Arbeiter treiben eine Tiefbohrung zur Erkundung der Kalilagerstätte unter dem Ohmgebirge am nördlichen Rand von Worbis voran
Bild der Probebohrungen am nördlichen Rand von Worbis im Dezember 2023. (Archivbild) Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Martin Schutt

Gutachten des Landesverwaltungsamtes Neues Kali-Bergwerk im Eichsfeld: Land hat keine Einwände

22. Juni 2024, 11:50 Uhr

Keine Einwände für ein neues Bergwerk im Ohmgebirge. Das ist das Ergebnis des Thüringer Landesverwaltungsamts. Es hatte überprüft, ob das Projekt raumplanerisch möglich ist. Die Reaktionen dazu fallen unterschiedlich aus. Ein Überblick über den aktuellen Stand zum Bergwerk.

Manche Nachrichten verbreiten sich schnell. So auch das Ergebnis des Thüringer Landes­verwaltungsamtes. Das teilte letzten Donnerstag mit, dass es keine Einwände hat gegen ein neues Bergwerk hat. Vier Varianten wurden überprüft. Alle sind möglich. Bevorzugt würde jedoch die Variante, bei der das neue Bergwerk in Bernterode-Schacht entsteht.

Das Unternehmen Südharz Kali könnte hier den bereits bestehenden Schacht nutzen. In etwa 15 Kilometern Entfernung, im Industriegebiet von Leinefelde sollten die Produktionsanlagen entstehen, also alles an Fabrikgebäuden, was nötig ist um das Kali-Salz weiter zu Düngemitteln zu verarbeiten.

Bürgermeister ändert Meinung gegen Bergwerk schnell

Das Thüringer Landesverwaltungsamt teilte das um halb elf am Vormittag mit. Um 16 Uhr am gleichen Tag im Stadtrat reagierte der Bürgermeister von Leinefelde-Worbis auf die Mitteilung. Christian Zwingmann (pl) sagte, dass er es begrüßt, dass das Industriegebiet von Leinefelde als Standort für die Kali-Produktion favorisiert wird. Es würden Arbeitsplätze entstehen und Steuergelder in die Stadtkasse kommen.

Ein schneller Richtungswechsel. Denn: in der Stellungnahme der Stadt, die Zwingmann selbst unterzeichnete, wurden noch zahlreiche Bedenken geäußert. Insgesamt 40 Träger haben ihre Ansichten zum geplanten Bergwerk beim Thüringer Landesverwaltungsamt eingereicht.

Bürgerinitiative fürchtet Kurswechsel in der Region

Für Wolfgang Barthel ist Zwingmanns Kehrtwende kein gutes Zeichen. Der 59-Jährige ist der Initiator der Bürgerinitiative Eichsfeld-Wipperaue. Die hat über 2.000 Unterschriften gesammelt und diese beim Thüringer Landesverwaltungsamt eingereicht. Die Initiative hat auch zahlreiche persönliche Stellungnahmen eingereicht und andere Menschen motiviert, das auch zu tun.

Ein Mann zeigt einen Plan auf Papier
Wolfgang Barthel von der Bürgerinitiative Eichsfeld Wipperaue findet den Kurswechsel der Politik nicht gut. Bildrechte: MDR/Vanessa Clobes

Etwa 1.500 hat das Landesverwaltungsamt am Ende entgegengenommen. Barthel befürchtet, dass es nun mehrere der Träger, die das Vorhaben ursprünglich abgelehnt haben Bürgermeister Zwingmann gleichtun: "Der hat sein Fähnchen nach dem Wind gestellt."

Der hat sein Fähnchen nach dem Wind gestellt.

Wolfgang Barthel Initiator der Bürgerinitiative Eichsfeld-Wipperaue

Gewerkschaft und IHK sind nun für den Bergwerk-Bau

Auch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie ist jetzt für das Vorhaben. Bezirksleiter Andreas Schmidt war vor zwei Jahren noch skeptisch, wie die 500 geplanten Arbeitsplätze besetzt werden sollen. Zehn Jahre lang wurde in Thüringen keine neuen Bergleute ausgebildet. Erst seit 2010 werden jährlich wieder etwa 20 Schüler in Sondershausen zu Bergbautechnologen ausgebildet.

