Omri Boehm, ein Mann mit Glatze, er trägt ein weißes Hemd, darüber ein schwarzes Sakko
Der Philosoph Omri Boehm erhält den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2024. Bildrechte: picture alliance/dpa | Christian Charisius

Auszeichnung Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung für Philosophen Omri Boehm

18. Dezember 2023, 13:10 Uhr

Der deutsch-israelische Philosoph Omri Boehm erhält den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2024. Boehm bekommt die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung für sein Buch "Radikaler Universalismus. Jenseits der Identität", wie die Stadt Leipzig und die Leipziger Buchmesse am Montag mitteilten. Der Preis wird am Eröffnungsabend der Leipziger Buchmesse am 20. März 2024 im Gewandhaus verliehen. Die Laudatio hält die französisch-israelische Soziologin Eva Illouz.

In der Begründung der Jury heißt es, Omri Boehm werde für die Konsequenz ausgezeichnet, mit der er den Kern des humanistischen Universalismus, die Verpflichtung zur Anerkennung der Gleichheit aller Menschen, gegen jegliche Relativierung verteidige. Boehm trete den ideologischen Verhärtungen der Gegenwart entschieden entgegen.

Die Philosophin Catherine Newmark sagte MDR KULTUR, Boehms Standpunkt sei: "Wir können uns nicht zurückziehen auf die Identitäten, es geht auch nie um ein Wir, denn das Wir ist immer zu klein. Wir brauchen einen abstrakten Begriff der gesamten Menschheit."

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Weiter erklärte Newmark: "Diese Vorstellung, dass wir die allgemeine Menschlichkeit, die Menschenwürde, die absolute Gleichheit als Menschen vor diesem großen ethischen Prinzip von allen Menschen, die da leben, anerkennen – damit ist er natürlich auch eine wichtige Stimme, die Impulse gibt: Was passiert am Tag nach den Kampfhandlungen. Wie kann es weitergehen? Wie krieg man wirklich Frieden hin?"

Nominierung für Deutschen Sachbuchpreis

Omri Boehm wurde 1979 in Haifa geboren und hat unter anderem an der Yale University und in München studiert. Er lebt in den USA. Seit 2010 hat er eine Professur für Philosophie an der New Yorker New School for Social Research. Sein Buch "Radikaler Universalismus. Jenseits der Identität" ist im September 2022 im Propyläen Verlag erschienen und stand in diesem Jahr auf der Nominierten-Liste für den Deutschen Sachbuchpreis. Der Text wurde von Michael Adrian aus dem Amerikanischen übersetzt.

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung wird seit 1994 jährlich vergeben und zählt zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen in Deutschland. Das Preiskuratorium bilden der Freistaat Sachsen, die Stadt Leipzig, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Leipziger Messe. Im vergangenen Jahr wurde die russisch-jüdische Lyrikerin Maria Stepanova für ihren Lyrikband "Mädchen ohne Kleider" geehrt.

Quellen: Pressemitteilung Stadt Leipzig, epd; redaktionelle Bearbeitung: lig

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Dezember 2023 | 07:10 Uhr

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