Stadtentwicklung Merseburger Straße in Leipzig soll autofrei werden

Seit mehr als 30 Jahren gibt es Überlegungen, die Merseburger Straße im Stadtteil Lindenau in eine autofreie Fußgängerzone zu verwandeln. Pläne dazu liegen schon seit DDR-Zeiten in der Schublade. Doch zu einer Umsetzung kam es nie. Das könnte sich jetzt ändern. Denn der Leipziger Stadtrat hat nun beschlossen, dass die Verwaltung das Vorhaben prüfen und Vorschläge erarbeiten soll, wie es umgesetzt werden kann.

Merseburger Straße Leipzig-Lindenau
Aus Parkplätzen soll eine Fußgängerzone werden. Der Stadtrat von Leipzig hat beschlossen, die Umgestaltung der Merseburger Straße in Leipzig-Lindenau zu prüfen. (Blick in die Merseburger Straße in Richtung Lützner Straße.) Bildrechte: MDR/ Barbara Brähler

Der Stadtrat von Leipzig hat auf seiner letzten Sitzung beschlossen, dass die Merseburger Straße in Leipzig-Lindenau zu Teilen autofrei werden soll. Dafür wurde der Oberbürgermeister Burkhard Jung beauftragt zu prüfen, wie die städtebauliche Qualität der Straße verbessert werden kann. Bis kommendes Jahr hat die Stadtverwaltung nun Zeit Vorschläge zu erarbeiten, wie das Vorhaben, zwischen Karl-Heine-Straße und Lützner Straße, umgesetzt werden kann.

Aus Parkplätzen werden Flaniermeile

Folgendes hat der Stadtrat konkret für das knapp 550 Meter lange Teilstück der Merseburger Straße beschlossen:

  • Die Merseburger Straße zwischen Lützner Straße und Karl-Heine-Straße soll Geschäfts- und Freisitzstraße (Flaniermeile) werden.
  • Der Oberbürgermeister soll ein sogenanntes Teileinziehungsverfahren für die Merseburger Straße zwischen Aurelienstraße und Karl-Heine-Straße prüfen und gegebenenfalls einleiten. Damit könnte der Abschnitt der Merseburger Straße autofrei gemacht werden.
  • Die bereits bestehende Fußgängerzone auf der Merseburger Straße am Kaufhaus Held soll aufgewertet werden.
  • Der Teil der Merseburger Straße zwischen Endersstraße und Aurelienstraße soll als Fahrradstraße geprüft werden.
  • Für das gesamte Wohngebiet zwischen Lützner Straße und Karl-Heine-Straße soll eine sogenannte Fahrradzone geprüft werden.

Fahrradzone Das Instrument der Fahrradzone wurde 2020 in die Straßenverkehrordnung neu aufgenommen. In Fahrradzonen gilt "rechts vor links". Anderer Verkehr als Radverkehr ist hier nur nach gesonderter Freigabe gestattet. Für den freigegebenen Fahrverkehr gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Der Radverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Auch Elektrokleinstfahrzeuge dürfen hier fahren. Radfahrer und Elektrokleinstfahrzeuge dürfen in Fahrradzonen nebeneinander fahren.
Bundesministerium für Digitales und Verkehr


  • Es sollen mehr Fahrradbügel auf der Merseburger Straße installiert werden – auch für Lastenräder.
  • Die Stadt soll prüfen, wie die Flaniermeile von der Karl-Heine-Straße nach Süden bis zur Zschocherschen Straße durchgezogen werden kann.


Die Umgestaltung soll bis 2023 geplant und erste Teilmaßnahmen 2024 ausgeführt werden. Zudem soll die Merseburger Straße als Pilotprojekt für weitere Flaniermeilen in Leipzig dienen.

Anwohner mehr positiv als kritisch gestimmt

Für viele der Gewerbetreibenden und Gastronomen ist der jetzt gefallene Beschluss überfällig. "Ich finde es super, weil es immer mehr Gastronomie und auch immer mehr Läden gibt", findet Franz Eckhardt, der in seinem Bistro französische Spezialitäten anbietet. "Eigentlich ist die Straße perfekt dafür, um wieder autofrei zu werden. Das war ja eigentlich auch schon mal der Plan", sagt er MDR SACHSEN.

Ein Mann steht vor einem Laden und blickt in die Kamera
Franz von Le Petit Franz in der Merseburger Straße findet es super, dass die Merseburger Straße zum Teil autofrei wird. Bildrechte: MDR/ Barbara Brähler

Eigentlich ist die Straße perfekt dafür, um wieder autofrei zu werden. Das war ja eigentlich auch schon mal der Plan.

Franz Le Petit Franz

Nur die Sache mit den Parkmöglichkeiten für die Anwohner, könnte zum Problem werden, überlegt Franz. Da müsse sich die Stadt auch etwas Gutes überlegen. Sein Nachbar von gegenüber findet es generell eine gute Sache. "Die Straße eignet sich dafür. Das kann nur gut werden."