Schmidt sagte MDR THÜRINGEN, dass er nach einem Gespräch mit Südharz Kali ein neues Bergwerk als Perspektive für den Beruf und damit eine nachfolgende Generation von Bergleuten sieht. Auch die IHK reagierte erfreut auf das Ergebnis. "Im Wettbewerb der Regionen braucht Thüringen Industrie und attraktive Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Die Ansiedlung kann dazu einen Beitrag leisten", sagte Cornelia Haase-Lerch, Hauptgeschäftsführerin der IHK Erfurt.

Im Wettbewerb der Regionen braucht Thüringen Industrie und attraktive Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Die Ansiedlung kann dazu einen Beitrag leisten

Cornelia Haase-Lerch Hauptgeschäftsführerin der IHK Erfurt

Cornelia Haase-Lerch
Cornelia Haase-Lerch, Hauptgeschäftsführerin der IHK Erfurt unterstützt die Pläne für das neue Kali-Bergwerk im Eichsfeld. (Archivbild) Bildrechte: Marcel Krummrich

Gutes Zeichen für Investor Südharz-Kali

Am meisten freute sich vermutlich der Investor Südharz Kali über das Ergebnis der Raumverträglichkeitsprüfung durch das Landesverwaltungsamt. Das Unternehmen ist eine einhundertprozentige Tochter des australischen Unternehmens South Harz Potash Limited. Die Verwaltungsmitglieder waren überwiegend im Finanzbereich tätig: Projektentwicklung, Beschaffung von Eigenkapital, Aktienberatung, Finanzdienstleistungsbranche. Das sind die Stichworte, mit denen sich die Unternehmensführung beschreiben lässt.

Auf der Website der Firma wird auch erklärt, warum es sich lohnt in den Kalibergbau in Thüringen zu investieren. Eine Aktie ist derzeit 0,7 Cent wert. Der bisher höchste Kurs lag bei etwa 18 Cent.

Bürgerinitiative befürchtet Rendite auf Kosten der Region

Wolfgang Barthel von der Bürgerinitiative Eichsfeld-Wipperaue kennt diese ganzen Zahlen. Für ihn ist klar: "Südharz Kali und die Anleger sehen hier nur die Rendite. Hier wird spekuliert. Denen ist egal, was mit der Natur und den Menschen vor Ort passiert." Er verfolgt die Schritte des Unternehmens genau.

Die Geschäftsführerin Babette Winter war von 2014 bis 2020 Thüringer Staatssekretärin für Europa. Zuvor leitete sie das Referat für Umweltpolitik im Thüringer Umweltministerium. Jetzt treibt sie das geplante Bergwerk in Nordthüringen voran. Aus dem Finanzbericht der South Harz Potash für das Jahr 2023 geht hervor, dass sie nun in dem Unternehmen jährlich 281.979 Dollar verdient, plus Aktien.

Neue Eichsfeld-Landrätin wird Stellung beziehen müssen

Die Landkreise Nordhausen und Eichsfeld hatte Bedenken in ihren Stellungnahmen geäußert. Zum ersten Juli wird die neue Landrätin Marion Frant (CDU) ihr Amt antreten. Es bleibt abzuwarten, wie sie mit dem Thema umgehen wird. Im Wahlkampf äußerte sie sich noch diplomatisch.

Sie sehe zwar großes Potenzial, aber auch genügend Bedenken. Man dürfe die Bürgerinitiative und die vorliegenden Unterschriften nicht außen vorlassen. Sie plädierte für eine faire Kommunikation und sachliche Argumentation.

