Solarenergie "Balkonkraftwerke": Jena fördert Fotovoltaik-Anlagen für zu Hause

Etwas Sonnenenergie in den eigenen Haushalt umzuleiten, ist mit kleinen Solaranlagen am Balkon möglich. Für solche direkt anschließbaren Stromerzeuger können Jenaer jetzt Geld von der Stadt dazubekommen. Das ist erstmals in Thüringen möglich.

Arbeiter montieren Solarpanele an einem Balkon in Seoul (Südkorea) neben einer Klimaanlage.
So können diese "Balkonkraftwerke" aussehen, die bis zu einer Leistung von 600 Watt keine Anmeldung erfordern. Bildrechte: dpa

Als erste Kommune in Thüringen hat die Stadt Jena jetzt ein Förderprogramm für Fotovoltaik-Anlagen auf den Weg gebracht. Mit insgesamt 100.000 Euro bezuschusst die Stadt ab 2. November kleine steckerfertige Anlagen bis 600 Watt Leistung, bekannt auch als "Balkonkraftwerke". Sie können problemlos ans heimische Stromnetz angeschlossen werden.

Mehr Förderung bei wenig Einkommen

Wie Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) sagte, bekommen so auch Mieter die Möglichkeit, die eigenen Energiekosten zu senken und etwas für die Umwelt zu tun. Das Besondere an dem Jenaer Programm sei die soziale Staffelung. In zwei Fördertöpfen finden sich jeweils 50.000 Euro. Die jeweilige Förderquote richtet sich, entsprechend den Vorgaben, nach der Bedürftigkeit des Antragstellers.

Zugrunde liegen Anschaffungskosten für ein solches "Balkonkraftwerk" von 800 Euro. Laut Standardfördersatz bekommt der Antragsteller dann 25 Prozent davon - maximal 200 Euro - erstattet. Sehr viel höher liegt die Förderquote bei Menschen, die Sozialhilfe, Arbeitslosengeld, Wohngeld oder Bafög beziehen. Sie erhalten 75 Prozent der Anschaffungskosten zurück, wobei der Förderhöchstsatz hier 600 Euro beträgt.

Energieverbrauch eines Kühlschrankes einsparbar

Bürgermeister und Stadtentwicklungsdezernent Christian Gerlitz (SPD) nannten das Förderprogramm einen wichtigen Baustein des Energie-Einsparprogramms der Stadt.

Anders als große Fotovoltaik-Anlagen seien solche steckerfertigen Kleinanlagen momentan ohne Lieferschwierigkeiten verfügbar und auch unkompliziert anwendbar: Den Schuko-Stecker in die Steckdose und ein Teil des eigenen Strombedarfs werde durch Sonnenenergie erzeugt. Laut Gerlitz lassen sich so 600 bis 800 Kilowattstunden pro Jahr einsparen. Das entspräche dem Energieverbrauch eines Kühlschranks.

Mini-Solaranlage  auf dem Balkon eines Mietshauses
Noch eine mögliche Gestaltungsvariante für eine Solarstromquelle am Balkon. Bildrechte: IMAGO / Robert Poorten

Derartige Fotovoltaik-Anlagen können nicht nur an Balkonen installiert werden, sondern auch auf Dächern, Garagen oder im Garten. Gerlitz rechnet mit großem Zuspruch für das neue Förderprogramm, zumal das Antragsverfahren einfach und unbürokratisch sei.

Anträge können über ein Online-Formular oder über ein PDF-Formular gestellt werden. Außer Angaben zum Antragsteller, zum Eigentumsverhältnis, zum Gebäude und der Bankverbindung muss auch ein Foto eingereicht werden. Es soll zeigen, wo die Anlage installiert werden soll.

Deutschlands größtes Solarstrom-Projekt auf einer zusammenhängenden Wohnanlage ist auf den Flachdächern des Plattenbau-Komplexes Gelbes Viertel in Berlin-Lichtenberg zu sehen
Ab 22 Meter Höhe Genehmigungsverfahren nötig Bildrechte: dpa

Außerdem ist unbedingt zuvor die Zustimmung des Vermieters einzuholen. Alle Informationen und das Antragsformular finden Interessierte ab Mittwoch auf der Internetseite der Stadt unter jena.de/solarstrom.

In Elfgeschossern wird es schwierig mit Balkonkraftwerk

Die Stadt Jena weist darauf hin, dass es für Mieter in Hochhäusern mit einer Höhe über 22 Meter schwieriger wird. Solche Hochhäuser wie die Elfgeschosser in Lobeda oder im Norden von Jena haben eine Sonderstellung. Wenn dort Fotovoltaik-Anlagen installiert werden sollen, schreibt die Thüringer Bauordnung aus Sicherheitsgründen ein Baugenehmigungsverfahren vor. Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Stockwerk des Hochhauses sich die Anlage befinden würde.

Bei einem Baugenehmigungsverfahren müssten insbesondere der Brandschutz überprüft werden. Die Aussichten auf einen positiven Bescheid seien demnach bei den derzeit verfügbaren Anlagen gering.

MDR (csr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 01. November 2022 | 18:00 Uhr

54 Kommentare

Der Pegauer vor 12 Wochen

Und es gibt noch mehr zu beachten. Im Internet gibt es jede Menge Portale, die auf technische und juristische Stolperfallen und Fallstricke hinweisen, die da wären, maximale Leistung, Stromzähler mit Rücklaufsperre und Wechseltrichter-Schutz.
Nicht zu vergessen die rechtliche Aspekte, die man bei einem Balkonkraftwerk beachten muss: Die Zustimmung des Vermieters muss eingeholt werden. Es besteht eine Meldepflicht an die Bundesnetzagentur und eine Anmeldepflicht an den Netzbetreiber. Dann darf das Solarpaneel den oder die Nachbarn nicht durch Reflexionen stören, ansonsten kann dagegen Klage eingereicht werden. Last but not least - meist haben die Vermieter ihre eigenen Vorstellungen über die Fassadengestaltung, wenn zum Beispiel die Farbe und das Material der Balkonumrandung vorgeschrieben und im Mietvertrag verankert ist, kann ich mir schwerlich vorstellen, das man nun von jetzt auf gleich so mir nichts Dir nichts ein Balkonkraftwerk so einfach an der Balkonbrüstung aufhängen darf.

Kleingartenzwerg vor 12 Wochen

Statik, Brandschutz, Unfallschutz zum Beispiel.
Ebenso kann er auch das Anbringen von Antenneanlagen, Verkleidungen, Sonnen und Sichtschutzanlagen beschränken oder untersagen.
Abgesehen davon ist im Aussenbereich eine entsprechend geschützte Steckdose erforderlich und auch sinnvoll.
Das Thema Blitz bzw. Überspannungsschutz wurde ja bereits angesprochen.

Lyn vor 12 Wochen

Wo ist das Problem bei Mini Solaranlagen am Balkon oder einem kleinen Windrad auf dem Dach.
Ich kann keins finden.
Es hat ja auch fast jeder seine eigene Satellitenschüssel. Zumindest bei uns.

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