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Das Filmfest Dresden findet in diesem Jahr vom 16. bis 21. April statt. Bildrechte: FILMFEST DRESDEN

Preisvergabe Filmfest Dresden mit zwei Doppelauszeichnungen

20. April 2024, 22:01 Uhr

Sowohl die österreichisch-deutsche Koproduktion "Land der Berge" als auch der iranisch-britische Film "Mast-Del" haben beim Kurzfilmfestival in Dresden gleich zwei Auszeichnungen erhalten. Erzählt werden Geschichten vom Suchen von Menschen nach einer sicheren Heimat sowie von Frauen im Iran. Goldene Reiter gingen u.a. auch an "La Perra" (Frankreich/ Kolumbien), "Alien0089" (Chile/ Argentinien) und "Urlaubsversuche" (Deutschland).

Das 36. Filmfest Dresden hat Samstagabend die Gewinner der Goldenen Reiter im Nationalen, Internationalen und Mitteldeutschen Wettbewerb sowie weitere Preisträger bekannt gegeben.

Zwei Goldene Reiter für "Land der Berge" 

Gleich zwei Preise gingen an die österreichisch-deutsche Koproduktion "Land der Berge" von Olga Kosanović. Der Film erhielt sowohl einen Goldenen Reiter der Jugendjury, verbunden mit einem Preisgeld von 2.000 Euro sowie den Goldenen Reiter des Publikums im Nationalen Wettbewerb, verbunden mit einem Preisgeld von 4.000 Euro, das der MDR gestiftet hat. Der Film wurde zudem mit einer lobenden Erwähnung der Jury für den "voll politisch"-Kurzfilmpreis für demokratische Kultur bedacht.

Gezeigt wird eine kafkaeske Tragödie zu den Schranken des österreichischen Einwanderungsgesetzes, bei der ein Versicherungsbetrug und der linke Daumen eines alleinerziehenden Vaters eine Rolle spielen. Der Film ist 28 Minuten lang. 

Ein Mann und ein eisessendes Mädchen sitzen auf Beuteln mit Gartenerde.
Den Preis der Jugend und des Publikums sicherte sich der Film "Land der Berge". Bildrechte: Olga Kosanović, Filmfest Dresden

In der Begründung der Jury hieß es: "Aufgrund von sozialen und politischen Unruhen im Herkunftsland träumt man davon, einen sicheren und harmonischen Ort für sich und die Menschen, die man liebt, zu finden. Die steinige Landschaft, mit der die Menschen dann konfrontiert werden, offenbart jedoch die Ablehnung, Verzweiflung und Angst, die sie empfinden, wenn sie versuchen, in einer so fremden Welt Fuß zu fassen, und auch die unvorstellbaren Mittel, zu denen sie greifen, wenn ihnen dies verwehrt wird." 

Doppel-Auszeichnung auch für Film über Frauen im Iran 

Mit gleich zwei Preisen wurde der iranisch-britische Film "Mast-Del" (2023) von Maryam Tafakory geehrt. "Mast-Del" hat den "voll politisch"-Kurzfilmpreis für demokratische Kultur, dotiert mit 3.000 Euro und gestiftet vom Sächsischen Staatsministerium der Justiz, sowie den undotierten Dresdner Kurzfilmpreis des Verbandes der deutschen Filmkritik erhalten. Zudem erhielt der 17 Minuten lange Kurzfilm eine lobende Erwähnung der Jugendjury im Internationalen Wettbewerb.

Szene aus einem Film, zwei Hände
Der FIlm "Mast-Del" beeindruckt auch durch seine visuelle Gestaltung. Bildrechte: Maryam Tafakory, Filmfest Dresden

In dem Film erzählt eine Frau einer anderen von einem Treffen mit einem Mann in Teheran. Eingerahmt wird ihre Geschichte von Negativbildern von Umarmungen und Ausschnitten aus iranischen Filmen, die nach der islamischen Revolution produziert wurden. 

Die Jury sagte in der Begründung: "Der Film 'Mast-del' von Maryam Tafakory hat uns zutiefst berührt und fasziniert. Er vermittelt starke Emotionen wie Frustration, Angst und Wut auf eine kraftvolle Weise. Das Geschriebene hinter den invertierten Aufnahmen empfanden wir als extrem ästhetisch. Mit lyrisch beeindruckender Erzählung sensibilisiert der Film stellvertretend für die gegenwärtige Unterdrückung und Gewalt von Frauen auf der ganzen Welt. Danke für Eure wichtige Arbeit!" 

Gewalt im Nahen Osten 

Beim Filmfest Dresden am höchsten dotiert ist mit 20.000 Euro der Sächsische Filmförderpreis. Er ging in diesem Jahr an Narges Kalhor für den Film "Sensitive Content" (Deutschland, 2023). Gestiftet wird die Auszeichnung vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus.

Eine Person steht mit ausgebreiteten Armen vor Autos.
In "Sensitive Content" geht es unter anderem um das Hinsehen und um patriarchale Strukturen. Bildrechte: Narges Kalhor, Filmfest Dresden

In dem Film geht es um Augenzeugen im Nahen Osten, die auch bei Gewalt nicht wegschauen und "Sensiblen Inhalt" aufzeichnen. Sie riskieren ihr Leben. Durch Gewalt sind dabei zwei Augen ausgelöscht worden.  

