Umwelt Wölfe in Nordthüringen - Landwirt sieht Raubtiere als Bedrohung

Im Südharz gibt es mehr Wölfe als bisher gedacht. Erst im August hatte das Umweltministerium zwei Wolfswelpen in der Region Nordhausen gezählt. Nun kam die Korrektur: Ein Wolfspaar hat vier Jungtiere großgezogen. Wie reagiert ein Landwirt, der in der Region Schafe züchtet?

Wolf auf Waldweg
Seit 2014 ist der Wolf wieder in Thüringen heimisch. (Symbolbild) Bildrechte: Wolfskompetenzzentrum Iden

Kai Liebig hat etwas, von dem jedes Landraubtier träumt: eine umzäunte Wiese, auf der blökende Beute eingeschlossen ist. Wer einmal drin ist, kann sich satt fressen. Und das machen Wölfe auch, sagt Landwirt Liebig: "Wölfe sind bekannt dafür, dass sie nicht nur ein Schaf im Gehege reißen oder nur fressen bis sie satt sind. Haben sie Beute vor Augen, fressen sie auf Vorrat weit über den Hunger hinaus."

Wolf als Gefahr fürs Geschäft

Ein Blutbad unter seinen Schafen würde Liebigs Geschäft massiv schaden. Er betreibt die bei Südharz-Touristen beliebte Ziegenalm in Sophienhof. Eine Gaststätte, ein Hofladen, Gehege für Damwild, Ziegen oder Schafe und ein Stempelkasten für Wanderer. Er verkauft Käse, Fleisch und Eier von seinem Hof. Der Wolf ist für ihn eine wirtschaftliche Bedrohung.

"Als Landwirt hier oben kann ich ausschließlich Grünland bewirtschaften. Ich kann nicht einfach auf Weizen umstellen. Grünland lässt sich nur über Wiederkäuer oder Pferde verwerten", sagt Liebig.

Schafe bleiben nachts auf der Koppel

Die einhundert Ziegen auf der Alm sind weniger in Gefahr als die achtzig Mutterschafe. Denn die Ziegen verschwinden am Abend im Stall. Die Schafe und Lämmer lebten bisher auf einer sechs Hektar großen Koppel, fest eingezäunt. Durch den Wolf steige Liebigs Arbeitsaufwand enorm: "Ich habe Elektrozäune für nur einen Dreiviertelhektar. Das bedeutet, ich muss die Zaunanlage alle paar Tage komplett ab- und aufbauen, damit die Schafe weiterziehen können und an frisches Futter kommen."

Falls es zu Wolfsrissen bei seinen Schafen komme, will der Landwirt aus der Schafzucht aussteigen. Stattdessen wolle er auf Rinder wechseln. Die Tiere seien größer und damit widerständiger gegenüber Raubtieren. "Damit ist das Problem auch nur zum Teil beseitigt. Kälber wurden auch angegriffen."

Wolf unterm Balkon im Kreis Nordhausen

Bisher hat sich der Wolf seinen Tieren nicht genähert, dafür aber dem Haus des Landwirts. Im März 2021 stand mutmaßlich ein Tier unter dem Balkon der Familie. Liebig machte ein Foto und schickte es dem Land. Das Tier sei scheu gewesen. Es floh in den Wald als es die Menschen bemerkte.

Luchse jagen anders als Wölfe

Der Wolf ist nicht das einzige Raubtier nahe der Ziegenalm. Auch der Luchs hatte es bereits auf Liebigs Tiere abgesehen. Bisher gab es drei Luchsrisse beim Damwild. Im Gegensatz zum Wolf ist der Luchs aber ein Lauerjäger. Er wartet bis ein Tier nah genug ist und attackiert es. "Wenn das Damwild aber entkommen kann und etwas Distanz zum Luchs aufgebaut hat, verschwindet das Tier vorerst wieder. Der Wolf dagegen dreht seine Runden im Gehege, bis er genug hat", sagt Liebig.

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MDR (aku/mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | Nachrichten | 04. Oktober 2022 | 17:30 Uhr

22 Kommentare

Senta Tangerstedt vor 7 Wochen

Nein, das ist IHRE Konsequenz. Naturnahe Gärten und Artenvielfalt profitieren genauso vom "Unkraut" wie die Ökosystme vom Wolf profitieren. Wohin uns die kurzsichtige Denke von Schädlingen und Unkraut geführt hat, sehen wir ja an den Folgen der konventionellen Landwirtschaft: Nitrat-verseuchtes Wasser, pestizidverseuchte Böden, Tierleid in der Nutztierhaltung, Artensterben, Fischsterben, Klimwandel, Dürren, Hunger. Die nachfolgenden Generationen werden es Ihnen danken.

Senta Tangerstedt vor 7 Wochen

Woher wollen ausgerechnet Sie wissen, wie die reale Welt eines Wildtieres aussieht? Der reale Wolf interessiert sich nicht für Menschen. In dem Film geht es um "die Liebesgeschichte zwischen einer Frau und einem Wolf, und das ist auch insofern wörtlich zu nehmen, [...]" und "Man verschlingt sich mit den Augen, es ist Liebe, auf den sichtbar ersten Blick." (Tagesspiegel, 14.04.2016). So ein Käse soll realistisch sein? Klar. Die Frau sperrt den Wolf im Hochhaus ein, ja so stellt sich der Wolfshasser die Realität vor. Ein Interpretationsversuch des Tagesspiegels: " [...] dass die Sache sich fast noch als die stereotyp rachsüchtige Kündigung einer kleinen Angestellten lesen ließe."
Verstehen Sie jetzt, was eine Metapher ist? Wolfs-, Natur und Tierschützer sperren wilde Wölfe nicht in Wohnhäusern ein und führen auch keine "Liebesbeziehungen". Aber Ihr persönliches Kopfkino und Ihre Phantasie scheint der Film ja mächtig beeindruckt zu haben. Vielleicht Ihre verborgenen Sehnsüchte?

astrodon vor 7 Wochen

@Knobi: Was ich nicht Ernst nehme sind Aussagen ohne konkrete Zahlen, wann wieviele Menschen wo gelebt haben. Was Sie hier anbringen ist somit substanzlos. Bereits Anfang des 19.Jh. waren es mehr Menschen als die von Ihnen angeführten. Und Fläche steht in Relation zur Bevölkerung, daher die Bezugsgröße der Bevölkerungsdichte.

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