Zwickau Arcaden Ausstellung in Zwickau: Jüdische Sportler zwischen Erfolg und Verfolgung

24. Oktober 2022, 18:06 Uhr

Die Boxlegende Max Schmeling kennt in Deutschland noch fast jeder. An den Boxer Erich Seelig, der Anfang der 30er-Jahre mehrfach deutscher Meister wurde, erinnert man sich nicht. Denn Seelig war Jude. Wie viele andere jüdische Sportler wurde er von den Nazis verfolgt und geriet in Vergessenheit. Eine Ausstellung in Zwickau erinnert an ihn und viele andere Sportlerinnen und Sportler jüdischen Glaubens.

In den Zwickau Arcaden wird seit Montag mit einer Ausstellung an jüdische Sportler erinnert, die im Nationalsozialismus verfolgt und vertrieben wurden. Die Ausstellung mit dem Titel "Zwischen Erfolg und Verfolgung - jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach" wird im Rahmen der Zwickauer "Novembertage" gezeigt.

Mit lebensgroßen Figuren wird an Nationalspieler, Welt- und Europameister, Olympiasieger sowie Rekordhalter erinnert, die als Juden vom NS-Staat ausgegrenzt, entrechtet, zur Flucht gedrängt oder ermordet wurden. Die Vereine FSV Zwickau, Alter Gasometer und Zwickauer Fussballgeschichten haben jahrelang geforscht und konnten für die Wanderausstellung zwei jüdische Vereine aus der Stadt ausfindig machen, die in der Ausstellung ebenfalls gezeigt werden.

Novembertage Zwickau Seit 2012 organisiert das Zwickauer Bündnis für Demokratie die "Novembertage" in der Stadt. Mit verschiedenen Veranstaltungen wird an die historischen Ereignisse im November erinnert, die Novemberpogrome 1938, die Friedliche Revolution sowie den National-Sozialistischen-Untergrund (NSU).

An 15 Tagen ab Ende Oktober finden jährlich etwa 30 Veranstaltungen zu den verschiedenen Ereignissen statt.

Zwickaus jüdische Sportvereine werden sichtbar

Bei der Recherche zur Ausstellung tauchte auch ein Mannschaftsfoto von „Hatikwah“ (dt.: Hoffnung, Anm. d. Red.) Zwickau auf, dem einzigen bekannten jüdischen Fußballverein der Stadt.

Nur eine der abgebildeten Personen sei bekannt, sagt Christian Fritzsch, der Traditionsbeauftragte des FSV Zwickau. "Es ist der Torwart Bernardo Grosser." Trotzdem sei es gelungen, einen schwarzen Fleck in der jüdischen Sportgeschichte der Stadt zu beseitigen. "Bis vor wenigen Jahren war von den Zwickauer Fußballvereinen 'Hatikwah Zwickau' und 'Makabi Zwickau' gar nichts mehr bekannt."

Jetzt gebe es einzelne Spielergebnisse, Namen und auch ein Foto einer Mannschaft, sagt Fritzsch. "Das ist für eine Stadt wie Zwickau, in der nur 500 Juden gelebt haben, schon erstaunlich, dass sich elf Leute zusammengefunden haben, um gemeinsam Fußball zu spielen."

Die Geschichte hinter dem Foto: Der Torwart Bernardo Grosser

Bei den Recherchen sind die Zwickauer auch Bernardo Grosser näher gekommen. Der gebürtige Pole wohnte in der Leipziger Straße. Grosser, der in Zwickau das Gymnasium und die Handelsschule absolvierte, ließ sich später in Annaberg nieder. 1936 emigrierte er nach Belgien und später nach Italien. Von 1972 bis zu seinem Tode lebte er in Israel. Die Stadt Zwickau erinnert mit Stolpersteinen an Grosser und an das Schicksal seiner Familie.

Die Stolpersteine sind auch Thema weiterer Veranstaltungen der Zwickauer Novembertage, sagt Philipp Natzke vom Verein Zwickauer Fußballgeschichten. "Es wird Führungen durch die Ausstellung aber auch durch die Stadt Zwickau geben, die sich der jüdischen Geschichte der Stadt Zwickau widmen." Die Führungen zu den Spuren jüdischen Lebens in Zwickau seien am 30. Oktober und am 13. November geplant.

Die offizielle Eröffnung der Ausstellung findet am Dienstag, 20 Uhr, in den Zwickau Arcaden statt.

MDR (tfr, dst)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 24. Oktober 2022 | 16:30 Uhr

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