Trockenheit "Situation katastrophal": Feuerwehr Kranichfeld hat kein Löschwasser mehr

Aufgrund der Trockenheit sind die Wasserentnahmestellen für die Feuerwehr in Kranichfeld im Weimarer Land ausgetrocknet. Die Ilm fließt wie in trockenen Sommern üblich unterirdisch. Bürgermeister Jörg Bauer nennt die Situation katastrophal. Knappes Löschwasser beschäftigt auch andere Regionen in Thüringen.

Zwei Menschen stehen an einem Wehr der Ilm, die immer weniger Wasser hat.
Der Fluss Ilm trocknet in Kranichfeld aus, für die Feuerwehr eine schwierige Situation. Bildrechte: Bernd Rödger

Im Weimarer Land hat die Kranichfelder Feuerwehr kein Löschwasser mehr. Bürgermeister Jörg Bauer (AfK) sagte MDR THÜRINGEN am Montag, die Situation sei katastrophal. Was über Jahre verschlafen worden sei, bekomme man jetzt innerhalb kurzer Zeit nicht korrigiert. Es gebe einfach keine schnelle Lösung. Die Stadt will nun große faltbare Zisternen anschaffen. Die sind laut Bauer aber frühestens im nächsten Jahr einsatzbereit. Selbst wenn sie schnell geliefert würden, fehle das Wasser, um sie zu befüllen.

Ilm fehlt das Wasser

Wegen der Hitze und Trockenheit sind die Wasserentnahmestellen für die Feuerwehr an der Kirchbrücke und am Stedtener Ilm-Wehr oberhalb der Staumauer nicht mehr nutzbar. Der Grund: Der Ilm fehlt das Wasser. In Kranichfeld trocknet der Fluss in trockenen Sommern oberirdisch aus und fließt unterirdisch weiter.

Aus diesem Grund kann die Feuerwehr nun im Ernstfall kein Löschwasser entnehmen. Ein Brandschutzkonzept, das im vergangenen Jahr für Kranichfeld vorgestellt wurde, hatte genau dieses Szenario vorhergesagt. Dass es aber "so früh so hart kommt", damit habe niemand gerechnet, so Bürgermeister Bauer.

Problem bei Feld- und Waldbränden

Das fehlende Wasser ist vor allem ein Problem bei eventuellen Flächenbränden wie auf Feldern und in Wäldern. Auch bei Großbränden könnte es eng werden, so Bürgermeister Bauer. Sollte es dagegen beispielsweise in einem Haus brennen, ist die Versorgung über die kommunale Wasserinfrastruktur gesichert.

Löschwasser auch andernorts begrenzt

Knappes Löschwasser spielt auch in anderen Thüringer Regionen eine Rolle. So äußerte Sonnebergs Forstamtsleiter Roland Kaiser kürzlich Kritik: Die Löschwasserstellen im Landkreis seien ebenso wenig ausreichend wie das Wasser darin. Hinzu komme, dass viele Waldwege wegen der riesigen Schadholzernte innerhalb der vergangenen drei Jahre kaputt seien und saniert werden müssten. Kaiser fordert daher, jeden nicht mehr genutzten Teich wieder herzurichten und neue Wasserspeicher anzulegen. Davon würde auch die durstende Pflanzen- und Tierwelt profitieren. Seinen Angaben nach berät der Landrat mit den Bürgermeistern, den Kreis- und Ortsbrandmeistern sowie den Grundeigentümern über das weitere Vorgehen.

Laut Kaiser sind infolge der diesjährigen Dürre im Kreis die Oberflächenwasser-Vorräte fast völlig aufgebraucht. Der Waldboden sei in bis zu zwei Meter Tiefe ausgetrocknet, etliche Bäche und Flüsse vertrocknet sowie Quellen versiegt. Auch die Tiefbrunnen der Landwirte zeigten Tiefststände. Oberflächige Wasserspeicher, wie zum Beispiel Seen, Teiche, Tümpel, Moore und Feuchtbiotope, verlören ebenfalls zunehmend Wasser.

Mehr zu Trockenheit und Feuerwehr

Trockenheit in der Emse 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR (kk,jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 08. August 2022 | 18:30 Uhr

25 Kommentare

Harka2 vor 7 Wochen

@ElBuffo
Es gibt im Osten vielerorts solche kleinere Rückhaltebecken, die primär der Landwirtschaft dienten. Niemand redet hier von neuen 50 m hohen Staustufen an der Saale. Gerade die kleineren Stauseen erfreuen sich auch bei den Anwohnern großer Beliebtheit.

Die Bebauung in den Flussauen ist längst erfolgt. Eine Renbaturierung ist vielerorts gar nicht mehr möglich.

Harka2 vor 7 Wochen

@Mediator
Die LPGs hatten zu DDR-Zeiten Geld. Diese Genossenschaften stehen auch heute deutlich besser da, als die westdeutschen Kleinbauern. Sie konnten sich solche Rückhaltebecken wie das in Heyda leisten. Die LPGs dachten da auch weniger an den Hochwasserschutz oder den Schutz vor Trockenheit, die dachten eher an die Bewässerung ihrer Felder. Die Staumauer ist in Heyda nur 15 m hoch.

Heute kümmert sich das Land um den Hochwasserschutz und hat im Tal der Zahmen Gera (irreführender Name, denn in Wahrheit ist sie die wilde) hinter Angelroda einen vorbildlichen Hochwasserschutz erbaut, der das Dorf auch schon gerettet hat. Hier müsste mehr vom Land getan werden, um auch vor Trockenheit zu schützen. Das Dorf Angelroda könnte z.B. niemals das nötige Kleingeld für so eine Anlage aufbringen.

Mediator vor 7 Wochen

@Harka2
Die Frage ob etwas besser gelöst war als woanders lässt sich wohl nicht so einfach beantworten, denn es ist ja nicht wirklich zielführend sich da einfach einen konkreten Punkt heraus zu picken und alles andere zu ignorieren.

Das Problem der Arbeitslosikeit war in der DDR auch besser gelöst, wenn man sich die reinen Zahlen anschaute. Das Dicke Ende kam halt hinterher.

Generell ist es wohl besser alles zu tun, damit Flüße nicht austrocknen, statt irgendwohin ein Becken zu betonieren, damit man geringe Mengen Starkregen kurzfristig speichern kann.

Man sollte auch eher trockenresistente Sorten anpflanzen, als stumpf ist trump immer weiter das nazubauen, wofür sich das Wasser immer schwerer beschaffen lässt.

Mehr aus der Region Weimar - Apolda - Naumburg

Mehr aus Thüringen