Neues Format Regionaler und vielfältiger: "Schabbat Schalom" bei MDR KULTUR

Kurz vor dem jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschana am 6. September startete die Sendung "Schabbat Schalom" mit neuem Team. Die Autorinnen und Autoren kommen aus den jüdischen Gemeinden in Mitteldeutschland. Sie gehören unterschiedlichen Strömungen des Judentums an. "Schabbat Schalom" ist immer freitags um 15:45 Uhr bei MDR KULTUR zu hören sowie online abrufbar.

Menora, ein siebenarmiger Leuchter in der Synagoge in Koeln 32 min
Bildrechte: IMAGO / photothek

Sieben Autorinnen und Autoren aus den jüdischen Gemeinden in Mitteldeutschland legen künftig im Wechsel den jeweiligen Wochenabschnitt der Thora aus. Die jüdische Sendung bei MDR KULTUR greift die Tradition auf, die Thora, die fünf Bücher Mose, innerhalb eines Jahres im Gottesdienst der Synagoge einmal vollständig vorzulesen und zu kommentieren. Die erste Sendung wird am 3. September von der Rabbinerin Esther Jonas-Märtin gestaltet.

Die Rabbinerin Esther Jonas-Märtin

Esther Jonas-Märtin studierte Jüdische Studien, Literaturwissenschaft, Moderne Geschichte und Religionswissenschaften in Leipzig und Potsdam und erwarb 2006 den Master of Arts. Im Jahre 2017 schloss sie das mehrjährige Studium zur Rabbinerin mit dem Master of Arts in Rabbinics und der Rabbinischen Ordination in Los Angeles ab. Sie ist Initiatorin und Gründerin des Lehrhauses Beth Etz Chaim in Leipzig (2018), sowie Referentin und Autorin einer Vielzahl von Artikeln und Beiträgen in den Themenbereichen: moderne jüdische Geschichte, Gender, Jiddische Poesie, Jüdische Ethik und Judentum.

Tora als Anker

Ein geöffneter Schrein Aron Hakodesch verwahrt 17 alte Torarollen.
Alte Thora-Rollen mit Thora-Mänteln Bildrechte: imago images/Uwe Steinert

"Die Tora ist wie ein Anker, der in guten wie in schlechten Zeiten Halt gibt", erläutert der Thüringer Landesrabbiner Alexander Nachama, einer der neuen Autoren von "Schabbat Schalom“. Der Erfurter Rabbiner und seine Kolleginnen und Kollegen gehören unterschiedlichen Strömungen des Judentums an. Nicht nur deshalb ist Vielstimmigkeit bei der neuen jüdischen Sendung garantiert.

In der Sache hart, aber sanft zu den Menschen

"Im Judentum gibt es immer mehrere Sichtweisen. Man ist miteinander im Gespräch und tauscht unterschiedliche Meinungen aus. Es gibt hier die Tradition einer Streitkultur, bei der man hart in der Sache ist, aber sanft und liebevoll zu den Menschen", erklärt die Leipziger Rabbinerin Esther Jonas-Märtin. Ähnlich sieht es auch die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Chemnitz, die Religionslehrerin Ruth Röcher.

Ruth Röcher
Religionslehrerin Ruth Röcher Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Über Jahrhunderte haben sich Rabbiner intensiv mit der Tora auseinandergesetzt. Ihre unterschiedlichen Auffassungen haben sie in klugen oder auch nicht so klugen Kommentaren festgehalten. Auseinandersetzung und Diskussion sind gewünscht. Das macht die jüdische Religion so lebendig.

Ruth Röcher, Religionslehrerin

Schabbat als wöchentliche Auszeit

Die Sendung, die von den jüdischen Gemeinden verantwortet wird, ist immer freitags um 15:45 Uhr bei MDR KULTUR zu hören. Im Anschluss beginnt dann mit dem Sonnenuntergang der Schabbat – jener Ruhetag, an dem keine Arbeit verrichtet werden soll. Eine wöchentliche Auszeit, die von den Autorinnen und Autoren der Sendung sehr geschätzt wird: 

Rabbiner Elischa Portnoy
Rabbiner Elischa M. Portnoy Bildrechte: imago images / Lutz Sebastian

"Gerade in unseren stürmischen Zeiten ist der Schabbat eine Insel der Ruhe, wo man sich vom tagtäglichen Informationsfluss, den Nachrichten, SMS und Messages erholen kann", findet Rabbiner Elischa M. Portnoy, der die jüdischen Gemeinden in Halle und Dessau betreut. "Die beste Zeit mit meinem Mann, unseren Kindern und unseren Gemeinden", ergänzt seine Frau, die Religionslehrerin Katia Novominski, die zugleich als Geschäftsführerin des Bundes traditioneller Juden (BtJ) amtiert.

Zsolt Balla in einer Synagoge
Zsolt Balla in der Leipziger Synagoge Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

Der Schabbat hält mich bei Verstand in einer Welt, die verrückt spielt. Der Schabbat ist da, um zu verstehen, dass nicht alles von uns abhängig ist.

Zsolt Balla Sächsischer Landesrabbiner und Militärbundesrabbiner

Der Schabbat

Der Schabbat ist der wöchentliche Ruhetag, der freitags am Abend beginnt und am Samstagabend endet.

Der Schabbat ist der eigentliche und im Grunde höchste Feiertag. Die Einführung eines allgemeinen Ruhetages nach jeweils sechs Werktagen stellt eine große soziale Errungenschaft dar, die durch das Judentum geschaffen wurde.

