Selbsthilfe Den Kostenfaktor weggeschlagen: Wie Remptendorf seine Kirchenfassade erneuerte

Marian Riedel
Bildrechte: MDR/Karina Heßland

Die Kirchgemeinde Remptendorf im Saale-Orla-Kreis hatte nicht das Geld, um ihre alte Kirchenfassade zu renovieren. Viele Menschen aus dem Dorf haben deshalb angepackt und so 20.000 Euro für die Gemeinde eingespart. Gemeinsam Putz abzustemmen und Arbeitseinsätze zu leisten, hat Kirchgänger und andere Gemeindemitglieder enger zusammengebracht.

Menschen stehen auf der Empore und feiern einen Gottesdienst.
Menschen aus Remptendorf feiern im Inneren der Evangelischen Kirche St. Simon und Judas die abgeschlossene Renovierung. Bildrechte: MDR/ Marian Riedel

Pastorin Antje Boelter bringt am Sonntag mitten im Gottesdienst ihren Rollkoffer vor den Altar, packt ein paar Sachen aus und verwickelt ihren Ehemann, Pfarrer Tillmann Boelter, in ein Gespräch: Ob es nicht an der Zeit wäre, sich ein neues Kleid zu leisten, fragt sie.

Die Fassade der Kirche in Remptendorf.
20.000 Euro konnte die Gemeinde einsparen durch die Eigenleistung. Bildrechte: MDR/ Marian Riedel

Die Kirchgemeinde lacht - versteht aber genau, was gemeint ist. Auf den Tag genau vor einem Jahr hatte die Gemeinde damit begonnen, der Remptendorfer Kirche ein neues Kleid zu verpassen. Und auch damals stand am Anfang die Frage, ob sich das Dorf das leisten könne.

Ein bezahlbares Kleid für die Kirche in Remptendorf

Aus den Töpfen der Kirche und mit Lottomitteln allein war die Erneuerung nicht zu stemmen. Das Gotteshaus ist stattlich, der alte Putz war verwittert und teils marode. Als 2019 die erste Planung kalkuliert wurde, war klar, dass das Abstemmen des alten Putzes durch eine Firma und das Auftragen eines neuen Putzes unter dem wachsamen Auge der Denkmalschützer teuer würden.

Nicht überraschend, trotzdem ärgerlich: Als die Bauarbeiten 2021 dann beginnen sollten, lagen die Kosten schon 12.000 Euro höher, als zwei Jahre zuvor berechnet. Hinzu kam der Ausfall des ursprünglich beauftragten Gerüstbauers wegen Corona: Zwar konnte kurzfristig ein anderer gefunden werde, aber nur zu einem höheren Preis.

Ein Dorf zieht mit und spart so 20.000 Euro ein

Das Pastoren-Ehepaar und die Kirchgemeinde machten aus der Lage kein Geheimnis. Es waren wohl so einige Gespräche in Remptendorf und Umgebung, bei denen es um die Frage ging, wie die Fassadenerneuerung noch zu stemmen wäre. Am Ende zeigte sich: Das Dorf zieht mit. Auch Menschen, die nicht regelmäßig in den Gottesdienst kommen, wollten, dass die Kirche schmuck aussieht.

Und so fanden sich Christen und Nichtchristen, die gemeinsam und ehrenamtlich buchstäblich den Kostenfaktor wegschlugen: Das Abstemmen des alten Putzes erfolgte bei drei Arbeitseinsätzen als Eigenleistung. Auf dem Gerüst standen Jugendliche wie Senioren und packten mit an. Einige Frauen aus der Gemeinde kümmerten sich darum, die "Abputzer" zu verköstigen.

Auch danach halfen Unterstützer beim Fassaden-Projektes ehrenamtlich weiter. Alles in allem konnten 20.000 Euro gespart werden. 65.000 Euro kostete die Fassadensanierung insgesamt.

Gemeindemitglieder sitzen im Kirchenschiff.
Eng sind die Gemeindemitglieder am Sonntag zusammengerückt. Bildrechte: MDR/ Marian Riedel

Gemeinsam arbeiten, gemeinsam feiern

Auf den Tag genau ein Jahr nach dem ersten Arbeitseinsatz sitzen nun Gemeinde und Helfer zusammen in der frisch verputzen Kirche beim Gottesdienst. Chöre und Bläser, die nicht zur Kirche gehören, gestalten das Programm. Bis auf die zweite Empore ist die Kirche voll. Es ist sichtbar: Das Miteinander in Remptendorf ist durch dieses "Wir hauen auf den Putz" enger geworden.

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Morgen | 12. Juni 2022 | 06:40 Uhr

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