Eine Frau zeigt einer anderen Frau etwas auf einer Landkarte.
Babette Winter (li.) bei einer Bürgerveranstaltung über das Projekt im Oktober 2023 Bildrechte: MDR/ Marie-Theres Engemann

Südharz Kali Möglicher Kali-Bergbau im Eichsfeld: Das sind die weiteren Pläne und aktuellen Probleme

30. Dezember 2023, 07:31 Uhr

Die Firma Südharz Kali will den Bergbau im Eichsfeld wiederbeleben. Seit zwei Jahren macht das Unternehmen mit seinem Vorhaben in der traditionsreichen Bergbauregion von sich reden. Wo das Projekt Ende 2023 steht und welche Herausforderungen einer Wiederbelebung des Kali-Bergbaus entgegenstehen, hat MDR THÜRINGEN-Reporter Armin Kung die Geschäftsführerin der Südharz Kali GmbH, Babette Winter, gefragt.

Frau Winter, die Firma Südharz-Kali will den Bergbau im Eichsfeld wiederbeleben. Welche Schritte sind sie im Jahr 2023 dafür gegangen?

Im Jahr 2023 haben wir definitiv bedeutende Fortschritte erzielt. Die zwei Hauptpunkte, die für mich zentral stehen, betreffen erstens alles rund um das Raumordnungsverfahren. Hier geht es zunächst im Genehmigungsprozess darum, in Abstimmung mit der Raumordnungsbehörde zu prüfen, ob der von uns ausgewählte Standort in Bernterode im Eichsfeld geeignet ist.

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Der zweite Punkt betrifft den Aufbau unseres Büros im Eichsfeld, in der Nähe von Bischofferode. Dort haben wir einen Standort geschaffen, der es uns ermöglicht, in Kontakt mit den Menschen vor Ort zu treten, einschließlich der örtlichen Behörden und zum Beispiel des Wasserverbands.

Im Genehmigungsverfahren gibt es zwei Ansätze, die auch etwas mit einem zukünftigen Standort zu tun haben. Einmal den "Brownfield-Ansatz" und einmal einen "Greenfield-Ansatz". Bitte erläutern Sie das.

Zu Beginn des Jahres 2023 hatten wir uns erneut zwei grundlegend verschiedene Standortoptionen vorgenommen. Zunächst das sogenannte "Greenfield", ein Begriff, der international genutzt wird und im Wesentlichen einen Standort auf der "grünen Wiese" bezeichnet. Wir haben uns für nördlich von Haynrode entschieden, wo es um eine komplett neue Schachtabteufung auf einer ungenutzten Fläche ohne bestehende Infrastruktur geht.

Die zweite Option ist der "Brownfield-Ansatz", ein Begriff, der keine direkte deutsche Entsprechung hat. Er bezeichnet die Nutzung bereits vorhandener Infrastruktur. Konkret haben wir auch von regionalen Akteuren Vorschläge erhalten, existierende Schächte zu nutzen. Inzwischen konnten wir mit dem Nachbarunternehmen Deusa eine Absichtserklärung erreichen und führen gute Gespräche über die Nutzung eines der bestehenden, offenen Schächte. Dies wäre am Standort Bernterode, östlich unseres Lizenzgebiets, wobei ein Zugang in etwa 1.000 Meter Entfernung untertägig möglich wäre.

Dies hat den Vorteil, dass keine neuen Schächte abgeteuft werden müssen und bestehende, fast 100 Jahre alte Schächte genutzt werden. Zudem wird dadurch keine landwirtschaftliche Fläche verbraucht oder versiegelt, sondern eine bereits industriell genutzte Fläche verwendet. Das ist aus Umwelt- und Nachhaltigkeitsgründen vorteilhaft. Daher bevorzugen wir den Brownfield-Ansatz. Mit diesem Favoriten haben wir die Raumordnungsunterlagen bei der Behörde eingereicht.

Könnte Südharz-Kali den Schacht in Bernterode einfach wiederbeleben?

