Zwei Masken 9 min
Die Bewertungen zum Fazit des sächsischen Kulturdialogs "Zukunft hoch K" sind gemischt. Michael Bartsch zieht eine Bilanz. Bildrechte: imago images/Panthermedia
9 min

Am Mittwoch endete im Dresdner Hygienemuseum der gutgemeinte, aber substanzarme zweijährige Kulturdialog "Zukunft hoch K" von Politik und Kreativen. Eine Bilanz von Michael Bartsch.

MDR KULTUR - Das Radio Do 18.04.2024 12:55Uhr 08:53 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/dresden/audio-kulturdialog-sachsen-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Sachsen Ein Kulturdialog allein bewirkt noch gar nichts

17. April 2024, 20:20 Uhr

Am Mittwoch endete im Dresdner Hygienemuseum der gutgemeinte, aber substanzarme zweijährige Kulturdialog "Zukunft hoch K" von Politik und Kreativen. Eine Bilanz.

Anfang September wird in Sachsen ein neuer Landtag gewählt. Die Projekte der aktuellen Regierung neigen sich dem Ende entgegen – so auch der Kulturdialog "Zukunft hoch K".

"Eine besonderes Augenmerk gilt dabei den Entwicklungen im ländlichen Raum und einer besseren Vernetzung der Kulturangebote untereinander. Dazu werden wir einen Kulturdialog initiieren." Auf diese Passage gleich zu Beginn des Kapitels "Kunst und Kultur" im Vertrag der so genannten Kenia-Koalition von CDU, SPD und Grünen in Sachsen geht der sächsische Kulturdialog zurück. Mit der fünften Veranstaltung fand er am Mittwochnachmittag im Hygienemuseum Dresden seinen Abschluss.

Verzögerung durch Corona

Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) begrüßte die etwa 100 Teilnehmer als eine "große Kulturfamilie" und lobte das an Kultur reiche Sachsen.

Claudia Maicher, eine Frau mit Brille vor einer besprühten Ziegelwand.
Die sächsische Landtagsabgeordnete Claudia Maicher (Bündnis 90/Grüne) hat den Kulturdialog in Gang gebracht. Bildrechte: Kristen Stock

Die Idee eines regelmäßigen sachsenweiten Austausches zu kulturpolitischen Fragen geht allerdings auf die Landtagsabgeordnete Claudia Maicher aus der Fraktion Bündnis 90/Grüne zurück. Es dauerte jedoch nach Regierungsantritt 2019 rund zweieinhalb Jahre, also bis zur Hälfte der Legislaturperiode, bevor am 29. April 2022 zur Auftaktveranstaltung eingeladen wurde. Die Corona-Beschränkungen trugen zu dieser Verzögerung bei.

Improvisation zum Auftakt

Der Auftakt im alten Chemnitzer Straßenbahnhof begann bezeichnenderweise mit einem Improvisationstheater. In Zusammenarbeit mit dem Staatsministerium für Kultur und Tourismus setzte die mit der Gestaltung und Moderation beauftragte Leipziger Agentur Tomino von Anfang an auf unterhaltsame Formate. Der Veranstaltungstitel "Zukunft hoch K" gibt einen Hinweis darauf.

Deutlich wurde schnell, dass es weniger um zählbare Ergebnisse und Entscheidungen, als um den direkten Austausch von Politikern, Künstlern und Kulturakteuren geht. Eine Abstimmung per Mobiltelefon bei der Abschlussveranstaltung zeigte, dass für reichlich die Hälfte der Teilnehmer die öffentliche Aufmerksamkeit für die Kultur im Vordergrund steht. Nur 30 Prozent schätzten die Vernetzung, nur 19 Prozent waren die angesprochenen Themen wichtig.

Große Aufmerksamkeit am Anfang

Der Start in Chemnitz 2022 diente der Beschreibung anstehender Probleme und der Bewältigung von Pandemiefolgen. Er fand noch relativ großes Interesse, zumal rund zwei Jahre Gestaltungszeit vor der Koalition lagen.

Junger Mann liegt zu Hause auf dem Boden neben der Gitarre.
Die Situation für Kulturschaffende in Sachsen ist oftmals schwierig. Ein Kulturdialog sollte sie verbessern. Bildrechte: imago/Westend61

Ähnlich rege war die Teilnahme an der zweiten Veranstaltung am 4. November 2022 in Leipzig. Sie wurde in der Zählweise als erster "Kulturgipfel" bezeichnet, dem noch zwei weitere in Großenhain und Zwickau folgen sollten. Dazwischen gab es kleinere dezentrale Workshops und Meetings.

Enttäuschung beim Thema Existenzsicherung

In Leipzig wurde besonders rege in Gruppen über das Thema faire Vergütung und existenzsicherndes Einkommen für Künstler und Lehrkräfte diskutiert. Eine Verbesserung der Lage setzte sich auch der Koalitionsvertrag zum Ziel – ohne Erfolg, wie sich zum Ende der Wahlperiode zeigt. Die Einkommen dieser Soloselbständigen bleiben hinter dem Durchschnittseinkommen weiter zurück als zuvor.

Torsten Tannenberg, Geschäftsführer des Sächsischen Musikrates und Sprecher der Landeskulturverbände, sieht dieses wichtigste Anliegen des Dialogs als gescheitert an. Sogar der SPD-Abgeordnete Frank Richter zeigte sich unzufrieden mit dem Kulturdialog, weil es immer noch keine Honorarrichtlinien gebe. "Es muss mehr Geld ins System", forderte er. Immerhin war am Mittwoch zu erfahren, dass im Ministerium nun eine Honorar-Arbeitsgemeinschaft gebildet werde.

Frank Richter, ein Mann mit Anzug
Der Landtagsabgeordnete Frank Richter forderte höhere Ausgaben für die Kultur. Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Kahnert

 Schaufensterveranstaltung

Unter den wenigen anwesenden kritisch-kompetenten Kulturaktiven fiel deshalb im Dresdner Hygienemuseum schon der Begriff "Schaufensterveranstaltung". Gewiss zutreffend, hätte nicht Sachsens Ministerpräsident Kretschmer in den letzten fünf Minuten des Schlusspodiums die tatsächlich anstehenden dringenden kulturpolitischen Aufgaben benannt.

Ausgelöst durch die Theaterkrise im Vorjahr steht eine Novellierung des Kulturraumgesetzes in Richtung langfristiger Sicherheiten an. Dem Thema verwandt ist die akut debattierte Festanstellung von Honorarlehrkräften. Schließlich wies Kretschmer im Wahljahr auf die längst in Kommunen feststellbaren Versuche der AfD und rechter Kräfte hin, Institutionen und politisch missliebige Vereine zu sabotieren und damit die Kunstfreiheit zu beenden.

Quelle: MDR KULTUR (Michael Bartsch)
Redaktionelle Bearbeitung: op

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. April 2024 | 12:40 Uhr

Mehr aus der Region Dresden

Sater auf der Elbepromenade in Dresden 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr aus Sachsen

Nachrichten

Für den Impfstatus von Kinderrn sind vor allem die Eltern verantwortlich. Bild: Kind mit Rucksack an der Hand eines Erwachsenen
Für den Impfstatus von Kinderrn sind vor allem die Eltern verantwortlich. Bildrechte: IMAGO/Michael Gstettenbauer