Die Tiertafel in Plauen ist wegen der Russlandsanktionen in Not.
Die Tiertafel in Plauen ist wegen der Russlandsanktionen in Not. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO/Philipp Reiss

Wegen Russland-Sanktionen? Tiertafel in Plauen ohne Wasser und Heizung

11. April 2024, 05:04 Uhr

Bei der Tiertafel Vogtland in Plauen herrscht große Sorge. Der kleine Verein, der armen oder kranken Menschen hilft, ihre Haustiere artgerecht zu ernähren, verliert sein Domizil. Praktisch über Nacht wurde die Heizung abgestellt. Am Donnerstag werden die Wasseruhren ausgebaut. Der Grund: Der Vermieter ist russischer Bürger, der aktuell nicht auf seine deutschen Konten zugreifen könne. Vermutlich liegt dies an den EU-Sanktionen gegen Russland.

Die Freude bei der Tiertafel Vogtland war groß, als sie ihre Ausgabestelle im November 2023 aus einer zugigen Garage in eine 70 Quadratmeter große Erdgeschosswohnung eines Mehrfamilienhauses in der Plauener Ostvorstadt verlegen konnte. Doch die Freude währte nicht lange. Obwohl der Verein stets pünktlich Miete und Nebenkosten an die Hausverwaltung überwiesen hat, steht er ab Donnerstag ohne Wasser und Heizung da.

Verein gerät in die Mühlen der Weltpolitik

Es gäbe aufgrund der aktuellen Sanktionen gegen Russland große Probleme, erzählt Vereinschefin Petra Scholz. "Unser Vermieter ist ein russischer Bürger. Die Sanktionen sind so, dass seine deutschen Konten gesperrt wurden."

In einem Hauseingang stehen Petra Scholz von der Tiertafel Vogtland und MDR-Reporter Bernd Schädlich.
Petra Scholz von der Tiertafel Vogtland erzählt MDR-Reporter Bernd Schädlich von den Schwierigkeiten, in die der Verein unverschuldet gekommen ist. Bildrechte: Tiertafel Vogtland e.V.

Nun könne der Verein die Miete nicht mehr überweisen und die Hausverwaltung könne auch die Versorgungsträger nicht mehr bezahlen. Die Hausverwaltung bestätigte den Sachverhalt auf Nachfrage von MDR SACHSEN. Auch ihr seien die Hände gebunden.

Für Tiertafel-Vereinsmitglied Astrid Möbes klingt das alles nach einem schlechten Witz. "Es ist eine kopflose, undurchdachte Entscheidung der Bundesregierung." Dort habe man wahrscheinlich nicht drüber nachgedacht, was man damit auslöse, welchen privaten Schicksalen oder auch denen von Vereinen man damit schade.

Die EU-Sanktionen gegen Russland Seit dem Beginn der Invasion Russlands in die Ukraine am 24. Februar 2022 hat die Europäische Union (EU) Sanktionen gegen Russland verhängt.

Diese Sanktionen ergänzen der EU zufolge die bereits bestehenden Maßnahmen. Diese wurden seit 2014 aufgrund der Annexion der Krim und der Nichtumsetzung der Minsker Vereinbarungen gegen Russland verhängt.

Die restriktiven Maßnahmen der EU gelten nach eigenen Angaben für insgesamt 1.706 Personen und 419 Einrichtungen, darunter russische Politiker, Beamte sowie Geschäftsleute und Oligarchen.

Die Suche nach einem neuen Domizil hat begonnen

Die Suche nach einem neuen Domizil laufe bereits, sagt Vereinsmitglied Uwe Söll. Drei Objekte wolle man sich anschauen, bei denen hoffentlich die Bedingungen genauso seien wie im derzeitigen Haus. "Das war optimal hier an diesem Ort. Wir brauchen auf jeden Fall ein Lager, eine Ausgabemöglichkeit und ein kleines Büro", so Söll. Der neue Standort müsse natürlich auch bezahlbar sein.

In einem Wandregal stapeln sich Plastekisten mit Tiernahrung.
Der Verein benötigt auch in einem anderen Domizil Platz für Tiernahrung und Büroräume. Bildrechte: Tiertafel Vogtland e.V.

Bis zu einem Umzug bleibe der dreißigköpfige Verein am bisherigen Standort erreichbar, versichert Chefin Petra Scholz: "Wir können noch dableiben und weiterarbeiten." Wasser nehmen die Helfer im Kanister Wasser mit, auf die Heizung könnten sie momentan verzichten und den Strom bezahle der Verein direkt. "Alles andere muss jetzt warten", sagt die Chefin.

In einem Zimmer stehen verpacktes Tierfutter, ein Hundekörbchen und Tierspielzeug.
Angewiesen ist die Tiertafel Vogtland auf Spenden, um bedürftigen Tierbesitzern helfen zu können. Bildrechte: Tiertafel Vogtland e.V.

Tierärztliche Versorgung muss warten

Warten muss vor allem ein für dieses Jahr fest eingeplantes, neues Angebot des Vereins. "Wir wollten einen Raum für eine tierärztliche Vorsorge umbauen." Es müssten bei den Vierbeinern mal Krallen geschnitten werden oder die Ohren ausgeputzt werden, Dinge, mit denen Frauchen und Herrchen geholfen werden könnte. Die 3.000 Euro für die nötige Ausstattung versucht der Verein derzeit über ein Crowdfundingprojekt zu finanzieren. Das Projekt kann dann erst an einem neuen Standort starten.

MDR (tfr/bsc)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 10. April 2024 | 16:30 Uhr

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