Bunte Kirchenfenster mit Baugerüsten
Bald soll wieder der ganze Innenraum der Kirche in Rot erstrahlen. Bildrechte: MDR/Aud Merkel

Innenraum Ziegel wieder in rot: Sanierung im Stendaler Dom geht voran

06. März 2024, 19:43 Uhr

Die Sanierung im Stendaler Dom geht voran. Ab jetzt zeigt eine erste Musterfläche, wie später der gesamte Innenraum aussehen wird: Die rote Ziegelfarbe ist nun wieder sichtbar. An der Musterfläche konnten verschiedene Verfahren getestet werden. In den nächsten Jahren sollen nach und nach alle Innenwände restauriert werden.

Ein Portrait von Aud Merkel.
Bildrechte: Aud Merkel

Diplom-Restauratorin Sylvia Lenzner, Architekt Burkhard Wöbke und Pfarrer Markus Schütte stehen im nördlichen Querhaus des Stendaler Doms. Sie schauen an einer Wand hinauf, die gerade vom Gerüst befreit wurde. Das ist schon zum nächsten Teilstück weitergerückt. Die fertige Musterfläche zeichnet sich deutlich von der danebenliegenden unbehandelten Fläche ab.

Drei Menschen blicken in einer Kirche nach oben
Pfarrer Markus Schütte, Restauratorin Sylvia Lenzner und Architekt Burkhard Wöbke werten das erste Testergebnis aus. Bildrechte: MDR/Aud Merkel

Finanzierung von Land und Kirche

Pfarrer Schütte ist etwas aufgeregt. Der erste optische Eindruck überzeugt ihn. Die Glasmalerei kommt durch die rote Ziegelwand gut zur Geltung. Viel habe er in der letzten Zeit über Restaurierung, Bautechniken und Denkmalschutz gelernt. Immer wieder hat er sich mit den Fachleuten abgestimmt, denn seine Verantwortung ist groß. Der gesamte Innenraum wird in den nächsten Jahren Stück für Stück restauriert. Insgesamt sind dafür 1,1 Millionen Euro aus Landesförderung und Kirche eingeplant.

Dom St. Nikolaus in Stendal
Der Innenraum des Stendaler Doms wird für 1,1 Millionen Euro saniert. Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Peter Gercke

Altes Verfahren spart Kosten

Architekt Burkhard Wöbke achtet darauf, dass die Sanierungsarbeiten möglichst kostenschonend ablaufen. Beim Entfernen der weißen Wandfarbe wurden moderne Strahlverfahren getestet. Die Tests haben ergeben, dass ein schonendes Abtragen mit der Hand gar nicht wesentlich länger dauert. Daher blieb von den 152.000 Euro für die Musterfläche Geld und Zeit übrig. Davon konnte noch eine weitere Fläche in der Gewölbekappe fertig gestellt werden.

Argumente aus der Baugeschichte

Über das händische Verfahren freut sich auch die leitende Restauratorin Syvia Lenzner. Es hätte sich gezeigt, dass es die Grundsubstanz der Ziegel am wenigsten angreift. Die alten Arbeitsmethoden und die Lasur-Technik gibt es schon seit Jahrhunderten. Beim Ergebnis der Musterfläche hebt Syvia Lenzer die besondere Lebendigkeit der neuen Ziegelwand hervor. Die verwendeten Farben changieren zwischen den historischen Rottönen Eisenoxid und "Caput mortuum".

Die Entscheidung des Gemeindekirchenrates, die Ziegelsichtigkeit wieder herzustellen, unterstützt Sylvia Lenzner. "Auf den Ziegelflächen bestand bis 1951 immer eine Rotfassung. Durch eine dünne Lasur und das Nachzeichnen der Fugen wollen wir die mittelalterliche Farbgebung erhalten. Die Putzflächen werden wieder weiß. Das ergibt schöne Kontraste."

Ein Restaurator arbeitet an einer Backsteinwand
Zentimeter für Zentimeter entfernt Ingineur Michael Younan die alte Farbe. Bildrechte: MDR/Aud Merkel

Mit großen Schritten voran

Für die Ausführungen der Wandarbeiten wurde das "Atelier für Restaurierung Schloss Kaufungen" aus dem Vogtland gewonnen. Hier arbeiten hoch spezialisierte Fachleute wie Michael Younan. Der Restaurator ist Diplom-Ingenieur. Vorsichtig schabt er Zentimeter für Zentimeter Farbe von den alten Ziegeln ab. Er und seine Kollegen müssen sich beeilen, denn die nächste Fläche soll zum 7. April fertig sein. Da findet der große Festgottesdienst zum 600. Geburtstag des Stendaler Domes statt.

MDR (Aud Merkel, Luise Kotulla)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 06. März 2024 | 06:30 Uhr

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