Klima Trockenheit in Thüringen bedroht Fische der Ilm

Es ist ein trauriger Anblick: Die Ilm bei Kranichfeld ist staubtrocken. Nur hier und da plätschert ein kleines Rinnsal. Für die Fauna im Fluss ist das ein Todesurteil. Der Fischbestand ist bedroht.

Ein trockenes Flussbett.
Von der Ilm sind in Kranichfeld nur noch wenige Rinnsale zu sehen. Teilweise ist der kleine Fluss bis zu 700 Meter trocken Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Eine trockene Ilm ist nichts Neues. Rund um Kranichfeld (Weimarer Land) gibt es mindestens drei so genannte Versinkungsstellen. Das Wasser taucht ab, bahnt sich seinen Weg unter der Oberfläche und kommt an anderer Stelle wieder raus - ein Teil davon zum Beispiel an der Wipfraquelle, ein anderer bei Schaala.

Dennoch ist in diesem Jahr einiges anders. Die Trockenheit ist intensiver. Es gibt kaum noch Löcher mit Wasser, nur noch wenige Rinnsale und dann hält der Zustand extrem lange an. Mit Konsequenzen: Ufer bröckeln, Bauwerke drohen abzusacken, die Tierwelt leidet und die Feuerwehr hat kein Löschwasser mehr.

Die Situation ist dramatisch.

Uwe Müller Fischer und Wasserwirtschaftler

Fluss stellenweise bis zu 700 Meter trocken

"Die Situation ist dramatisch", sagt Uwe Müller, Fischer und Wasserwirtschaftler, der in Stedten eine Mühle betreibt. Seit Wochen steht sein Mühlrad still. "Die Ilm ist streckenweise bis zu 700 Meter trocken. Man sieht Kiesbänke und Sand. Es gibt nur noch wenige Löcher."

Die Wasserlöcher sind Lebensretter für Fische wie Elritzen, Forellen, Stichlinge und Äschen, wie es sie in der Ilm gibt. Doch langsam trocknen auch diese Wasser-Reservoirs aus. "Der Fischbestand, der noch da ist, wird von Reihern, Waschbären, Füchsen und anderen Tieren bedroht", so Müller. "Die Fische sind gerade eine ganz leichte Beute." Mit Kescher und Eimer zieht der Fischer nun regelmäßig los und holt die überlebenden Fische aus den Löchern.

Zwei Menschen vor einem Fischtank.
Fischer und Wasserwirtschaftler Uwe Müller zeigt sein Hälterbecken, in dem er Fische rettet. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Fische vor dem Sterben retten

Zu Hause hat er ein sogenanntes Hälterbecken mit Brunnenwasser gefüllt und setzt die Tiere dort hinein. "Wenn die Ilm wieder mehr Wasser führt, kann ich die Fische in Freiheit entlassen. Aber das wird wohl noch eine Weile dauern", so Müller. Es ist der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Müller kann nicht viele Fische vor dem Sterben retten.

Mühsam wird er die Bestände von Hand aufziehen, wird beim Laichen helfen und die Fische später am Flusslauf der llm wieder aussetzen. Es wird lange dauern, bis sich die Ilm und die Fauna wieder erholen. "Normalerweise hat der Fluss Bestandsdichten von 200 Kilogramm Fischbiomasse pro Hektar. Wenn die Trockenheit vorbei ist, werden es vielleicht noch ein, zwei Kilogramm sein", schätzt der Fachmann.

Zwei Hälterbecken für Fische.
Die Hälterbecken werden mit Brunnenwasser gespeist - sie helfen Fischen beim Überleben. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Fischbestand nicht zum ersten Mal bedroht

Schon einmal hat Müller einen ähnlichen Kahlschlag erlebt. Damals im Jahr 2005 war es der Kormoran, der dem Fischbestand zugesetzt hatte. 3.500 Tiere hatten sich im Ilmtal niedergelassen und den Fluss regelrecht leer gefressen. "Äschen gab es danach so gut wie keine mehr", so Müller.

