Autos der italienischen Polizei stehen in einer Straße mit mehreren Häusern in San Luca.
Razzia im Mai 2023 in San Luca (italien) Bildrechte: FAZ/David Klaubert

Ermittlungen gegen Mafia Anti-Mafia-Verfahren Eureka: Prozess in Italien auch gegen Erfurter Gastwirt gestartet

01. März 2024, 12:37 Uhr

Ein Gericht in Italien entscheidet ab Freitag, ob gegen mehr als 100 mutmaßliche Mafia-Mitglieder das Verfahren eröffnet wird. Unter den Angeklagten ist auch ein Gastwirt aus Erfurt. Er war im Mai 2023 verhaftet worden.

Im italienischen Reggio Calabria hat am Freitagmorgen der Prozess um das weltweite Anti-Mafia-Verfahren Eureka begonnen. Nach Informationen von MDR Investigativ und der Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) stehen auch in Deutschland festgenommene Angeklagte vor dem italienischen Gericht. Unter ihnen befindet sich der im Mai vergangenen Jahres in Erfurt verhaftete Gastronom Maurizio C.

Erfurter Gastronom Maurizio C. (rechts) empfing viele Promis in seinem Erfurter Restaurant. Hier 2009 mit Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher. Links im Bild Michele M, der auch Verdächtiger im Mafiaverfahren Eureka ist.
Der Erfurter Gastronom Maurizio C. (rechts) empfing viele Promis in seinem Erfurter Restaurant. Hier 2009 mit Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher. Links im Bild Michele M, der auch Angeklagter im Mafiaverfahren Eureka ist. Bildrechte: Getty Images / Peter Bischoff

Vorwurf: Drogenhandel, Geldwäsche, Waffenbesitz

In einem Bunkersaal hinter verschlossenen Türen wird bei der Vorverhandlung ab Freitag unter anderem entschieden, wie viele der 115 Angeklagten sich demnächst in einem Hauptverfahren vor Gericht verantworten müssen.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Reggio Calabria gegen die Angeklagten reichen unter anderem von der Mitgliedschaft in der Mafia über Drogenhandel, Geldwäsche, bis hin zum illegalen Besitz von Kriegswaffen.

Der Anwalt von Maurizio C. sagte MDR Investigativ und F.A.Z., seinem Mandanten werde lediglich vorgeworfen, an einem Kokain-Deal beteiligt gewesen zu sein, aber nicht Teil einer kriminellen Vereinigung.

Bei Razzia rund 130 Verdächtige verhaftet

Am 3. Mai vergangenen Jahres hatten Ermittler im Rahmen der Operation Eureka rund 130 Verdächtige verhaftet. Dabei handelte es sich um eines der bedeutendsten Verfahren, welches bisher gegen die kalabrische Mafiaorganisation ‘Ndrangheta und Personen aus deren Umfeld geführt wird.

Europaweit war es zu Razzien gekommen, unter anderem in Italien, Deutschland, Portugal, Belgien und Spanien. In Deutschland waren Polizeibeamte aus Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland im Einsatz. Im Zentrum der Ermittlungen standen hauptsächlich drei kriminelle Gruppierungen, die Verbindungen zu ‘Ndrangheta-Clans aus dem Dorf San Luca haben sollen. 

Aktuell läuft im Rahmen des Eureka-Verfahrens auch in Deutschland ein Prozess vor dem Landgericht Koblenz. Dort müssen sich derzeit zehn Angeklagte wegen Betrugs verantworten. In Nordrhein-Westfalen ermittelt die Staatsanwaltschaft Düsseldorf weiter. Bisher wurde noch keine Anklage erhoben. Fünf Tatverdächtige, die in Bayern und in Thüringen verhaftet wurden, sind dagegen alle nach Italien ausgeliefert worden und sind Teil der Vorverhandlung am Freitag in Reggio Calabria.

Vorverhandlung ist üblich in Italien

Im italienischen Prozessrecht gibt es bei schweren Strafvorwürfen eine Art Zwischenphase vor Gericht, die sogenannte "udienza preliminare". Bei dieser Vorverhandlung muss ein Richter unter anderem entscheiden, ob die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft ausreichen, um die Anklage auch vor Gericht zu stützen.

Sollte er dieser Ansicht sein, muss sich der Angeklagte weiterhin vor Gericht verantworten. Kommt der Vorverhandlungsrichter dagegen etwa zu dem Schluss, dass die Beweise nicht ausreichen, kann er das Verfahren gegen den Angeklagten einstellen.  

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