Wirtschaft Traditionsbetrieb Kahla-Porzellan droht Produktions-Aus

Das Porzellanwerk in Kahla sucht dringend einen neuen Gasversorger. Die Produktion steht auf dem Spiel. Gebraucht wird laut Geschäftsführung eine Versorgungsgarantie, die wenigstens 50 bis 70 Prozent des bisherigen Gasverbrauchs zusichert.

Becherglasieranlage in der Produktionshalle der Kahla Porzellan GmbH, 2015
Die Porzellan-Herstellung in Kahla hat eine lange Tradition. Sie reicht zurück bis ins Jahr 1844. Bildrechte: dpa

Der Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen droht ein Produktionsstopp zum 1. Januar 2023. Der Gasversorger habe dem Unternehmen gekündigt, sagte Geschäftsführer Daniel Jeschonowski. Die Geschäftsbeziehung habe 20 Jahre bestanden und alle Rechnungen seien pünktlich bezahlt worden.

Einen Grund habe der in Hessen ansässige Versorger nicht genannt. Laut Jeschonowski ist es schwierig, bis zum 1. Januar einen neuen Gasversorger zu finden. Es gebe Gespräche.

Ein längerer Produktionsstopp bedeutet laut Jeschonowski das Aus für die Kahlaer Porzellanmanufaktur. Bund und Länder forderte er auf, Unternehmen in solchen Schwierigkeiten zu unterstützen. Gebraucht werde eine Versorgungsgarantie, die wenigstens 50 bis 70 Prozent des bisherigen Gasverbrauchs zusichert. Laut Jeschonowski hat die Manufaktur bereits ein Drittel des Energieverbrauchs bei gleicher Produktion eingespart.

150 Mitarbeiter im Porzellanwerk in Kahla

Die Ursprünge der Porzellanmanufaktur in Kahla gehen bis ins Jahr 1844 zurück. Die Kahla/Thüringen Porzellan GmbH hatte im März 2020 Insolvenz anmelden müssen, nachdem ein Großauftrag geplatzt war. Als Konsequenz wurden Stellen abgebaut und das Werk an Jeschonowski verkauft. Seit September 2020 firmiert das Ostthüringer Unternehmen unter Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen GmbH. Die Zahl der Kahla-Beschäftigten sank von einst 250 auf aktuell etwa 150.

Vor einigen Wochen hatte bereits das Traditionsunternehmen Eschenbach-Porzellan in Triptis (Saale-Orla-Kreis) angekündigt, zum Jahresende zu schließen. Auch hier seien die gestiegenen Gaspreise der Grund. Statt um die 860.000 Euro müsste Eschenbach-Porzellan im kommenden Jahr etwa 5,5 Millionen Euro für das Gas bezahlen, das in den Brennöfen zum Einsatz kommt, hieß es aus dem Unternehmen. Das entspricht der sechsfachen Summe. Die Verkaufspreise müssten demnach um 100 Prozent angehoben werden.

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MDR (mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 06. Oktober 2022 | 20:00 Uhr

189 Kommentare

Horst vor 8 Wochen

Eigentlich nicht. Es gab sicherlich gute Jahre, aber der Großteil dürfte sicherlich schwierig gewesen sein. So wie in der gesamten Branche. Besonders die Konkurrenz aus Asien, aber auch Personal und Energiekosten waren die Gründe.

DER Beobachter vor 8 Wochen

3.Teil: Kahla ist ja übrigens nicht das einzige auch hier im Kommentarteil unterstützte Unternehmen, das zwar gern auf seine altdeutsche Tradition und altdeutschen Erfindergeist verweist, andererseits eben den, wie sich nun zeigt, Billig-Hype des Outsourcens elementar eigenproduktionswichtiger, eigentlich selbst anfallender Ressourcen mitgeht. Beispiel hier beim MDR waren die Thüringer Brauereien, die den Wegfall von zugeliefertem CO2 eines gewissen Unternehmens beklagten, obwohl er bei ihnen selbst anfällt und eben in den Zeiten des deutschen Erfindergeists logisch genutzt wurde. Wer sie rettete, waren übrigens westdeutsche Brauereiunternehmen, die genau dieses Prinzip selbst anfallender Überschüsse nutzen und nun sogar exportieren konnten, und nicht das gewisse R-Gas-abhängige ostdeutsche Chemieunternehmen, das jammert und dessen Jammerei hier einschlägig bemüht wird...

DER Beobachter vor 8 Wochen

Teil 2: Konsumgüterindustr. wurde ja spät. mit Goebbels "Wollt ihr den totalen Krieg" ohnehin prakt. eingestellt, die Männer aus nicht kriegswirtsch. bedeuts. Zweigen waren schon längst an Front... Meine persönli. Vermutung ist, dass das Unternehmen an Testung von Porzellanminen beteiligt war (wie Glasminen, setzte sich aber nicht so durch: billige einheim. Rohstoffe und Prod. anstatt des sonst rüstungsnö. Metalls, zudem nicht durch Detektor ortbar, aber trotzdem bösartigste Splitterverletzungen hervorrufend...). Wie auch immer ist der Rumpf von SMAD 45 übernommen und49 als VEB übergeben worden. Im VEB-Verband wieder auch mit Industrieporzellan verbunden und dann neben billigen hiesigen Eigenbedarf (war ja kein "Meißner") billig in 30 Ost- und Westländer verscherbelt. Man kennt und kritisiert das ostdeutsche Verscherbelungsprinzip ja eigentlich (völlig zu Recht), auch wenn mans in der Szene in den heutigen Realitäten gern vergisst...

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