Ein Mann steht in einem Archiv 1 min
Steffen Langusch ist seit 1993 Salzwedels Stadtarchivar. Im Audio berichtet er von Salzwedels Geschichte. Bildrechte: MDR/ Lydia Zahn
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MDR SACHSEN-ANHALT Fr 12.07.2024 18:32Uhr 00:31 min

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Regionale Stadtgeschichte Salzwedels Stadtarchivar: Beruf oder doch Berufung?

13. Juli 2024, 05:00 Uhr

Er ist eine feste Größe in Salzwedel, wenn es um die Vergangenheit geht. Ob der Bürgermeister historische Fakten für eine Rede braucht, ein Bürger etwas über seinen Stammbaum wissen oder die Tageszeitung recherchieren will – alle klopfen sie an Tür von Stadtarchivar Steffen Langusch.

Lydia Zahn, eine Frau mit Brille und braunen Haaren.
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Er sieht aus, wie man sich einen Archivar vorstellt. Brille, den Kopf leicht vorgebeugt, eine warme Stimme. Dabei strahlt er eine unendliche Ruhe aus. Sein Blick ist ernst, aber nicht böse, eher konzentriert. Steffen Langusch ist seit drei Jahrzehnten leitender Stadtarchivar im altmärkischen Salzwedel. Und während andere vielleicht nur ihr Nötigstes tun, interessiert er sich wirklich für die Geschichte, über die er wacht.

Langusch weiß viel, sehr viel. Wenn es um die Stadtgeschichte geht, kann er frei erzählen, Fakten und Daten nennen, ohne auch nur einen Blick in irgendwelche Unterlagen geworfen zu haben. Ab und zu schweift er dabei ab, verliert sich in der Geschichte. Man merkt im Gespräch mit ihm schnell, er liebt und lebt seinen Beruf.

Steffen Langusch, Stadtarchivar Salzwedel 1 min
Bildrechte: MDR/Lydia Zahn
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Steffen Langusch ist Stadtarchivar von Salzwedel. Keiner kennt die Stadtgeschichte besser als er. Was sie so besonders macht, erklärt er im Video.

MDR SACHSEN-ANHALT Do 11.07.2024 12:40Uhr 00:51 min

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Der Traum vom Gesteinswissenschaftler

Dabei war Archivar gar nicht sein Traumberuf. Dass er etwas mit Geschichte machen wollte, stand für den 56-Jährigen früh fest. Er hatte schon immer gerne gelesen und sich mit Vergangenem beschäftigt. Doch aus gesundheitlichen Gründen konnte und durfte er nicht Geologie studieren. "Später hatte ich mich eine Zeit lang auch sehr für Archäologie interessiert. Dann habe ich aber in der Zeit, wo ich an der erweiterten Oberschule in Wismar war, praktischen Unterricht im Archiv gehabt", erzählt Langusch. Danach war es um ihn geschehen, er wusste, er will Archivwissenschaften und Geschichte studieren.

Bevor er für sein Studium nach Berlin ging, arbeitete er weiter im Wismarer Stadtarchiv. "Ich wollte ursprünglich nach dem Studium auch wieder nach Wismar zurück, aber da kam gewissermaßen die Wende dazwischen", erinnert sich Langusch. Er hatte nun freie Wahl, schaute sich verschiedene Archive an, bewarb sich und entschied sich um. Denn die Stadt Salzwedel suchte nicht nur einen Archivar, sondern einen Leiter. Das war seine Chance, die er auch nutzte. Im Oktober 1993 fing er an, in der Hansestadt zu arbeiten. Knapp ein halbes Jahr später übernahm er schon die Leitung von seinem Vorgänger Gerhard Franke.

Karten und Pläne aus dem Stadtarchiv Salzwedel
Zu dem Bestand des Archives gehören auch Karten und Pläne. Bildrechte: MDR/ Lydia Zahn

Und auch wenn er bis heute für seine Arbeit brennt, hat er die Geologie nie aufgegeben. In der Interessengemeinschaft Geologie Salzwedel kann er seinem Hobby frönen und sein Wissen teilen. Und das tut Langusch nur zu gerne – sein Wissen teilen und erweitern.

Forschung zur Stadtgeschichte hält an

Deshalb kümmert er sich im Archiv nicht nur um Anfragen von Stadt, Bürgern und Presse, pflegt und katalogisiert Bestände, sondern erfasst auch Neues. Aktuell geht Langusch dafür eine chronistische Materialsammlung durch. Die sogenannten "Soltquellensien", ein Manuskript zur Salzwedeler Geschichte aus der Mitte des 18. Jahrhunderts von Doktor Elias Hoppe, bestehen aus vier Bänden. Langusch will damit Lücken in der Stadtgeschichte füllen, denn der Rathausbrand von 1895 zerstörte viele Dokumente und Unterlagen.

Steffen Langusch, Stadtarchivar Salzwedel 1 min
Bildrechte: MDR/Lydia Zahn
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Steffen Langusch ist Stadtarchivar von Salzwedel. Er kann sich noch gut an die Anfänge des Stadtarchivs erinnern. Wie man dort früher ohne Internet gearbeitet hat, erklärt er im Video.

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"Schon meine Vorgänger haben intensiv gesammelt. Alles, was noch an älteren Unterlagen irgendwo vorhanden ist, versuchen wir, für das Archiv zu bekommen oder wenigstens eine Kopie machen zu können", erklärt Steffen Langusch. Das ist auch ein Grund, warum er sich für ein kleines, städtisches Archiv entschieden hat. Seine Arbeit in Salzwedel sei abwechslungsreich und vielfältig, das sähe in größeren Archiven anders aus, sagt er. Außerdem sei die Regionalgeschichte spannender, da es noch mehr zu entdecken gebe. Seine liebsten Epochen sind das Mittelalter und die frühe Neuzeit.

Eine historische Zeitung
Die erste regionale Zeitung, das Salzwedeler Wochenblatt, erschien zuerst in kleinem Format. Mit der Zeit wurden die Ausgaben größer. Bildrechte: MDR/ Lydia Zahn

Papierschätze mit materiellem und emotionalen Wert

Abgesehen von Verlusten kann das Stadtarchiv auch Schätze vorweisen. Besonders stolz ist der Archivar dabei auf die Zeitungssammlung. "Am 1. Dezember 1832 ist die erste Nummer vom Salzwedeler Wochenblatt erschienen. Zunächst wöchentlich, später als Tageszeitung", weiß Langusch aus dem Stehgreif. Auch der Urkundenbestand von 1800 Exemplaren sei bei der Größe des Archivs beachtlich. Eine weitere Zahl, die er nennt, ohne nachzusehen.

Wer also etwas über die Salzwedeler Stadtgeschichte wissen möchte, der ist bei Archivar Steffen Langusch bestens aufgehoben.

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MDR (Lydia Zahn, Oliver Leiste)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. Juli 2024 | 12:40 Uhr

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