Weiterbau der Autobahn A14: Landkreis Stendal wird 2021 zur Autobahn-Großbaustelle

Ab 2021 wird der Bau der A14 im Landkreis Stendal an Fahrt aufnehmen. Durch den Landkreis sollen rund 70 Kilometer Autobahn gebaut werden. Schon jetzt wird viel Arbeit zur Vorbereitung geleistet. Im Sommer des kommenden Jahres könnte es richtig losgehen.

Bau einer Grünbrücke zwischen Dolle und Lüderitz
Der Bau einer Grünbrücke zwischen Dolle und Lüderitz. Die A14 nimmt langsam Form an. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Es geht in großen Schritten voran beim Bau der Nordverlängerung der A14. "Es macht Spaß zu sehen, wie es vorangeht", sagt Bauoberleiter Klaus Fiedler von der Magdeburger Firma "VIP Ingenieurgesellschaft". Allerdings sei auch immer etwas Wehmut dabei, wenn etwas fertiggestellt werde. Am 14. September soll ein weiteres Teilstück der Autobahn für den Verkehr freigegeben werden, nachdem zuletzt 2014 ein kurzes Stück eröffnet wurde – das erste des Großprojektes, das eigentlich schon längst fertig sein sollte. Doch Klagen und Fehlplanungen hatten immer wieder für Verzögerungen gesorgt. Für die nun geplante Eröffnung des zweiten Teilstücks bei Dolle hat sich auch der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) angekündigt.

Nach Rechtsstreitigkeiten geht's in Stendal weiter

Ab dem kommenden Jahr soll dann auch der Landkreis Stendal zur Großbaustelle für die Autobahn 14 werden. Bisher wird erst an drei Brückenbauwerken südlich von Lüderitz gebaut. Mittlerweile gibt es für den größten Teil der geplanten 70 Kilometer Autobahn im Landkreis Stendal das Baurecht. Zuletzt war noch auf dem Teilstück zwischen Lüderitz und Stendal-Mitte eine Klage aktiv: Ein Anlieger aus Schernikau hatte im vergangenen September eine Klage beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eingereicht, nachdem die Pläne für den rund 13 Kilometer langen Abschnitt öffentlich ausgelegt worden waren.

"Die Beteiligten haben den Rechtsstreit im Vergleichswege beigelegt", teilt Pressesprecherin Katharina Steinhardt vom Landesverwaltungsamt in Halle auf Nachfrage mit. Damit besteht seit Juni ein unanfechtbares Baurecht. Im kommenden Jahr soll nun mit dem Bau einer 30 Kilometer langen Strecke zwischen Lüderitz und Osterburg begonnen werden. Erst danach folgen in zwei Abschnitten der Bau von Osterburg über Seehausen bis zur Landesgrenze. Letztere wird markiert durch die Elbbrücke bei Wittenberge.

Fertigstellung 2025 – eine ambitionierte Vorgabe

Bauoberleiter Klaus Fiedler möchte keine Prognosen abgeben, wann die Autobahn durchgängig befahrbar sein wird. Die Angaben von Verkehrsminister Thomas Webel (CDU), dass alles bis 2025 fertig ist, hält er für äußerst ambitioniert. "Man darf immer nicht unterschätzen, was alles erledigt werden muss, ehe es überhaupt losgeht", sagt Fiedler. Für die Teilstücke Lüderitz-Stendal-Osterburg liege nun zwar das Baurecht vor, die Bagger können jedoch erst anrollen, wenn die Archäologen die Trasse bearbeitet haben, die Ländereien angekauft und die Baulose vergeben worden sind.

