Trockenheit Vorläufig kein zusätzliches Wasser für die Apfelstädt

Kein zusätzliches Wasser bekommt die Apfelstädt im Landkreis Gotha vorläufig aus den Talsperren Tambach-Dietharz und Schmalwasser. Das hat die Thüringer Fernwasserversorgen (TFW) einem Ausschuss mitgeteilt, der ein Monitoring zum Fluss begleiten soll. Die Trockenheit des Flusses beschäftigt Umweltschützer, Anwohner und die Politik seit Jahren.

Vertreter einer Bürgerinitiative laufen 2021 über die Steine im trockengefallenen Flußbett der Apfelstädt
Steine im trockenen Flussbett der Apfelstädt im Kollerstedter Grund, Höhe Färbermühle. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Die Apfelstädt wird vorläufig kein zusätzliches Wasser aus den Talsperren Tambach-Dietharz und Schmalwasser bekommen. Das ist das Ergebnis der ersten Beratung des Ausschusses, der ein Monitoring am Fluss begleiten soll.

Der Betriebsleiter der Thüringer Fernwasserversorgung, Hans-Dieter Linz, sagte MDR THÜRINGEN, sein Unternehmen lehne die jüngste Forderung der Bürgerinitiative "Lebensraum Apfelstädt" ab. Die Umweltschützer hatten Anfang November gefordert, die an den Fluss abgegebene Wassermenge von 400 auf 800 Liter pro Sekunde zu verdoppeln, weil die Apfelstädt seit April unter Trockenheit leidet.

Die Schmalwassertalsperre bei Tambach-Dietharz
Probeweise bekam die Apfelstädt Wasser aus der Schmalwassertalsperre bei Tambach-Dietharz. Bildrechte: dpa

Niedriger Grundwasserspiegel ist Grund für die Ablehnung

Linz begründete die Ablehnung mit dem niedrigen Grundwasserspiegel nach dem Dürresommer 2022. An der Messstelle in Schwabhausen sei ein Wert von 15 Metern unter dem normalen Pegel gemessen worden. Unter diesen Umständen würden Hydrologen des Landesumweltamtes davon ausgehen, dass auch zusätzliches Wasser dem Fluss nicht hilft, sondern an den durchlässigen Stellen im Flussbett versinkt.

Nach dem trockenen Sommer sei jetzt nur noch wenig Wasser in den Talsperren. Über den Winter müsse man erst mal neu aufstauen, statt zusätzliches Wasser abzugeben. In den kommenden Monaten werde man beobachten, wie sich Regen- und Schneefälle auf den Grundwasserspiegel und die Füllstände der Talsperren auswirken.

Die Bürgerinitiative "Lebensraum Apfelstädt" kritisierte das Ergebnis des Treffen als unzureichend. Sprecherin Susann Kaiser aus Apfelstädt sagte MDR THÜRINGEN, trotz der Abgabe von 400 Litern Wasser pro Sekunde zwischen dem 6. September und dem 31. Oktober 2022 habe sich am Fluss nichts getan.

Wasserabgabe seit 1. November wie angekündigt gedrosselt

Man habe jetzt gehofft, dass sich mit 800 Litern Wasser pro Sekunde der Untergrund der Apfelstädt über den Winter wieder sättigen könne. Stattdessen sei die zusätzliche Wasserabgabe seit dem 1. November wie angekündigt gestoppt worden.

Blick auf die Talsperre Tambach-Dietharz
Auch aus der Talsperre Tambach-Dietharz wurde im Probebetrieb Wasser in die Apfelstädt geleitet. Bildrechte: dpa

Ausschuss-Mitglied Markus Kaufmann bekräftigte die Forderung der Bürgerinitiative, zusätzliches Wasser für die Apfelstädt aus der Westringkaskade abzuzweigen. Dieses ehemalige Trinkwasser-Rohrsystem leitet seit Sommer 2020 mehr als 500 Liter Wasser pro Sekunde zu zwei Wasserkraftwerken, die abseits des Flussbettes der Apfelstädt Strom erzeugen.

Daten zu verändertem Wassermanagement werden erfasst

Mehrfach hatte die Bürgerinitiative gefordert, zunächst ausreichend Wasser an den Fluss abzugeben und erst danach die Wasserkraftanlagen zu betreiben. Kaufmann kritisierte am Abend in Neudietendorf, dass das Thüringer Landesumweltamt und die Thüringer Fernwasserversorgung nicht bereit seien, die geforderten Einschränkungen im Begleitausschuss zu diskutieren.

Der Ausschuss hatte sich am Montagabend in Neudietendorf konstituiert, um ein über fünf Jahre geplantes Monitoring der Apfelstädt zu begleiten. Darauf hatten sich das Land und der Landkreis Gotha geeinigt, nachdem die Apfelstädt in den vergangenen drei Jahren immer häufiger trocken gefallen war. Im Rahmen des Monitorings soll beobachtet werden, wie sich verändertes Wassermanagement auswirkt und Daten dazu erfasst werden.

Neben der Thüringer Fernwasserversorgung und der Bürgerinitiative "Lebensraum Apfelstädt" arbeiten Vertreter des Landesanglerverbandes, des Landkreises Gotha, der Kommunen am Fluss, des Thüringer Landesumweltamtes und des Umweltministeriums im Begleitausschuss mit. Das nächste Treffen soll im Frühjahr 2023 stattfinden.

Mehr über die Apfelstädt

Eine Burg der Drei Gleichen an der Apfelstädt 29 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR (co)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. November 2022 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

Harka2 vor 1 Wochen

@Peter Pan
Ja, auch in den 1980er Jahren konnte es zu Niedrigwasser in der Apfelstädt kommen, aber jetzt ist der Fluß fast ganzjährig trocken, also völlig ohne Wasser.

Peter Pan vor 1 Wochen

Ganz offensichtlich ist das aber ein allgemeines Problem vieler Thüringer Flüsse, laufen sie im Sommer durch Bad Berka und suchen Sie mal die Ilm, da gibt es nur ein völlig trockenes Flussbett.
Wann wurde die Apfelstädt eigentlich zum letzten mal ausgekiest?
Wieviele Anwohner entlang der Apfelstädt von Tambach Dietharz bis Marienthal entnehmen seit jahren illegal jede Menge Wasser aus der Apfelstädt? Damit will sich lieber niemand beschäftigen.
in den 80er Jahren konnte man in Apfelstädt mit dem PKW die Fuhrt benutzen und die Apfelstädt durchqueren, so niedrig war da der Wasserstand.

GuterMensch vor 1 Wochen

Der Untergrund der Apfelstädt gesteht zum großen Teil aus Kaarst Gestein. Ergo, es verschwindet viel Wasser im Untergrund, wenn man dann noch viel Wasser für die Westringkaskade abzweigt passiert das was der jetzige Stand der Dinge ist.
Im grünen Umweltministerium ist natürlich der Klimawandel schuld, nicht ihre wissenschaftlichen Glanzleistungen in Bezug auf die Westringkaskade.

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