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Die Kritik an der Leipziger Buchmesse hält an. Noch immer ist kein Nachfolger für Direktor Oliver Zille gefunden. Auch die Absage der Connewitzer Verlagsbuchhandlung für die Messe 2024 schlägt in der Buchbranche Wellen.

MDR KULTUR - Das Radio Do 28.09.2023 06:00Uhr 03:46 min

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Kritik von Ausstellern Leipziger Buchmesse unter Druck

28. September 2023, 05:01 Uhr

Die Frage, wie es mit der Leipziger Buchmesse weitergeht, treibt aktuell die Buchbranche um. Noch immer ist kein Nachfolger für Oliver Zille gefunden. Ende des Jahres scheidet der Buchmesse-Direktor aus dem Amt. Außerdem sorgte eine Messeabsage für Aufsehen: Die Connewitzer Verlagsbuchhandlung hat bekanntgegeben, 2024 keinen Stand anzumelden - aus Kostengründen. Auch bei anderen Verlagen sind kritische Stimmen zur aktuellen Entwicklung der Buchmesse zu hören.

Dass seine Ankündigung, im kommenden Jahr keinen Stand auf der Leipziger Buchmesse anzumelden, solche Wellen schlägt, hat Peter Hinke wohl nicht gedacht. Seine Connewitzer Verlagsbuchhandlung ist zwar hoch angesehen und unter anderem mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet worden - aber eben doch nur einer von vielen kleineren unabhängigen Verlagen in Leipzig.

Die Gründe für die Entscheidung seien vielfältig, sagt Peter Hinke. Auch sein Verlag muss sich zum Beispiel damit auseinandersetzen, dass die Kosten bei der Herstellung an allen Ecken und Enden gestiegen sind. "Dadurch, dass auch uns Mittel fehlen, überlegt man natürlich, wie man sein Geld effektiv ausgibt. Wir wollen Veranstaltungen machen, aber wir müssen vielleicht nicht unbedingt mit einem eigenen Messestand da sein", so der Verleger.

Außenansicht Connewitzer Verlagsbuchhandlung, ein Schaufenster, in der Mitte eine Tür.
Wird bei der Leipziger Buchmesse 2024 keinen Stand haben: Die Connewitzer Verlagsbuchhandlung. Bildrechte: Connewitzer Verlagsbuchhandlung

Nachfolge von Buchmesse-Direktor Oliver Zille weiter unklar

Hinke betont, sein Verlag wolle die Buchmesse weiter begleiten und plant Veranstaltungen in seinen beiden Buchhandlungen in der Stadt. Das große Echo auf seine Ankündigung verdeutlicht aber etwas: Auch andere Verlage treibt die Sorgen über die gestiegene Papierpreise um. Und sie machen sich Gedanken über die Nachfolge von Buchmesse-Direktor Oliver Zille. Messesprecher Andreas Knaut versucht zu beruhigen:

Wir suchen mit großem Hochdruck nach einer Nachfolge für Oliver Zille.

Andreas Knaut, Sprecher Leipziger Messe

Diese Suche gestalte sich jedoch nicht ganz einfach. "Aber wir sind jetzt in Gesprächen. Und ich hoffe, dass wir ihnen in der nächsten Zeit sagen können, wer es sein wird“, so Knaut. Der Messesprecher verspricht Kontinuität: Formate wie das Forum offene Gesellschaft oder die Buchbar als Begegnungsort mit Autorinnen und Autoren sollen fortgesetzt werden.

Oliver Zille, ein Mann mit grauen Haaren und Brille, er trägt einen Anzug und eine grüne Krawatte.
Nach 30 Jahren als Buchmesse-Direktor hört Oliver Zille aus persönlichen Gründen Ende 2023 auf. Bildrechte: picture alliance/dpa | Jan Woitas

Unzufriedenheit bei Leipziger Verlagen

Und doch steht die Frage im Raum, wie es mit der Leipziger Buchmesse weitergeht. Monika Osberghaus, Verlegerin beim Klett Kinderbuchverlag, hat einen Stand für die Messe 2024 angemeldet. "Auf Probe", wie sie sagt. Ob sie auch 2025 kommt, hängt von der weiteren Entwicklung der Messe ab. Auch die Verlagsgruppe Seemann Henschel hat einen Stand angemeldet. Verlegerin Annika Bach fordert von der Stadt und der Messe aber mehr Engagement bei der Suche nach einem Nachfolger von Oliver Zille.

Die Existenz der Messe hänge wahrscheinlich nicht von einer einzelnen Person ab und auch nicht von einem Messedirektor - aber ihre Qualität schon, so Annika Bach. "Ich fürchte, wir steuern auf Mittelmaß zu, wenn wir die Besetzung und die Strukturen des Messeteams nicht angemessen groß denken".

Als Leipziger Bürgerin und Verlegerin finde ich, dass die Politik und die Messe dieser Buchstadt eine exzellente Besetzung schulden.

Annika Bach, Verlegerin

Annika Bach, eine Frau mit dunkelbloden Haaren und einem Pony, sie trägt einen weißen Pullover und steht mit verschränkten Armen vor einem Regel auf dem Bücher stehen.
Die Leipziger Verlegerin Annika Bach fordert eine angemessene Nachfolge für den Buchmesse-Direktor. Bildrechte: Christina Vetesnik

Kritik an Anmeldegebühren für "Leipzig liest"

Unmut unter den Verlagen gibt es auch, weil das gedruckte Programmheft für die Veranstaltungen des Lesefests "Leipzigs liest" eingestampft wurde und man sich mit den digitalen Alternativen nur schwer einen Überblick verschaffen konnte.

Dass für die Anmeldung von Veranstaltungen bis zu 99 Euro fällig werden, beschäftigt vor allem kleinere Verlage. Messesprecher Andreas Knaut verweist angesichts dieser Kritik auf die eigenen Kosten: "Die Leipziger Buchmesse organisiert 'Leipzig liest'. Das bedeutet: Wir organisieren die digitale Plattform, das Marketing und die Kommunikation. Dafür bitten wir unsere Aussteller, die eine Veranstaltung durchführen wollen, um eine Pauschale, um das – noch nicht einmal kostendeckend – durchzuführen."

Bei aller Kontinuität hat sich die Buchmesse in den vergangenen Jahren, vor allem nach der Corona-Pandemie, immer wieder neu erfunden. Digitale Formate sind hinzugekommen, die die Messe als wichtigen Ort für Austausch und Begegnung bereichert haben. Wie sich die Messe in Zukunft neu erfinden und ihren Markenkern als Lesefest bewahren will, wird erst derjenige oder diejenige beantworten können, die in die Fußstapfen von Buchmesse-Direktor Oliver Zille tritt.

Redaktionelle Bearbeitung: lig

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR Kultur am Morgen | 28. September 2023 | 07:40 Uhr

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