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Video: Thüringer Schulen sollen in den nächsten zehn Jahren rund 230 Millionen Euro vom Bund erhalten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bildung Thüringer Schulen erhalten 230 Millionen Euro aus Bundesprogramm

06. Februar 2024, 18:28 Uhr

Thüringen erhält in den nächsten zehn Jahren aus dem sogenannten Startchancen-Programm des Bundes 230 Millionen Euro. Das Geld soll in den Ausbau von rund 100 Schulen fließen. Dafür gibt es spezielle Kriterien.

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Etwa 100 Thüringer Schulen sollen in den nächsten zehn Jahren rund 230 Millionen Euro aus dem Startchancen-Programm des Bundes erhalten. Das gab Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Dienstag in Erfurt bekannt. Jährlich sollen 23 Millionen Euro vom Bund kommen. Noch einmal der gleiche Anteil werde vom Land und den Kommunen aufgebracht, sodass die Förderung jährlich insgesamt 46 Millionen Euro beträgt.

Keine zufällige Auswahl der Schulen

Das Geld sollen Schulen erhalten, die mit besonderen Herausforderungen zu kämpfen haben. "Es ist eine Investition in die Zukunft, eine Investition in die Köpfe", sagte Holter. Zugleich sei es aus seiner Sicht aber nur ein Einstieg. Das Programm müsse noch erweitert und mit dem Bund diskutiert werden.  

Armutsquote, Migrationsquote und Förderbedarf sind die entscheidenden Kriterien.

Helmut Holter Bildungsminister Thüringen

Holter erläuterte auch, wie die rund 100 Thüringer Schulen ausgewählt wurden. Dafür sei ein Ranking erstellt worden. "Armutsquote, Migrationsquote und Förderbedarf sind die entscheidenden Kriterien", sagte Holter. Es könne aber nicht eine regionale Verteilung als Kriterium angelegt werden. Als soziale Brennpunkte fielen einem zuerst Stadtteile in Erfurt, Jena oder Weimar ein, sagte Holter. "Wir haben aber auch Schulen, die aus kleineren Orten kommen und aus ländlichen Regionen."

Mehr als die Hälfte der in Frage kommenden Schulen seien Grundschulen. An sie sollen ab August dieses Jahres die ersten Gelder ausgezahlt werden. Für die anderen Schulen ist der Programmstart im Laufe des nächsten Jahres geplant. Bundesweit sind für das Programm in den nächsten zehn Jahren rund 20 Milliarden Euro eingeplant.

Programm stößt auf geteilte Reaktionen

Der Thüringer Lehrerverband spricht bei der Förderung von einem wichtigen Beitrag für Bildungsgerechtigkeit. Das Programm wende sich an Schüler, die Hilfe besonders nötig hätten, sagte Verbandschef Tim Reukauf MDR THÜRINGEN. Abzuwarten sei aber, wie die Schulen ausgewählt würden. Aufwändige Bürokratie müsse dabei vermieden werden.

Laut Reukauf muss das Fördergeld zudem zielgenau eingesetzt werden. Es gehe nicht darum, marode Treppengeländer auszutauschen, sondern in innovative Lernkonzepte zu investieren, wie etwa in Ruhezonen oder in spezielle Lernmittel.

Tim Reukauf, Sprecher vom Jungen Thüringer Lehrerverband spricht auf einer Pressekonferenz des Thüringer Lehrerverbands zum Auftakt des Schuljahres 2023/24.
Tim Reukauf vom Thüringer Lehrerverband fordert, dass das Fördergeld auch an den richtigen Stellen eingesetzt wird. Bildrechte: picture alliance/dpa | Bodo Schackow

Die Gewerkschaft Erziehung Wissenschaft (GEW) erklärte, das Startchancen-Programm müsse auf alle Schulen in Thüringen ausgeweitet werden. Das jetzt geplante Programm sei ein erster Baustein für mehr Bildungs- und damit Chancengerechtigkeit. Ein solches Programm sei seit langem nötig.

Linke kritisiert Höhe der Förderung

Auch die Landtagsfraktion der Linken begrüßte das Programm als wichtigen Schritt im Kampf gegen die soziale Benachteiligung von Schülern. Daniel Reinhardt, bildungspolitischer Sprecher der Linken, sagte, gerade Schulen, die mit großen Herausforderungen konfrontiert seien, bräuchten mehr technische und personelle Ressourcen.

Er kritisierte allerdings die Höhe der bereitgestellten Fördersumme. Für die Bundeswehr seien 100 Milliarden Euro vorgesehen, für das Startchancen-Programm dagegen nur 20 Milliarden Euro. Das Volumen müsse mindestens verdoppelt werden.

Daniel Reinhardt
Daniel Reinhardt von den Linken kritisiert die Fördersumme als zu gering. Bildrechte: IMAGO / Karina Hessland

Die CDU-Landtagsfraktion sieht vor allem Bildungsminister Helmut Holter in der Pflicht. Der Linke-Politiker habe in der Vergangenheit immer nur angekündigt, sagte der bildungspolitische Sprecher der Union, Christian Tischner. Jetzt sei der Minister aber unter Zugzwang, die Gelder auch an die Schulbänke zu bringen.

In den letzten Jahren sei durch zu viel Bürokratie alles verkompliziert worden, sodass solche Programme nicht effektiv genutzt worden seien. Tischner verwies darauf, dass in Thüringen jeder zehnte Schüler die Schule ohne Abschluss verlasse. Das sei eine Bankrotterklärung.

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MDR (cfr)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 06. Februar 2024 | 19:00 Uhr

27 Kommentare

martin vor 3 Wochen

Schulträger (und damit zuständig für den "baulichen Zustand") sind i.d.R. die Kommunen und nicht das Land.

Das Land ist hier nur insoweit "im Boot" wie im Landeshaushalt die Zuweisungen an die Kommunen geregelt werden. Und ja, die chronische Unterfinanzierung (oder auch die zu CDU Zeiten betriebene Sanierung des Landeshaushalts auf Kosten der Kommunen) ist m.M.n. völlig daneben - aber ein anderes Thema.

martin vor 3 Wochen

@ralf g: Es wäre ja schön, wenn es "nur" an den Schulen mit einem "hohen Migrantenanteil" eine deutlich erhöhte Quote an Kindern und Jugendlichen gäbe, die einen besonderen Förderungsbedarf hätten.

martin vor 3 Wochen

Nur zwei Anmerkungen zu Ihrem "Gießkannenvorschlag":

1.) Es wäre ja schön, wenn nur geflüchtete Kinder und Jugendliche einen "besonderen Förderungsbedarf" hätten - dann hätten wir in Th deutlich weniger Probleme in den Schulen.

2.) Für die Unterstützung einzelner Kinder und Jugendlicher mit besonderem Förderungsbedarf gibt es bereits (halbwegs) funktionierende Instrumente. Allgemeinbildende Schulen mit einem höheren Anteil (sog. "Brennpunktschulen") sind aber aktuell hoffnungslos überfordert. Auch Berufsschulen haben spezifische Problemlagen. Daher macht es durchaus Sinn, wenn zusätzliche Mittel dorthin priorisiert werden.

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