ich noch gar keine Einsätze. Aber das ist ein Geschäft, das sich natürlich nicht nach Uhrzeiten oder Geschäftszeiten richtet. Also das kann auch sich jederzeit verändern.

Sie sind nicht nur als Notarzt unterwegs, sondern auch Leiter der Notfallklinik hier bei AMEOS in Aschersleben. Merken Sie schon etwas von den Strukturveränderungen bei der Hettstedter Helios-Klinik?

Ja. Die Auswirkungen haben schon begonnen. Wir haben im letzten Monat [Oktober, Anm. d. Red.] schon nachweisbar mehr Zuweisungen über den Rettungsdienst aus dem Bereich Mansfeld-Südharz, also aus der Umgebung Hettstedt erhalten. Das hat schon zugenommen. Diese Herausforderung haben wir auch angenommen. Seit die Umstrukturierung bekannt wurde, ist eigentlich klar, dass es so kommen würde.

Wie funktioniert die Zuweisung im Normalfall?

Die Zuweisungen für den Rettungsdienst erfolgen über die Leitstelle des Landkreises Mansfeld-Südharz und Anmeldungen über das Ivena-System. Das sind auch für uns die nachweisbaren Steigerungen. Und wir sehen eben auch dann, welches Rettungsmittel von welcher Leitstelle angemeldet wurde.

IVENA-System: So kommen Patienten schnell ins richtige Krankenhaus

  • IVENA - steht für "Interdisziplinärer Versorgungsnachweis"
  • ist eine Kommunikationsplattform, über die sich Rettungsdienst, Krankenhäuser und Leitstellen austauschen
  • Krankenhäuser melde freie Betten und Behandlungskapazitäten
  • Notfallversorger melden einen Zahlencode mit Diagnose, Alter und Schweregrad der Erkrankung an die Leitstellen
  • Leitstellen weisen das nächste für die Behandlung des Patienten geeignete Krankenhaus zu

Wir hatten aus Mansfeld-Südharz vorher im Schnitt 20 bis 25 Zuweisungen von Patienten pro Monat. Im Oktober hatten wir eine Steigerung auf etwa 40 Zuweisungen. Ob das eine Momentaufnahme ist oder ob sich jetzt dieser Trend auch in den nächsten Monaten fortsetzt, ist spekulativ.

Wie komme ich das Notfallpatient in das für mich geeignete, nächste Krankenhaus?

Die Erstversorgung der Patienten erfolgt immer über den Rettungsdienst vor Ort. Mit einer entsprechenden Verdachtsdiagnose wird der Patient über die Leitstelle angemeldet. Das läuft über das Ivena, also ein Patienten-Leitsystem, worüber die Rettungsdienstleitstelle und die Kliniken kommunizieren.

Geeignet heißt, dass die Klinik die entsprechende fachliche Qualifikation vorhält, also die entsprechende Fachabteilung. Und geeignet heißt natürlich auch, dass die Klinik die entsprechenden Kapazitäten, die zur Versorgung notwendig sind, auch zur Verfügung stellen kann.

Das Interview führte Tom Gräbe.

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MDR (Tom Gräbe)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 26. November 2022 | 12:00 Uhr

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