Während der Landerwerb im Zuge von Flurneuordnungen relativ problemlos erfolge, sei es nie ganz klar, wie lange die Archäologen unterwegs sind, so Fiedler. Die Grabungsverantwortlichen gehen stets in zwei Phasen vor. Zunächst werde eine Schneise entlang der späteren Autobahn gezogen. Anschließend werde sich auf die Areale konzentriert, die vielversprechende Funde erwarten lassen. Derzeit gibt es bei Lüderitz noch eine große Grabungsstelle, die zum vorherigen Autobahnteilstück gehört, für den 2018 der erste Spatenstich erfolgte. Die Archäologen haben in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben immer wieder herausragende Funde gemacht. Mehr als 3.000 Jahre alte Siedlungsspuren und auch ein Urnengrabfeld bei Dolle sind zum Vorschein gekommen. 

Der Bau der A14

Die Nordverlängerung der Autobahn 14 umfasst 155 Kilometer zwischen den Anschlussstellen Dahlenwarsleben und Schwerin. In Sachsen-Anhalt rollt der Verkehr seit 2014 bisher nur auf fünf von 97 Kilometern. Die fertige rund fünf Kilometer Strecke geht von der Anschlussstelle Wolmirstedt bis Colbitz. Am 14. September 2020 wird ein weiteres Teilstück von Colbitz bis Tangerhütte (8,5 Kilometer) für den Verkehr freigegeben. 

Den Landkreis Stendal werden künftig rund 70 Kilometer Autobahn durchziehen. Fünf Abschnitte wurden für den Bau geplant: Tangerhütte-Lüderitz (14,83 km), Lüderitz-Stendal (12,89 km), Stendal-Osterburg (18,23 km), Osterburg-Seehausen (16,78 km), Seehausen-Landesgrenze (8,8 km). Das Teilstück Tangerhütte-Lüderitz befindet sich seit 2018 im Bau. Die anderen Abschnitte haben Baurecht, abgesehen vom Abschnitt Osterburg-Seehausen.

Unterschiedliche Baubedingungen

Im Landkreis Stendal erwartet Klaus Fiedler gänzlich andere Baubedingungen als im Bördekreis. Dies sei bedingt durch die feuchte Tangerniederung und die Uchte bei Stendal. Schon jetzt werden an späteren Brückenbaustellen Drainagefelder erstellt, um die Feuchtigkeit aus dem Boden zu holen. "Damit können wir bis zu ein Jahr Zeit sparen", sagt der Bauoberleiter. Mit einem Bohrer werden Stoffrohre bis zu 18 Metern in den Boden gedrückt, das Wasser dringt dann von allein an die Oberfläche. 

Im Landkreis Börde, wo derzeit noch die meisten Bautätigkeiten der A14 stattfinden, ist der Boden viel fester und hügeliger. Selbst Felsbrocken aus der Eiszeit kommen bei den Bauarbeiten zu Tage. "Wir haben es hier mit der Endmoräne der Eiszeit zu tun", erläutert Fiedler. Dies bedeutet, dass dort einstmals die Glätschermassen dort endeten und allerhand Geröll aufgeschichtet wurde.

Das hügelige Gelände muss für den Fahrbahnbau ausgeglichen werden. Günstigerweise kann eine Menge des abgetragenen Sandes in die feuchteren Gebiete des Landkreis Stendal transportiert werden. Rund eine Million Kubikmeter Sand sollen in die Tangerniederung gefahren werden, sagt Fiedler. Der Bau der Strecke von Lüderitz bis Osterburg wird überdurchschnittlich teuer werden. Insgesamt sind rund 300 Millionen Euro eingeplant.

Über den Autor Bernd-Volker Brahms wurde in Leer/Ostfriesland geboren und hat in Göttingen Deutsch und Geschichte studiert. Er hat 18 Jahre lang für verschiedene Zeitungen als Redakteur gearbeitet. Er ist politischer Reporter mit Leidenschaft. Er berichtete auch von Olympischen Spielen. Brahms arbeitet im MDR-Regionalstudio Stendal.

Quelle: MDR/pow

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28. Juli 2020 | 12:30 Uhr

1 Kommentar

bove am 29.07.2020

Was sind denn "Glätschermassen"?

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