Das Unternehmen Deusa, dem zwei Schächte in Bernterode gehören, nutzt die Schächte für die Abfallverbringung. Die sind für das Alter in einem recht guten Zustand. Natürlich werden wir noch investieren müssen. Wir würden diese ja wieder für eine volle Produktion nutzen. Man hätte einen untertägigen Zugang auf nur etwa 400 Meter, weil diese Schächte nach unten versiegelt wurden, weil darunter ein Wassereinbruch war. Aber trotzdem ist man dann untertägig und kann eine Durchörterung zu unserem Feld machen. Die Schächte sind im Prinzip nutzbar.

Durcherörtern meint, sie würden sich unter Tage durcharbeiten zu ihrem eigentlichen Kalifeld?

Richtig. Wir würden uns durch die Salzlagerstätte durcharbeiten zu unserem Feld und dann dort abbauen. Dann über einen bestehenden Schacht in Bernterode das Material hochbringen. Übertägig auf einer industriell vorgeprägten Fläche die ganzen Anlagen bauen und das Rohsalz lösen. Diese Lösung würde dann über eine Pipeline gepumpt. Das ist unser Ansatz.

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Die Lösung würde zu einer Fläche am Bahnhof Bernterode gelangen, wo wir dann das Produkt aus der Salzlösung herstellen. Zudem hätten wir die Möglichkeit, einen Bahnanschluss zu bauen. Wir haben ein Millionen Tonnen Produkt - und die wollen wir nicht per Lkw wegschaffen, sondern wie es ja auch unter Umweltaspekten, aber auch wirtschaftlichen Aspekten besser ist, den Löwenanteil per Bahn transportieren.

Im Dezember hatte Südharz-Kali angekündigt, dass das Unternehmen nun ins Raumordnungsverfahren geht. Was beinhaltet dieser Schritt?

Bevor man den die gesamte Betriebsgenehmigung beantragt, ist es bei so einem großen Vorhaben notwendig, eine sogenannte Raumverträglichkeitsprüfung zu beantragen. Da ist die federführende Behörde das Thüringer Landesverwaltungsamt mit Sitz in Weimar. Wir haben im Sommer und Herbst schon erste Anhörungen zu diesem Verfahren gehabt, mit sogenannten Trägern öffentlicher Belange. Das sind Behörden, das sind Kommunen, das sind Wasserversorger, Gasversorger, Deutsche Bahn, aber auch die Umweltverbände, die erste Stellungnahmen abgeben konnten.

Auf Basis dieser Stellungnahmen haben wir die Unterlagen fertiggestellt. Da geht es vorerst um die Sachen, die an der Oberfläche passieren. Also die zig Hektar, die wir über Tage brauchen werden: die Standorte, die wir uns überlegt haben, was wir bauen wollen, wie viel Verkehr fließen wird, wie viel Lärm es geben könnte und vor allem die Flächenversiegelung und die Höhe der Gebäude. Das alles steht in unseren Unterlagen und das Landesverwaltungsamt prüft, ob das raumverträglich ist.

Es gibt für Nordthüringen einen Regionalplan, da sind bestimmte Sachen geregelt. Was sind Freiflächen, was sind landwirtschaftliche Flächen, was sind Flächen für Frischluftentstehung, Naturschutz und, und, und.

Nun prüft die Behörde mit unseren Unterlagen, ob unser Vorhaben, unser Kaliwerk, dort hineinpasst. Da werden auch nochmal die Träger öffentlicher Belange angehört. Aber auch alle Bürger können die Unterlagen einsehen. Es wird eine Frist der Behörde geben, bis wann Stellungnahmen eingereicht werden können und dann wägt die Behörde ab.

Welche Bedenken und Einwände hat es denn bereits gegeben?

Was wir auch erwartet haben. Alles rund um Lärm und Verkehr. Also wie viel per Lkw transportiert wird, was auf die Bahn geht und ähnliches.

Zweitens zum Thema Flächenverbrauch. Also welche Flächen sollten wir bevorzugt nutzen und welche Flächen nicht. Natürlich sind Naturschutzflächen außen vor.