Zur Begründung der Auszeichnung teilte die Jury mit: "Hinschauen und die Augen nicht verschließen. Auf gekonnte und präzise Art und Weise verwebt der Gewinnerfilm Found-Footage-Material, Animation und Sound und nimmt die Betrachter*innen an den Ort des Geschehens mit. Wer darf sich zeigen, wer kann agieren und wem wird das Hinsehen und die Teilhabe verwehrt? Der Film prangert eindrücklich die patriarchalen Strukturen an und zeigt den unerschrockenen Kampf der Frauen auf. Formal und inhaltlich waren wir als Jury von der ersten Sekunde an komplett in den Bann gezogen."

72.000 Euro Preisgeld 

Insgesamt wurden beim 36. Filmfest Dresden 16 Preise im Wert von insgesamt 72.000 Euro vergeben, zehn Goldene Reiter und sechs Sonderpreise. Acht Jurys sowie das Publikum wählten dabei ihre Favoriten aus 60 Kurzfilmen jeweils im Nationalen, Internationalen und Mitteldeutschen Wettbewerb aus. Die feierliche Preisverleihung fand im Filmtheater Schauburg statt. Alle Preisträgerfilme werden am Sonntag, 21. April 2024, im Filmtheater Schauburg, im Programmkino Ost, im Kino im Kasten sowie im Zentralkino in Dresden gezeigt.

Goldene Reiter Internationaler Wettbewerb 

Goldener Reiter Bester Animationsfilm 
"La Perra" von Carla Melo Gampert (Frankreich, Kolumbien 2023) 
Preisgeld: 7.500 Euro

Goldener Reiter Bester Kurzfilm
"Alien0089" von Valeria Hofmann (Chile/Argentinien 2023) 
Preisgeld: 7.500 Euro

Goldener Reiter des Publikums 
"Zima" Tomasz Popakul, Kasumi Ozeki (Polen 2023) 
Preisgeld: 3.000 Euro

Goldener Reiter der Jugendjury 
"As Miçangas" ("The Beads") von Rafaela Camelo, Emanuel Lavor (Brasilien 2023) 
Preisgeld: 2.000 Euro 

Stilisierte Reiter-Figuren aus Metall
Die Goldenen Reiter sind die begehrten Preise des Kurzfilmfestivals. Bildrechte: FILMFEST DRESDEN

Preise im Nationalen Wettbewerb 

Goldener Reiter Bester Animationsfilm 
"Carrotica" von Daniel Sterlin-Altman (Deutschland 2024) 
Preisgeld: 3.000 Euro

Goldener Reiter Bester Kurzfilm 
"Alex in den Feldern" von Marie Zrenner (Deutschland 2023) 
Preisgeld: 3.000 Euro

Goldener Reiter des Publikums 
"Land der Berge" von Olga Kosanovic (Österreich/Deutschland 2023) 
Preisgeld: 4.000 Euro

Goldener Reiter der Jugendjury 
"Land der Berge" von Olga Kosanovic (Österreich/Deutschland 2023) 
Preisgeld: 2.000 Euro 

Weitere Goldene Reiter

Goldener Reiter im Mitteldeutschen Wettbewerb
"Urlaubsversuche" von Finn Ole Weigt und Paula Milena Weise (Deutschland 2022) 
Preisgeld: 3.000 Euro

Goldener Reiter Filmton
"A Kind of Testament" von Stephen Vuillemin (Frankreich 2023), Ton: Lucien Krampf 
Preisgeld: 3.000 Euro (1.500 Euro Geldpreis + 1.500 Euro Sachwert)

Weitere Preise

Sächsischer Filmförderpreis
"Sensitive Content" von Narges Kalhor (Deutschland 2023)
Preisgeld: 20.000 Euro

DEFA-Förderpreis Animation
"Zoopticon" von John Frickey, Thies Mynther, Sandra Trostel (Deutschland 2023)
Preisgeld: 3.000 Euro

ARTE Kurzfilmpreis
"The Un-Chaotic Cabinet that Wishes for me to Sleep" von Cillian Green (Irland 2023)
Preisgeld: 6.000 Euro (zum Ankauf eines Films) 

"voll politisch"-Kurzfilmpreis für demokratische Kultur
"Mast-Del" von Maryam Tafakory (Iran, Großbritannien 2023)
Preisgeld: 3.000 Euro

LUCA-Filmpreis für Geschlechtergerechtigkeit
"My Orange Garden" von Anna-Sophia Richard (Deutschland 2023)
Preisgeld: 2.000 Euro

Dresdner Kurzfilmpreis des Verbandes der deutschen Filmkritik
"Mast-Del" von Maryam Tafakory (Iran, Großbritannien 2023)
Preisgeld: undotiert

Quelle: Filmfest Dresden 
Redaktionelle Bearbeitung: op

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. April 2024 | 19:00 Uhr

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