Angesprochen - Ausgesprochen Ernste Finanz-Sorgen: Krankenhäuser benötigen Unterstützung

21. Januar 2023, 05:00 Uhr

Die finanzielle Lage an Krankenhäusern in Deutschland ist kritisch. Einzelnen Abteilungen, aber auch ganzen Häusern droht das aus. Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden, sagt Gundula Werner, Vizepräsidentin der Deutschen Krankenhausgesellschaft und Geschäftsführerin des Klinikums Altenburger Land.

Mehr als die Hälfte aller Krankenhäuser in Deutschland steckt nach eigenen Angaben in finanziellen Schwierigkeiten. Selbst wenn in den mitteldeutschen Ländern die Lage durch die Strukturbereinigungen der vergangenen Jahre vergleichsweise besser sei als im Bundesdurchschnitt: Auch hier sei zu befürchten, dass Abteilungen oder Kliniken geschlossen würden, sagt Gundula Werner, Vizepräsidentin der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Sie ist gleichzeitig Geschäftsführerin des Klinikums Altenburger Land.

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"Wir haben", sagt Gundula Werner, "eine Entwicklung, die alles bisher Dagewesene schon ein Stück in den Schatten stellt". Inflation und Energiepreisentwicklung hätten ein Ausmaß erreicht, dass es so in den Vorjahren nicht gegeben habe. Für die höheren Kosten etwa für Lebensmittel oder Wäsche bekämen Krankenhäuser zwar "einen kleinen Teilausgleich" vom Staat. Aber, so Werner, "diese Hilfen werden nicht ausreichen".

Investitionsgelder sind unzureichend

Dabei haben die Krankenhäuser nach eigenen Angaben noch mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen, vor allem mit den Rückgängen an Patientenzahlen.

Krankenhäuser müssen Gewinne selbst erwirtschaften, die Vergütungen sind jedoch staatlich vorgegeben und basieren im Wesentlichen auf zwei Säulen: Die Kosten für die Behandlungen werden von den Krankenkassen über die sogenannten Fallpauschalen finanziert. Diese werden vom Land festgelegt und dürfen jährlich nur um ein bestimmtes Maß steigen. Diesem Anstieg von rund 3,3 Prozent, sagt Werner, stehe eine prognostizierte Inflationsrate von über acht Prozent gegenüber.

Die zweite finanzielle Säule sind die Investionsgelder, die üblicherweise vom Land kommen. Idealerweise, sagt Gundula Werner, sollten sie kommen, doch seit Jahrzehnten seien sie unzureichend. Krankenhäuser aber müssen investieren. Wenn die Landesmittel ausbleiben, müssen die Gelder aus den Betriebseinnahmen abgezweigt werden.

Besonders ländliche Regionen betroffen

Rund drei Milliarden Euro mehr im Jahr wünschen sich die Krankenhäuser in Deutschland aus öffentlicher Hand. In Thüringen bekämen die Einrichtungen gegenwärtig ungefähr 70 Millionen. Zu wenig, sagt Werner, "wir würden 200 brauchen".

Besonders betroffen von finanziellen Sorgen seien Einrichtungen in ländlichen Regionen wie etwa im Thüringer Wald. Und hier vor allem Abteilungen, deren medizinische Fachrichtungen im Vergleich zu anderen ohnehin schlechter finanziert würden.

Geburtshilfe ist größtes Sorgenkind

Kreißsäle etwa, die zu wenig Geburten abrechnen könnten, oder auch die Kinderheilkunde seien schlecht finanziert. Mit der Folge, dass es Krankenhausträgern zunehmend schwer falle, diese Fachabteilungen nicht nur wirtschaftlich zu führen, sondern überhaupt am Leben zu erhalten. "Und dann kommt natürlich so ein kleines Krankenhaus mit einer Geburtshilfe in Schwierigkeiten".

Wenn sich ein Träger zur Aufgabe der Abteilung entschließe, habe das "schlimme Folgen" für die Versorgung der Menschen. Immerhin, sagt Gundula Werner, gebe es mittlerweile Zeichen von der Regierung, besonders in der Geburtshilfe und der Kinderheilkunde die Vergütung nachzubessern: "Wir erwarten uns davon Hilfe und sind gespannt, wie die im Einzelnen aussehen wird."

Personalmangel abfedern, Bürokratie abbauen

Zu den Sorgen komme auch wie überall in der Gesellschaft der permanente Personalmangel. "Wir müssen überlegen, als Krankenhaus, wie wir unseren Versorgungsauftrag auch mit weniger Personal erfüllen können, sprich, welche Maßnahmen dafür erforderlich sind", sagt Werner.

Ein Arzt verbringe heute ein Drittel seiner Arbeitszeit mit Dokumentation. Da wäre noch viel Luft, um ihn zu entlasten und Ärzten mehr Zeit am Patienten zu ermöglichen. "Also die Entlastung von Bürokratie ist eine wichtige Forderung, die wir als Krankenhäuser an die Politik haben. Das würde sehr viel helfen.”

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Gundula Werner erklärt, dass medizinischen Fachbereichen wie der Geburtshilfe an kleineren Krankenhäusern das Aus droht, da sie grundsätzlich unterfinanziert sind.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Morgen | 21. Januar 2023 | 06:10 Uhr

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