Gegen den Fachkräftemangel Gardelegen vergibt erstes Stipendium an angehende Zahnärztin

Mehr als die Hälfte aller Zahnärzte in Gardelegen geht in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Gegen den erwarteten Mangel an Zahnärzten helfen soll ein Stipendium, das angehende Zahnmediziner nach Sachsen-Anhalt bringt. Jetzt hat die Stadt Gardelegen ihre erste Stipendiatin offiziell ernannt.

Zwei Frauen halten eine Urkunde in die Kamera. Daneben steht eine weiter Frau und zwei Männer.
Stadtrat Reinhard Hapke (von links nach rechts) und die Landtagsabgeordnete Sandra Hietel-Heuer übergeben der angehenden Zahnärztin Sophie Zedler zusammen mit der Bürgermeisterin Mandy Schumacher und dem Vorsitzender des Vorstandes Kassenzahnärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt Dr. Jochen Schmidt ihr Stipendium. Bildrechte: MDR/Susann Meier

Die Stadt Gardelegen hat zum ersten Mal ein Stipendium für eine angehende Zahnmedizinerin vergeben. 500 Euro monatlich, das bekommt die Ausgewählte Sophie Zedler aus Wernitz für die gesamte Dauer ihres Studiums. Bis zum Physikum, also die ersten zwei Jahre, bezahlt das die Stadt, die folgenden sechs Semester übernimmt die Kassenzahnärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt.

Doch nicht nur Zedler profitiert von der Förderung, auch die Stadt hat etwas davon: Die angehende Zahnmedizinerin hat sich verpflichtet, sich nach ihrem Studium in Gardelegen niederzulassen, um dort als Zahnärztin zu arbeiten. In den kommenden zwei Jahren gehen dort mehr als die Hälfte aller Zahnärzte in den Ruhestand, für die es bisher keine Nachfolger gab.

Was tun gegen akuten Ärztemangel?

Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher (SPD) sagte: "Es ist unbedingt erforderlich, dass wir hier gegensteuern. Denn ansonsten wäre es so, dass die verbleibenden Zahnärzte die Patienten der anderen Zahnärzte mit aufnehmen müssten. Aber das ist praktisch unmöglich, weil sie jetzt schon am Limit arbeiten." Außerdem sei Gardelegen von der Fläche her die drittgrößte Stadt Deutschlands nach Berlin und Hamburg.

Das Nachwuchsprogramm für angehende Zahnmediziner der Stadt soll helfen. Im vergangenen Juli konnten sich zum ersten Mal alle Studierende der Zahnmedizin jeder beliebigen deutschen Universität bewerben. Eine ähnliche Aktion hatte die Stadt bereits begonnen, um Lehrer zu gewinnen, und damit nach Aussage der Bürgermeisterin gute Erfahrungen gemacht.

MDR (Cynthia Seidel, Susann Meier, Kevin Poweska)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. Dezember 2022 | 15:30 Uhr

2 Kommentare

dieja vor 23 Wochen

Zur Erläuterung. Die Kassenzahnärztliche Vereinigung ist keine staatliche Institution. Sie wird ausschließlich durch Mittel der Zahnärzte finanziert. D. h. Die Zahnärzte finanzieren das Stipendium aus privaten Mitteln. Darüber hinaus finanzieren sie auch das Studium für angehende Zahnmediziner in Ungarn. Sie sind nach meinem Wissen die einzige Berufsgruppe dem Nachwuchsmangel aufgrund des Versagens des Staates aus privaten Mitteln entgegenwirkt. Wäre doch mal eine Idee, Lehrer stiften aus ihrem Gehalt Mittel um dem Lehrermangel entgegenzuwirken. Auf das Echo wäre ich gespannt.

Lyn vor 24 Wochen

Ein Gewinn für alle Beteiligten.
Weiter so.

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