Fußgänger statt Autos - Die Merseburger Straße soll autofrei werden

Merseburger Straße Leipzig-Lindenau
Zahlreiche kleine Kneipen, Restaurants und individuelle Geschäfte gibt es in der Merseburger Straße. Der Abschnitt von der Karl-Heine-Straße bis zur Aurelienstraße soll autofrei werden. Bildrechte: MDR/ Barbara Brähler
Merseburger Straße Leipzig-Lindenau
Zahlreiche kleine Kneipen, Restaurants und individuelle Geschäfte gibt es in der Merseburger Straße. Der Abschnitt von der Karl-Heine-Straße bis zur Aurelienstraße soll autofrei werden. Bildrechte: MDR/ Barbara Brähler
Eine Straßenlampe in Kugelform, darunter ein Blumenbeet mit verdorrten Pflanzen
Dass der obere Teil, zwischen Karl-Heine- und Aurelienstraße, zu DDR-Zeiten mal als Fußgängerzone geplant war, davon zeugen noch die Kugellampen und die Hochbeete darunter. Bildrechte: MDR/ Barbara Brähler
Blick in die Anwohnerstraße Merseburger Straße Leipzig-Lindenau
Eigentlich ist hier die Durchfahrt verboten. Doch laut Anwohnern hält sich so gut wie niemand daran. Bildrechte: MDR/ Barbara Brähler
Merseburger Straße Leipzig-Lindenau
Ab der Aurelienstraße bis zur Endersstraße soll die Merseburger zur Fahrradstraße werden. Bildrechte: MDR/ Barbara Brähler
Eine Frau steht in einer Tür und blickt in die Kamera
Gisela Galm von Andres Einkauf und Imbiss sieht den Beschluss kritisch. Sie glaubt es ist für ihr Geschäft von Nachteil, wenn die Straße umgebaut wird. "Was ist mit meinem Paketservice? Und was mit den Anwohnern? Wo sollen die parken?" Bildrechte: MDR/ Barbara Brähler
Merseburger Straße Leipzig-Lindenau
Auch die bereits existierende Fußgängerzone an der Kreuzung zur Lützner Straße soll verschönert werden. Bislang fristet die Fläche direkt am Kaufhaus Held eher ein trauriges Dasein. Bildrechte: MDR/ Barbara Brähler
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Ein paar Häuser weiter, stehen die Inhaberin eines Blumenladens und ihre Nachbarin von einer Buchhandlung im Gespräch vor der Ladentür. Beide finden weniger Verkehr in den engen kleinen Straßen generell gut. "Aber man muss einfach auch mal drei Schritte weiter denken und sich überlegen, wo die Leute, die hier wohnen, ihre Autos lassen. Das verlagert sich dann in die Straße, wo es auch schon eng ist. Und es wird dann noch enger, als es ist. Da beißt sich die Katze in den Schwanz", gibt die Floristin zu bedenken. Ihre Buchfreundin sieht dennoch Vorteile. "Vielleicht bringt es mehr Leute in diesen Teil der Straße: Die bleiben oft auf der Karl-Heine und wissen nicht, dass es hier auch schöne Läden gibt".

Man muss einfach auch mal drei Schritte weiter denken und sich überlegen, wo die Leute, die hier wohnen, ihre Autos lassen. Das verlagert sich dann in die Straße, wo es auch schon eng ist. Da beißt sich die Katze in den Schwanz

Gewerbetreibende

Jubel beim Ökolöwen

Bis auf die CDU- und AfD-Fraktion stimmte die Mehrheit der Abgeordneten für die Prüfung. Über die sehr deutliche Mehrheit und die Unterstützung des Oberbürgermeisters freuen sich vor allem die Leipziger Ökolöwen. Jahrelang hatte der Umweltverein zusammen mit dem Stadtbezirksbeirat Altwest für eine Fußgängerzone in der Merseburger Straße gekämpft. Trotzdem, "so richtig freuen wir uns aber erst, wenn das alles tatsächlich auf die Straße gebracht wurde", sagte Vereinsmitglied Tino Supplies MDR SACHSEN. Weniger glücklich ist Supplies darüber, dass es ein so langer Kampf war. "Wir haben als Leipziger Umweltverein die ganze Stadt im Blick. Wenn wir jetzt in jedem Wohngebiet für ein bisschen Verkehrsberuhigung so einen Eiertanz aufführen müssen, dann wird das nix mit einem kinder- und umweltfreundlichen Gesamtverkehrskonzept für die ganze Stadt", befürchtet Supplies.

Wenn wir jetzt in jedem Wohngebiet für ein bisschen Verkehrsberuhigung so einen Eiertanz aufführen müssen, dann wird das nix mit einem kinder- und umweltfreundlichen Gesamtverkehrskonzept für die ganze Stadt.

Tino Supplies Ökolöwe Leipzig

Jetzt muss aber erst einmal geprüft und Vorschläge zur Umsetzung erarbeitet werden. Das wird die Stadtverwaltung nicht im Alleingang machen. Im Beschluss des Stadtrates steht explizit, dass Anwohner, Gewerbetreibende und Stadtteilakteure beteiligt werden müssen.  

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Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR (bb)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 16. Juni 2022 | 18:30 Uhr

8 Kommentare

nasowasaberauch vor 24 Wochen

Die Parkplatzsuche ist dann wohl nicht so einfach. Nach dem 9€ Ticket ist vor der Pandemiewelle im Herbst. Da wird das geschasste Vehicle wieder attraktiv. In der Partymeile wohnen wird für den werktätigen Bürger ein Problem mit der Nachtruhe.

Reuter4774 vor 24 Wochen

Es soll ja auch Leute geben, die tatsächlich noch LAUFEN können und sogar Einkaufstasche dabei haben und ein paar Straßen lang tragen können? So gehe ich immer einkaufen ganz ohne Auto.

Reuter4774 vor 24 Wochen

Es geht hier um eine (!) Straße! Wenn der Deutsche mit seinem Auto nicht bis ins Geschäft fahren kann, geht die Welt unter? Wie haben nur die Leute früherer Jahrhunderte überlebt, die laufen mussten und Einkaufstaschen auch mal tragen? Die Spritpreise sind offensichtlich noch zu niedrig da geht noch viel.

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