Und der dritte große Punkt, sowohl von den Behörden als auch von Verbänden, dreht sich rund um das Thema Wasser. Also wie viel Wasser werden wir verbrauchen? Haben wir Abwasser? Das liegt natürlich daran, dass Kali bisher aus der Geschichte heraus viel Wasser verbrauchte und man diese Salzlauge als Abwasser hat.

Babette Winter
Babette Winter war bis 2020 Staatssekretärin für Kultur und Europa in der Thüringer Staatskanzlei.  Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Martin Schutt

Wir haben den großen Vorteil, wir werden keine salzhaltigen Abwässer haben, die wir irgendwo in Gewässer ableiten müssen. Und damit können wir die Hauptsorge, die die meisten hatten, sehr gut adressieren. Wir brauchen das salzhaltige Wasser für den Produktionsprozess und für die Rückverfüllung von Reststoffen unter Tage. Wir wollen keine dauerhafte Halde haben und deshalb bringen wir ja die Reststoffe wieder nach Untertage.

Wasser muss ein großes Thema bei den Einwänden sein. Selbst in Bischofferode sind salzige Abwässer der Halde wieder ein Thema geworden, weil sinkende Flusspegel die Salzkonzentrationen erhöhen…

Wasser ist tatsächlich eines der Hauptthemen bei den Stellungnahmen, neben Verkehr und Lärm. Ich denke, wir haben die Bedenken gut beantwortet in unseren Antragsunterlagen. Aber das werden wir sehen, wenn nun die zweite Runde von Öffentlichkeitsbeteiligung folgt. Die Behörde muss abwägen, ob sie uns noch Auflagen erteilt.

Die Raumordnung ist der erste Schritt, der für uns sehr wichtig ist, auch als Signal an unsere Investoren. Ist unser Vorhaben grundsätzlich genehmigungsfähig? Das ist, was die Raumordnung sagt. Das ist natürlich noch keine Betriebsgenehmigung. Aber sie sagt, ob es an diesem Standort gegebenenfalls auch unter Auflagen grundsätzlich denkbar und genehmigungsfähig wäre. Im zweiten Schritt werden wir vor allem 2024 die Unterlagen für das eigentliche Planfeststellungsverfahren vorbereiten. Die federführende Behörde hier ist die obere Bergbehörde in Thüringen.

Der Erfolg von Südharz Kali hängt auch von den Weltmarktpreisen für Kali ab. Die waren durch den Ukraine-Krieg und Russland stark gestiegen, weil das große Kali-Produzenten sind. Nun sind die Kali-Preise in diesem Sommer stark gefallen. Können fallenden Preise das Projekt noch gefährden?

Unser Projekt ist sehr langfristig angelehnt. Bergbau ist nichts für das kurzfristige Geschäft. Sie haben vollkommen recht. Die Kali-Preise sind im Jahr 2022 auf ein Allzeithoch gestiegen und im Vergleich dazu sind sie 2023 wieder stark gefallen. Wir haben aber in unserem Vorhaben nie mit diesen sehr hohen Preisen kalkuliert. Es war immer klar, das ist ein Sondereffekt, geopolitisch durch den Krieg und die Sanktionspolitik und das wird dauerhaft nicht so hoch bleiben.

Mittelfristig denken wir, dass der Kali-Preis wieder steigen wird, immer mal schwankend. Das war auch in den vergangenen Jahrzehnten so. Der Preis ist immer mal etwas höher, dann ging er wieder runter. Wichtig für unsere Investoren ist, dass er mittel- und langfristig stabil bleibt und eher steigt, als dauerhaft sinkt. Und dann ist unser Projekt wirtschaftlich.

Für die Wirtschaftlichkeit sind auch die Energiepreise entscheidend. Haben die gestiegenen Preise Einfluss auf Ihre Kalkulation?

Ganz sicher haben die gestiegenen Energiepreise einen großen Effekt auf unsere Wirtschaftlichkeitsberechnung. Das gilt, glaube ich, für jedes Industrievorhaben, das energieintensiv ist. Und die Produktion von Kali-Dünger ist energieintensiv. Wir haben auch aus Umweltgründen entschieden, die Aufbereitungsprozesse so weit wie möglich elektrisch durchzuführen und nur wenig Erdgas zu nutzen.