Eine Frau mit Brille und kurzen Haaren hat die Arme verschränkt.
Marion Frant (CDU) ist frisch-gewählte Landrätin des Eichsfeldkreises. Bildrechte: Marion Frant

Endgültige Genehmigung für Bergwerk-Bau steht noch aus

Für Investor Südharz Kali steht nun der nächste Schritt an: das bergrechtliche Genehmigungs­verfahren. Dann wird genauer geprüft, ob das geplante Bergwerk tatsächlich gebaut werden kann.

Die Bürgerinitiative um Wolfgang Barthel will weiterkämpfen, fair und sachlich: "Wir wollen nicht, dass nur aus reinen Profitinteressen und weil man eine umweltschädliche Industrie ansiedeln will, die Menschen, die Umwelt und die Natur Schaden nehmen. Dagegen werden wir uns weiter stemmen. Dagegen werden wir alles, was wir haben, zivilrechtlich und auch gerichtlich – mit den Verbündeten, die wir haben – ins Feld führen." Die Bürgerinitiative würde notfalls also auch vor Gericht ziehen.

Ein Plakat der Bürgerinitiative, die sich gegen den Bau des Bergwerks einsetzt
Mit Plakaten weist die Bürgerinitiative auf ihren Standpunkt zu den Bergwerksplänen hin. Bildrechte: MDR/Vanessa Clobes

MDR (vcl/jw)

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 21. Juni 2024 | 18:42 Uhr

17 Kommentare

Thomas S. vor 4 Wochen

Von „fair“ und „sachlich“ ist die Bürgerinitiative und ihr Mitstreiter leider meilenweit weg. Mein Eindruck ist, denen geht es wie so oft nur darum, dass der Preis für ihren und unseren Wohlstand nicht vor ihrer Haustür gezahlt wird. Kolumbien, Afrika, China, ganz egal, - nur nicht vor der Haustür des deutschen Michels. Das bestätigt sich leider einmal mehr in den Kommentaren.

Green engineering vor 4 Wochen

Ein Blick ins Boris TH zeigt mir, dass der Schacht Bernterode in seiner Nutzungsart eindeutig als Industriegebiet gekennzeichnet ist. Da sollten sich die Leute nicht wundern, wenn sich da dann auch Industrie ansammelt. Die sollten froh sein, dass sich da überhaupt Leute finden die dort investieren wollen, natürlich mit dem Hintergedanken von Profiten. 25 Jahre nach der Wende müssten die ja mal verstanden haben, dass wir im Kapitalismus angekommen sind. Aber selbst zu DDR Zeiten wäre es nicht anders gelaufen. Ganz im Gegnteil, da hätten die denen das Ding vor die Nase gesetzt ohne einmal nachzufragen und ohne jegliche Umweltprüfung zu machen. Das ist einfach dieses typische Mimimi von den Thüringer Rentnern. Das die Bevölkerung hier eh schon total überaltert und es bald mehr Rentner und Pflegebedürftige gibt als Arbeitnehmer wird auch gekonnt ignoriert.

bmw-20 vor 4 Wochen

Zuerst muss ich mal sagen, jeder sollte mal nach Heringen (Werra) fahren und sich angucken, dass eine ganze Straße die in der Nähe von K+S ist , komplett leer steht. Warum wohl? So wird es auch in Bernterode kommen. Man regt sich auf ,dass es so viele Pendler gibt im Eichsfeld. Die gibt es aber nicht, weil es zu wenig Arbeitsplätze im Eichsfeld gibt, sondern weil es immernoch den Ost-und Westtarif gibt! Deshalb fährt der Eichsfelder auch mal in den Westen zum Arbeiten! Und die Menschen die vor Ort wohnen und durch Lärm, usw.in ihrer Lebensqualität eingeschränkt werden, bleiben dann auch nicht mehr dort wohnen. Wer rückt nach? Die Kinder oder Enkelkinder die mit ihren Eltern dann weg ziehen?
Es werden jetzt schon Produktionsarbeiter gesucht die im Eichsfeld aus dem Ausland bezogen werden, wir haben also genug Arbeitsplätze im Eichsfeld für jedermann!! Des Weiteren bin ich der Meinung das der Salzabbau durch K+S völlig ausreicht in Thüringen.

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