Szene aus einem Film eine junge Frau tanzt in einem Club
Mit dem Film "Ellbogen" von Aslı Özarslan wird am 14. Mai das 21. Neiße Filmfest in Zittau eröffnet. Bildrechte: Haydar Tastan, Achtung Panda / Neiße Filmfestival

14. bis 19. Mai 2024 21. Neiße Filmfestival startet mit Frauenpower und Filmen über Flucht

14. Mai 2024, 10:34 Uhr

Im sächsischen Dreiländereck wird am Dienstag das 21. Neiße Filmfestival mit dem Film "Ellbogen" in Zittau eröffnet. Auf dem Programm stehen 90 Kurzfilme, Spielfilme und Dokus aus Deutschland, Polen, Tschechien und der Welt. Die Reihe "Female Perspectives" nimmt Filme von und über Frauen in den Fokus, im Wettbewerb um den besten Spielfilm geht es um Flucht. Beim "Panorama Weekend" wird am Wochenende "Oppenheimer" mit besonderer Kinotechnik gezeigt, die ukrainische ESC-Teilnehmerin Alyona Alyona kommt live nach Görlitz und Marion Brasch widmet ihrem Bruder Thomas Brasch einen Abend.

Am Dienstag wird das diesjährige Neiße Filmfestival eröffnet. Das Programm der 21. Ausgabe umfasst insgesamt 90 Filme. Sie werden in den drei Wettbewerben Spielfilm, Dokumentar- und Kurzfilm und in verschiedenen Filmreihen in Kinos in der Grenzregion Deutschland-Polen-Tschechien gezeigt. Darüber hinaus bietet das Festival Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Diskussionen an.

Starke Frauen im Fokus

Eröffnet wird die Ausgabe 2024 mit dem Film "Ellbogen" von Aslı Özarslan. Das Porträt einer jungen Frau, die versucht, sich von den Projektionen der Gesellschaft zu befreien, gibt einen Vorgeschmack auf den diesjährigen Fokus des Festivals: "Female Perspectives" stellt Filme in den Mittelpunkt, die unter der Regie von Frauen entstanden sind und die Geschichten über starke Frauenfiguren erzählen.

Szene aus einem Film, drei junge Frauen gehen durch eine Haltestelle
Aslı Özarslans Debütfilm "Ellbogen" feierte auf der diesjährigen Berlinale Premiere und wurde vom Publikum und der Kritik gelobt. Bildrechte: Haydar Tastan, Achtung Panda / Neiße Filmfestival

Es sei seit längerem zu beobachten, dass immer mehr Frauen nicht mehr nur vor der Kamera stünden, sondern auch dahinter, sagte Ola Staszel, die mit Andreas Friedrich das Festival leitet, im Gespräch mit MDR KULTUR. Mit dem Programm wolle das Festival auch eine Art Zwischenbericht geben. Anhand der Filmauswahl könne die Entwicklung der Frauenrolle in der Filmbranche, aber auch inhaltlich in der Gesellschaft gesehen werden. Dieser Entwicklung wolle man Rechnung tragen und schauen, "ob es diese weibliche Perspektive in dieser Form tatsächlich gibt", so Staszel. "Wir geben mit in diesem Programm auch ein bisschen einen Zwischenbericht."

Denn: Obwohl es ein Trend sei, dass immer mehr Frauen Filme machten, seien es auch bei den Einreichungen im Wettbewerb noch lange keine 50 Prozent, sondern deutlich weniger. Das sei wichtig zu betonen, so Staszel. Der männliche Anteil sei nach wie vor viel größer.

Leiterin des Neiße Filmfestivals Ola Staszel: Eine Frau mit blondem Haar und in schwarzer Jacke lächelt in die Kamera
Ola Staszel ist seit vielen Jahren Leiterin des Neiße Filmfestivals. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Spielfilme blicken auf Menschen, die flüchten

Weitere Themen beim diesjährigen Neiße Filmfestival sind aktuelle politische Realitäten wie Bauernproteste und Korruption, besondere Lebensumstände, regionale Konflikte und soziale Ungerechtigkeiten, aber auch Alltag, Kunst oder Musik.