Es ist natürlich eine Herausforderung, den längerfristigen zukünftigen Strompreis abzuschätzen. Das ist auf jeden Fall ein Risiko für unser Vorhaben, weil die Energiepreise einen großen Anteil an den Gesamtkosten ausmachen. Das gilt ja generell für den Standort Deutschland. Auch in unseren internationalen Gesprächen mit Investoren, die vor allem aus Australien sind, blickt man auf Deutschland einmal zum Thema Energiepreise.

Das zweite große Thema ist aber das Genehmigungsverfahren. Also das Image von Deutschland ist folgendes: toller Standort, Infrastruktur ist vorhanden, sichere Gesetzgebung. Alles, was in anderen Staaten im Bergbau Risiken sind, ist in Deutschland kein Problem. Es gibt gute Ausbildungsstätten, es gibt gute Universitäten und die duale Ausbildung. Das große Aber ist tatsächlich immer, ob Deutschland Industrievorhaben überhaupt noch genehmigt. Ist das überhaupt noch gewollt? Die Deutschen brauchen für ihre Genehmigungsverfahren so lange - das ist das Image. Das ist die andere Seite.

Wie viele Menschen könnten denn hypothetisch durch Südharz Kali einen Arbeitsplatz finden?

Es könnten 300 bis 500 direkte Arbeitsplätze bei Südharz Kali entstehen. Hinzu kommen einige hundert indirekte Arbeitsplätze bei anderen, umliegenden Wirtschaftszweigen. Genauer kann ich das im Moment nicht sagen, weil das vom Standort und der technischen Ausstattung abhängt. Heute wird mehr automatisiert, es sind nicht mehr die tausenden Arbeitsplätze, die es früher waren. Aber durch unser Vorhaben würden natürlich zusätzlich Arbeitsplätze entstehen.

Wie groß ist Ihre persönliche Hoffnung, dass das Vorhaben Wiederbelebung des Bergbaus im Eichsfeld tatsächlich funktioniert?

Also mein Optimismus ist ungebrochen und meine Hoffnung ist eher noch gestiegen. Mit jedem Jahr, das wir voranschreiten und konkreter werden, sowohl in den technischen Planungen als auch im Genehmigungsverfahren, desto wahrscheinlicher wird das Projekt.

Es gibt aber noch viele Unsicherheiten und eine Garantie, dass es wirklich klappt, habe ich natürlich nicht. Aber ich bin entschieden optimistisch und voller Energie. Um bis zum Ende des Jahrzehnts die Produktion zu starten, ist noch viel zu tun.

MDR (aku/dr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 30. Dezember 2023 | 09:00 Uhr

4 Kommentare

martin vor 24 Wochen

Bei ehrlicher Betrachtung existierten die meisten der abgewickelten Betriebe ja auch nur noch, weil sie künstlich am Leben erhalten wurden um die nominelle Arbeitslosigkeit niedrig zu halten.

Aber ja, etliche wurden aufgekauft und platt gemacht um unliebsame Konkurrenz loszuwerden bzw. erst gar nicht entstehen zu lassen und um die Kundschaft zu übernehmen.

Thorsten Pfeiffer vor 24 Wochen

Die Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube..
Das wäre aber gegen das Monopol und gegen den Vertrag der in der Th. Staatskanzlei liegt und K+S die unterirdischen Abbaurechte auf Thüringer Vorkommen sichert. Alles vergessen was Hr. Dr. MP der CDU unterschrieben hat?

augu vor 24 Wochen

Ein Interview, das zum Vorhaben doch wesentlich konkretere Punkte liefert. Also kein Salz-Abtransport per LKW und keine Fabrik zur Verarbeitung auf der grünen Wiese und das Endprodukt, das auch nicht nur in kleinen Baumarkt-Tüten verpackt ist, wird per vorhandenen Bahnanschluss abtransportiert. Lagert der Hindenburg-Sarkophag eigentlich noch unten im Schacht Bernterode oder ist die Geschichte reine Legende? Was sagt eigentlich K+S zu dem ganzen Vorhaben und warum lassen sie einem australischem Unternehmen den Vortritt?

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