Sie wieder anzusiedeln, bedeutete eine Menge Arbeit. Die steht dem Fischer nun auch wieder bevor. Uwe Müller drängt auf eine langfristige Lösung. Er setzt sich für den Bau eines Hochwasserrückhaltebeckens ein.

Rückhaltebecken als Lösung vorgeschlagen

Dort, wo die Ilm bei Hochwasser über die Ufer tritt, da soll ein Becken gebaut werden, was in zweierlei Hinsicht hilft. "Bei Hochwasser schützt es den Ort, bei Niedrigwasser könnte das angestaute Wasser nach und nach abgelassen werden. Und die Ilm hätte immerhin zumindest ein klein wenig Wasser." Auch Wehre würden nicht mehr trocken liegen. Und Die Feuerwehr hätte weniger Sorgen, an Löschwasser zu kommen.

Die Kommunalpolitik hat seinen Aufruf gehört. In wenigen Wochen wird es einen Beratungstermin vor Ort geben. Müller hat auch Befürworter aus den eigenen Reihen, denn die Fischer sitzen im selben Boot - nur aktuell eben sehr auf dem Trockenen.

Ein trockenes Flussbett in einem Dorf.
Auch in den Seitenarmen der Ilm ist kein Wasser mehr. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

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MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 24. August 2022 | 07:30 Uhr

8 Kommentare

Eulenspiegel vor 22 Wochen

Hallo Freies Moria
"Das Klima ist ein 30-jähriger Durchschnitt und kann deshalb schon per Definition nicht für Extremereignisse der Grund sein."
Wo haben sie denn diesen Blödsinn her???
Nur ein Beispiel:
Da haben sich Klimaforscher aus der ganzen Welt zusammengetan und haben ein Computerprogramm entwickelt. Mit dem kann man bei einem Extremwetter in einer Region sämtliche Daten von diesem Extremwetter eingeben. Danach gibt man sämtliche Wetterdate dieser Region der Vergangenheit ein. Weltweite Wetterdatenerfassung gibt es seit etwa 150 Jahren. In Deutschland gibt es in vielen Bereichen Wetterdatenerfassung über mehr als 200 Jahre. Nach dem man diese ganzen Daten eingegeben hat und das Programm seine Arbeit getan hat kann man sehr differenzierte Aussagen darüber machen in wie weit dieses Extremwetterereignis vom Klimawandel beeinflusst wurde oder auch nicht. Und das sagen die Klimaforscher auch ganz klar nicht jedes Extremwetter wird vom Klimawandel verursacht.

Eulenspiegel vor 22 Wochen

Hallo Freies Moria
"Auch wenn eine Forscherin eine Meinung hat, so ändert das die Definition des Klimas nicht. "
Hallo hier geht es um eindeutig wissenschaftlich belegte Tatsachen die dazu noch tausendfach tausendfach verifiziert wurden.
Was sie hier vertreten ist ihre sehr einseitige und beschränkte Meinung die mit den bestehenden Fakten nichts zu tun hat.
Ich kann ihnen aber auch einen SPIEGEL Bestseller vom Fachbuchautor Frank Schätzing nennen. WAS WENN WIR WINFACH DIE WELT RETTEN?

Freies Moria vor 22 Wochen

@Eulenspiegel: Schauen Sie bitte nochmal in ihren Spiegel. Auch wenn eine Forscherin eine Meinung hat, so ändert das die Definition des Klimas nicht. Sie können arabische Ziffern am Ende sogar wegen kultureller Aneignung verbieten, aber die Mathematik zur Durchschnittsbildung ändert sich trotzdem nicht.
Das unglaubliche daran: Mathematik ist für alle gleich, da muss man gar kein Klimaforscher sein. Aber die Klimaforscher dürfen ruhig mehr davon verstehen als die Dame, die Sie zitieren!

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