Erste Händler-Bilanz Zwischen Frust und Hoffnung: Ein Weihnachtsmarktbesuch in Leipzig

Der Duft von Glühwein liegt wieder in der Luft. Nach zwei Wochen Weihnachtsmarkttrubel ziehen die Händler auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt erste Bilanz: Einige sind zufrieden mit den Besucherzahlen, für Andere gibt es noch Luft nach oben.

Besucher auf dem Weihnachtsmarkt
Der Stand auf dem Weihnachtsmarkt an der Nikolaikriche in Leipzig ist nicht zu übersehen. Seit 1993 schenkt Betreiber Herold Wolf hier Feuerzangenbowle aus. Bildrechte: Chiara Battaglia

Feucht und kalt ist das Wetter an diesem Abend mitten in der Woche. Unter den Steinbögen des Alten Rathauses in Leipzig stehen dunkel gekleidete Menschen beisammen und halten ihre Tassen wie einen Schatz mit beiden Händen fest. Die Leuchtdekoration an den steinigen Decken strahlt die Gesichter an. Die Weihnachtsmarktbesucherinnen und -besucher lachen, unterhalten sich.

Verhaltenes Trinken dank Homeoffice?

Gegenüber eine Holzhütte, vor der sich eine Schlange gebildet hat - trotz Nieselregens. Darin ein paar gut gelaunte Männer mit Filzhüten, die den Kundinnen und Kunden dampfende Getränke verkaufen: Glühwein aus Südtirol. Mittendrin steht Willi Wenin. Für den Meraner ist Leipzig inzwischen zu seiner zweiten Heimat geworden. Mit Freunden fährt er aus Italien hoch nach Sachsen und noch höher auf den MDR Turm, um ihnen die Stadt zu zeigen, in die er schon seit 2001 zum Glühweinausschenken herkommt. "So gute Freunde, wie ich hier hab‘, habe ich selten", schwärmt er.

Zwei Männer in einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt
Willi Wenin (l.) und sein Geschäftspartner Thomas Kröll kommen jedes Jahr mit ihrem Wein aus Südtirol auf den Leipziger Markt. Bildrechte: Chiara Battaglia

Seine Zwischenbilanz nach den ersten Wochen auf dem Weihnachtsmarkt: "Ganz a bissl verhalten." Willi Wenin vermutet, dass der leichte Besucherrückgang am Homeoffice liegt. "Da kommt man nach der Arbeit eher nicht in die Stadt, um einen Glühwein zu trinken."

Wie viele andere habe er auch den Preis um 50 Cent anheben müssen. Vor 20 Jahren hat der Glühwein bei ihm noch 1,50 Euro gekostet. Heute sind es 4,50 Euro. Denn die Einkaufspreise für Wein und Gewürze seien gestiegen, erklärt er. Die Transportkosten sogar über das Doppelte. Aber: "Die Rechnung machen wir zum Schluss", sagt Willi.

Und er vertraut auf die Qualität seines Weines. "Ich weiß genau, wie der Leipziger den Glühwein mag: nicht zu süß und nicht zu überwürzt. Wie auch ein Glühwein gehört." Er bleibt beim Klassiker. Und es funktioniert.

Ich weiß genau, wie der Leipziger den Glühwein mag: nicht zu süß und nicht zu überwürzt. Wie auch ein Glühwein gehört.

Willi Wenin Gastronom

Besucher-Freude: Nach zwei Jahren Pause wieder Glühwein und Handbrot

Etwas weiter am Naschmarkt finden Besucher auf dem kleinen Mittelalterdorf zwischen Filzständen, Kerzenziehern und Kunstschmieden den Stand von der Heureka Gastro GmbH. Standleiter Frank Hecht kommt ins Plaudern. Schon als Student habe er in der schmalen hölzernen Bude Met, Glühwein und Schnaps ausgeschenkt. Das ist 20 Jahre her.

Jetzt betreut er die Studierenden, die aushelfen. Einer davon: VWL-Student Sani Wahyudi. Er kommt nach seinen Vorlesungen zum Weihnachtsmarkt, um Met auszuschenken. Die Bezahlung sei gut und die Aufgaben machten Spaß. Flexibel je nach Vorlesungsplan könne er seine Schichten legen. Zwar sei weniger los, als in den Jahren zuvor, aber man merke, dass der Markt den Leuten in den vergangenen zwei Jahren gefehlt hat, erzählt Sani Wahyudi.

Mann in einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt
Student Sani Wahyudi gefällt besonders die Arbeitsatmosphäre zwischen gebrannten Mandeln, Glühwein und gut gelaunten Gästen. Bildrechte: Chiara Battaglia

Gäste vermissten Weihnachtsmarkt-Atmosphäre

Die besondere Atmosphäre hat auch ein Ehepaar aus Brandenburg vermisst, das gerade seine Tochter in Leipzig besucht. Da sei "die Preiserhöhung schon in Ordnung. Schließlich müssen die Händler ja auch was verdienen und es ist einfach schön hier", schwärmen sie.

Menschen an einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt
Ein Weihnachtsmarktbesuch ist bei der Brandenburger Familie zur Tradition geworden. Bildrechte: Chiara Battaglia

Trotzdem ist der Weihnachtsmarktbesuch zum Luxus geworden, urteilt Frank Hecht. "Die Wohnung muss ja auch geheizt werden", sagt er. Doch der Brandenburger bleibt optimistisch. "Es wird funktionieren. Es hätte auch sein können, dass die Leute uns überrennen", überlegt Frank Hecht, während hinter ihm Met ausgeschenkt wird.

Weniger Andrang und verhaltener Konsum

Etwas weniger positiv gestimmt ist Herold Wolf. Seit 1993 steht der Geschäftsführer der Feuerzangenbowle Wolf mitten im großen, runden, hell erleuchteten Stand an der Nikolaikirche. Neben ihm rühren muskulöse Männer in den eisernen Töpfen Feuerzangenbowle. Er ist nicht zufrieden mit den bisherigen Geschäften. Dafür müsste das Wetter besser werden und die Leute "halten ihr Geld fest", sagt er bestimmt.

Am Sonntag um 19 Uhr seien am Stand nur noch fünf Menschen gewesen. Und auch wenn gerade ausgelassenes Treiben an den Tischen ist, Herold Wolf sagt, der Schein trüge teilweise. "Pärchen kommen zwar viel, aber sie teilen sich einen Becher. Das haben wir sehr oft", erzählt er.

Pärchen kommen zwar viel, aber sie teilen sich einen Becher. Das haben wir sehr oft.

Herold Wolf Gastronom

Das, was Herold Wolf sich jetzt wünscht, sei schönes Wetter, vielleicht Schnee und ein gutes Geschäft, sodass der Familienbetrieb wieder kostentragend arbeiten könne.

Zwei Wochen können sich Besucherinnen und Besucher noch durch die Stände probieren. Bis zum 23. Dezember geht der Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz. Einen Tag länger als die anderen Märkte in der Stadt. Dann wird sich zeigen, wie sehr der rückläufige Besucherandrang für die Händler ins Gewicht fällt.

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MDR (sho)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 05. Dezember 2022 | 19:00 Uhr

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