Erinnerungsbäume beschädigt Gedenkstätte Buchenwald geschändet: 10.000 Euro für Hinweise

Nach dem Absägen von sieben Erinnerungsbäumen nahe der Gedenkstätte Buchenwald hat die Stadt Weimar eine Belohnung von 10.000 Euro für Hinweise ausgesetzt. Einer der Bäume war getöteten Kindern gewidmet, die anderen sollten an sechs namentlich bekannte Häftlinge erinnern. Momentan wertet die Polizei am Tatort gesicherte Spuren aus.

Auf einer Wiese steht ein abgesägter Baum.
Die Bäume sollen an die Ermordeten in Buchenwald erinnern. Bildrechte: Philipp Neumann-Thein/ Sammlung Gedenkstätte Buchenwald

Nachdem mehrere Gedenkbäume für Opfer des NS-Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar abgesägt worden sind, hat die Polizei nach eigenen Angaben noch keine Hinweise auf mögliche Täter. Derzeit würden die am Tatort gesicherten Spuren ausgewertet, sagte ein Sprecher der Landespolizeiinspektion Jena am Freitag. Die Untersuchungen sollen unter anderem Aufschluss über das Tatwerkzeug bringen.

Bislang hätten sich noch keine Zeugen der Tat bei der Polizei gemeldet. In die Ermittlungen ist nach Angaben des Sprechers der Staatsschutz eingebunden, weil ein politisches Motiv für die Tat nicht ausgeschlossen werden könne. Die Stadt Weimar hatte zuvor eine Belohnung von 10.000 Euro für Hinweise ausgesetzt. Bei dieser Summe hoffe man, dass die Täter gefunden werden, sagte Bürgermeister Ralf Kirsten MDR THÜRINGEN.

Auf einer Wiese steht ein abgesägter Baum.
In der Nähe der Gedenkstätte wurden die Buchen zerstört. Bildrechte: Philipp Neumann-Thein/ Sammlung Gedenkstätte Buchenwald

Die sieben abgesägten Bäume waren den getöteten Kindern von Buchenwald sowie sechs namentlich genannten Häftlingen gewidmet, wie der Sprecher der Gedenkstätte, Rikola-Gunnar Lüttgenau, mitteilte. Außerdem sei festgestellt worden, dass Unbekannte auf einem Wegweiser in der Gedenkstätte den Hinweis auf Aschegräber zerkratzten, in denen die Nationalsozialisten 1944/45 die verbrannten Toten aus dem Krematorium abkippten.

Tat führt zu Wut und Entsetzen

Die Tat hatte international zu Wut und Entsetzen geführt. Die Bäume gehörten zum Projekt "1.000 Buchen" der Lebenshilfe, die dieses im Weimarer Kulturstadtjahr 1999 angestoßen hatte. Laut Kirsten sollen sie nachgepflanzt und weitere Bäume für die Opfer gesetzt werden.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) kündigte an, sich an der Neupflanzung zu beteiligen. "Aber diese feige Tat schmerzt", erkärte Ramelow am Donnerstag auf Twitter. "Wenn Bäume abgesägt werden, weil man die Erinnerung an die Gräueltaten auslöschen will, dann begeht man die Tat erneut."

168 Bäume bisher gepflanzt

Die Bäume wurden an der ehemaligen Marschroute der Häftlinge vom ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar ins bayerische KZ Flossenbürg gepflanzt. So soll Stück für Stück ein lebendiger Erinnerungsweg entstehen. Seit Beginn des Projektes wurden bei 72 Aktionen insgesamt 168 Bäume gepflanzt.

In das Konzentrationslager Buchenwald hatten die Nazis 280.000 Menschen verschleppt. Etwa 56.000 von ihnen wurden ermordet oder starben an Hunger, Krankheiten und medizinischen Experimenten. Am 11. April 1945 befreiten US-Truppen das Lager. Tausende Häftlinge waren zuvor noch auf sogenannten Todesmärschen ums Leben gekommen.

MDR (hl,dst), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 21. Juli 2022 | 06:00 Uhr

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