In einer Perückenwerkstatt in Dresden steht die Besitzerin neben ihrem Arbeitstisch.
Maxi Mahnert ist ausgebildete Maskenbildnerin und Perückenmacherin. Sie sagt: Haare und Frisur sagen wortlos viel über den Träger aus. Bildrechte: MDR/Leonie Kipka

Handwerk Haarwerkstatt sucht Zöpfe: Hauptsache lang und echt

26. Mai 2024, 08:00 Uhr

Das Perückenhandwerk wird immer seltener. In Dresden stellen zwei Frauen in ihrer Werkstatt Perücken und Haarteile für Kunden her, die durch eine Krankheit oder Unfall Haarausfall haben. Dafür sind echte Haare nötig - unter anderem aus Spenden. MDR SACHSEN-Reporterin Leoni Kipka hat sich die Werkstatt angesehen.

Maskenbildner sind die einzigen, die das alte Perückenhandwerk heute noch lernen. Posticheur heißen die Perückenmacher. In der Capilli Haarwerkstatt Dresden stellen Maxi Mahnert und Katharina Gemeinhardt individuelle Perücken und Haarteile her oder reparieren sie.

Berührungsängste vor fremden Haar

Die meisten Kunden kommen mit einem Rezept vom Arzt in ihre Werkstatt. Von Maxi Mahnert werden sie dann erst einmal beraten: "Wir nehmen Maß, besprechen, wie die Haare sein sollen, also wellige oder glatte Haare." Sie beschreibt das Aussuchen auch als emotionalen Prozess, weil sich die Kunden mit einem Produkt anfreunden müssten, das sie im Grunde nicht haben wollen. Da sei das Mitgestalten wichtig.

Die Kunden können die Haare selbst anfassen, aussuchen. Das ist ein emotionaler Prozess.

Maxi Mahnert Perückenmacherin

So viel Arbeit macht eine echte Perücke

Die Perücke wird dann am Arbeitstisch von Hand geknüpft. Das dauert: Für eine Perücke sind ungefähr 100 Arbeitsstunden nötig, für ein Haarteil mindestens 15 Stunden. Das hat seinen Preis. Eine Perücke könne mehrere tausend Euro kosten. Da kommen den beiden Perückenmacherinnen Haarspenden gelegen. Die Perücken würden damit nicht nur preiswerter. Es würden auch Haare "nachgenutzt", die ohnehin abgeschnitten würden.

Für eine Perücke brauchen die Posticheurinnen drei bis vier Zöpfe, etwa 150 Gramm, erklärt Maxi Mahnert. "In einem Zopf sind ganz unterschiedliche Haarlängen. Nur die Längsten werden für eine Perücke verwendet."

Was muss man tun, um Haare zu spenden?

Nächste Gelegenheit für Haarspenden ist am 8. Juni. In der Capilli-Haarwerkstatt in Dresden findet ein Spendetag statt. Neben einem kostenlosen Haarschnitt werden auch Vorher-Nachher-Bilder gemacht - als kleines Dankeschön für die Spenderinnen und Spender. Eine bestimmte Länge müssen die Haare aber schon haben: "Wir nehmen zwar ab 25 Zentimeter Länge. Aber ab 40 Zentimetern macht es richtig Sinn, weil die Haare dann gut verknüpft werden können", meint Maxi Mahnert.

In einer Perückenwerkstatt in Dresden stehen auf einem Arbeitstisch. Modelle mit Kopfformen. Jeder Kopf trägt eine anders geformte Haarperücke.
Im Schubfach liegen gespendete Zöpfe - gereinigt und sortiert, um später für Perücken verarbeitet zu werden. Bildrechte: MDR/Leonie Kipka

An die Scheren: Profi-Friseure gesucht

Die Spendentermine für den 8. Juni sind schon vergeben. Aber die beiden Organisatorinnen suchen noch Friseurinnen und Friseure, die für ein paar Stunden oder auch den ganzen Tag mit helfen wollen.

Wer seine langen Haare vor den Sommerbeginn kürzen möchte, könne schauen, ob eine Haarspende in Frage käme. Für die Kunden der Dresdner Werkstatt wäre das eine große Hilfe.

MDR (tom/kk)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus Dresden | 23. Mai 2024 | 14:30 Uhr

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