Die Bewegung zwischen Privatem und Politischem ist etwas, was Filmschaffende ganz stark beschäftigt.

Festivalleiterin Ola Staszel

Das Programm sei auch ein Spiegel dessen, was in den Gesellschaften im Dreiländereck passiere und welche Gemeinsamkeiten es da gebe. Das ist laut Ola Staszel in diesem Jahr eindeutig das Thema Flucht. Um dieses Thema drehen sich auch die neun Beiträge im Wettbewerb um den besten Spielfilm.

Dabei gehe es nicht nur um die vielen ukrainischen Geflüchteten in Tschechien, Polen und Deutschland. Auch die private Flucht sei ein Thema. Genauer: der Freitod und seine gesellschaftliche Entwicklung. Das Tabuthema wird in den zwei Spielfilmen "Geister" und "Angst" aufgegriffen. Und das sei wichtig, sagt Staszel: "Je älter die Gesellschaft wird, umso mehr stellen sich diese Fragen."

Die Zukunft des Films im Dreiländereck

Im Hinblick auf die Zukunft wünscht sich Ola Staszel vor allem mehr Koproduktionen im Dreiländereck. Speziell den jungen Studierenden von den Filmhochschulen in Tschechien, Polen und Deutschland sollten mehr Angebote gemacht werden können. Denn sie seien schließlich, was Filme anbelange, die Zukunft. Bei älteren Produzentinnen und Produzenten gebe es viele Mentalitätsunterschiede.

Grundsätzlich sei seitens der Hochschulen ein Interesse da, weiß Staszel. Aktuell gebe es aber leider noch keine Möglichkeiten, so ein Programm zu installieren und finanzieren.

Besondere Kinotechnik in Varnsdorf

Fehlende finanzielle Mittel sind auch auf einen Rückgang der Besucherinnen und Besucher zurückzuführen. Die Pandemie hat Festivalpublikum gekostet. Zuletzt lag das Festival mit 5.000 Besucherinnen und Besuchern noch deutlich hinter den 8.000 von 2019.

Filmprojektor bei Neiße-Filmfestival 2010
Besucherinnen und Besucher können beim Filmfestival verschiedene Kinotechniken erleben. Bildrechte: Neiße-Filmfestival/Hannes Rönsch

Ein Highlight in diesem Jahr könnte dabei helfen: das Centrum Panorama im tschechischen Varnsdorf. Hier werden bei einem kleinen "Festival im Festival" historische, aber auch aktuelle Filme in der 70-Millimeter-Technik auf großer Leinwand gezeigt. "Die Kollegen in Tschechien haben eine Kopie von "Oppenheimer" auf 70 Millimeter gefunden, das finde ich faszinierend", erzählt Staszel. Der aktuelle Oscar-Gewinner wird am Samstag gezeigt. Das ist nicht nur für Kinotechnikfans ein besonderes Erlebnis.

Weitere Informationen zum Neiße Filmfestival 2024:

Programmtipps (Auswahl):

Filme:

Eröffnungsfilm "Ellbogen"
Dienstag, 14. Mai 2024, 19 Uhr, Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau
Donnerstag, 16. Mai 2024, 22 Uhr, CamilloKino Görlitz
Sonntag, 19. Mai 2024, 16 Uhr, Kunstbauerkino Großhennersdorf

"Oppenheimer" beim "Panorama Weekend"
Samstag, 18. Mai 2024, 18:30 Uhr, Centrum Panorama in Varnsdorf/Tschechien

Rahmenprogramm:

"Ein Abend für Thomas Brasch"
von Marion Brasch und Masha Qrella, mit Texten, Filmen und Indie-Pop-Songs
Donnerstag, 16. Mai 2024, 19 Uhr, Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau

"Film ab!" – Rundgang durch die Filmkulisse Görlitz
Samstag, 18. Mai 2024, 10:30 Uhr Obermarkt Görlitz

Alyona Alyona-Konzert
Samstag, 18. Mai 2024, 10 Uhr, Kühlhaus, Görlitz

Quelle: MDR KULTUR (Grit Krause, Ola Staszel), Neiße Filmfestival; redaktionelle Bearbeitung: tmk, as, sg

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. Mai 2024 | 07:10 Uhr

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