Gebete am Schabbat

Während werktags die vorgeschriebenen Gebete auch zu Hause verrichtet werden dürfen, muss am Schabbat die Synagoge aufgesucht werden. Eingeleitet wird der Gottesdienst des Schabbatbeginns am Freitagabend mit einer Begrüßung des Schabbat durch eine Reihe von Psalmen und ein Lied, das den Schabbat als Braut, Israel als Bräutigam personifiziert. Zum Abschluss des Gottesdienstes wird in der Regel "Kiddusch gemacht", d.h. ein Segen über einen Becher Wein vom Vorbeter gesprochen.

Schabbat Zuhause

Für die häusliche Schabbatfeier am Freitagabend stellt die Hausfrau einen Teller mit zwei Broten auf den Tisch, die sie mit einem Tuch zugedeckt hat. Sie hat ferner einen Becher mit Wein bereitgestellt und die Schabbatlichter angezündet – natürlich vorher, solange noch Werktag ist, denn das Anzünden von Licht ist eine am Schabbat verbotene Tätigkeit.

Für den Schabbat sind drei Mahlzeiten obligatorisch: abends, morgens und nachmittags. Die Morgenmahlzeit soll erst nach dem Gottesdienst eingenommen werden. Sie fällt daher in die Zeit des späteren Vormittags, denn der Gottesdienst, bestehend aus dem Morgengebet mit Thora- und Prophetenlesung und dem Zusatzgebet ist relativ lang.

Ende des Schabbat

Nachdem der Schabbat beendet ist, also nach Einbruch der Nacht, wird sowohl in der Synagoge zum Abschluss des werktäglichen Abendgebets als auch zu Hause die Zeremonie der Hawdala (Unterscheidung) durchgeführt, die Trennung zwischen Feiertag und Werktag, zwischen Heiligem und Profanem. Die Hawdala besteht aus drei Segenssprüchen: über Wein, über Wohlgerüche und über Licht. Es wird dazu eine geflochtene Kerze mit mehreren Dochten angezündet. Als Wohlgerüche dienen Gewürze, meist Nelken und Zimt, die in einer Büchse aufbewahrt werden.

Quelle: Zentralrat der Juden in Deutschland
aus: Heinrich Simon: Jüdische Feiertage, Verlag Hentrich und Hentrich und Centrum Judaicum Berlin, 2003

Unterschiedliche Haltungen, unterschiedliche Herkunft

So unterschiedlich wie ihre Blickweisen sind auch Herkunft und Lebenswege der neuen "Schabbat Schalom“-Autorinnen und –Autoren. Nicht alle wurden in Deutschland geboren. Manche, wie beispielsweise die Leipziger Religionslehrerin Michal Natovich, kommen ursprünglich aus Israel, andere aus Ungarn, aus der Ukraine. Dabei sind die meisten vergleichsweise jung: zwischen Anfang Dreißig und Mitte Vierzig. Doch eines eint sie alle: gemeinsam stehen sie für das jüdische Leben, das in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in den vergangenen Jahrzehnten wieder aufgeblüht ist. 

Der Thüringer Landesrabbiner Alexander Nachama aus Erfurt zählt ebenfalls zu den neuen Stammautoren der jüdischen Sendung. Das Team wird vervollständigt durch Rabbiner Elischa M. Portnoy, der die jüdischen Gemeinden in Halle und Dessau betreut, sowie durch Katia Novominski. Die Religionslehrerin ist zugleich Geschäftsführerin des Bundes traditioneller Juden (BtJ).    

Bislang wurde "Schabbat Schalom" vom ehemaligen württembergischen Landesrabbiner Joel Berger verantwortet, der die jüdische Sendung nahezu 30 Jahre allein gestaltet hat. Im MDR KULTUR-Café blickte Rabbiner Berger zum Abschied darauf zurück.

"Schabbat Schalom" immer freitags um 15:45 Uhr bei MDR KULTUR Die Sendung bezieht sich auf die jüdische Tradition, die fünf Bücher Moses im Gottesdienst der Synagoge innerhalb eines Jahres einmal vollständig vorzulesen. Dabei wird die Thora in Wochenabschnitte unterteilt. Zugleich ist es häufige Praxis, die jeweiligen Wochenabschnitte auszulegen.

Bei MDR KULTUR geben die Autorinnen und Autoren alltagstaugliche Antworten auf allgemeine Lebensfragen, mit denen sie auch zur persönlichen Auseinandersetzung anregen. Dazu gehören der sächsische Landesrabbiner Zsolt Balla aus Leipzig, der als Militärbundesrabbiner auch die Seelsorge für jüdische Soldatinnen und Soldaten verantwortet. Aus Leipzig kommen auch Rabbinerin Esther Jonas- Märtin und Religionslehrerin Michal Natovich. Zudem konnte die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Chemnitz, die Religionslehrerin Dr. Ruth Röcher, für das neue "Schabbat Schalom"-Team gewonnen werden.   

Zugleich ist "Schabbat Schalom" eine Einführung in die jüdische Religion, Kultur und Geschichte.

"Schabbat Schalom" ist immer freitags um 15:45 Uhr bei MDR KULTUR zu hören sowie online abrufbar bei mdr.de/religion.

Weitere Sendungen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. September 2021 | 15:45 Uhr