Kasernentor des Bundeswehr-Standortübungsplatzes Ohrdruf
Der kontaminierte Boden in Ohrdruf soll doch nicht gereinigt werden. Bildrechte: MDR/Johannes Hornemann

Grundwasser-Gefährdung Ohrdruf: Kontaminierter Boden auf Bundeswehr-Areal wird nicht beseitigt

11. Februar 2024, 10:32 Uhr

Der mit der Chemikalie PFC verseuchte Boden auf dem Bundeswehr-Übungsplatz Ohrdruf soll vorerst nicht gesäubert werden. Das Landratsamt in Gotha sieht aktuell keine Gefahr für das Grundwasser. PFC gilt als "Jahrhundertgift" und kommt in vielen Industriebereichen zum Einsatz.

Die Boden-Verunreinigungen mit PFC-Chemikalien auf dem Bundeswehr-Übungsplatz Ohrdruf werden vorerst nicht beseitigt. Es bestehe nach derzeitigem Stand keine Gefährdung für das Grundwasser, teilte das Landratsamt in Gotha auf Anfrage von MDR THÜRINGEN mit. Sanierungsmaßnahmen seien daher derzeit nicht notwendig.

Das Landratsamt begründete dies unter anderem mit den "Standortverhältnissen" und dem "verhältnismäßig geringen Gehalt" von Schadstoffen in den betroffenen Stellen, der mit zunehmender Tiefe auch abnehme.

Chemikalien an mehreren Stellen im Boden

Die per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) werden synonym oft auch als Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) bezeichnet. Bei Untersuchungen im Bereich der ehemaligen Standortfeuerwehr auf dem Übungsplatz waren an mehreren Stellen PFC im Boden festgestellt worden. Diese waren nach Angaben der Bundeswehr in etwa einem halben Meter Tiefe im Bereich der Feuerwache sowie auf einer ehemaligen Abstellfläche für Fahrzeuge nachweisbar. Die Chemikalien waren vermutlich in versickertem Löschschaum enthalten.

Mit seiner Einschätzung folgt das Landratsamt Gotha als Untere Bodenschutzbehörde einer Bewertung, die die Bundeswehr bereits im vergangenen Jahr abgegeben hatte. Diese verwies auf mehrere Gutachten, wonach eine Gefährdung des Grundwassers nicht gegeben sei.

Grundwasser offenbar in ausreichender Tiefe

In den betroffenen beiden Arealen befänden sich die Grundwasser-Schichten in zehn beziehungsweise 27 Metern Tiefe. Darüber liegende Tonschichten verhinderten ein Einsickern von PFC-Chemikalien aus den oberflächennahen Schichten ins Grundwasser, so die Bundeswehr.

Das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz ist nach eigenen Angaben derselben Auffassung wie das Landratsamt Gotha. Man habe keine Veranlassung, an der Einschätzung der Unteren Bodenschutzbehörden zu zweifeln, sagte ein Sprecher dem MDR.

Grund: PFC-haltiger Löschschaum

Im Jahr 2019 hatte die Bundeswehr begonnen, ihre Standorte auf mögliche Verunreinigungen mit PFC-Chemikalien zu untersuchen. Im Fokus standen dabei Flächen, die von der Bundeswehr-eigenen Feuerwehr genutzt wurden oder noch werden. Bis vor einigen Jahren hatten Feuerwehren sowohl von der Bundeswehr als auch im zivilen Bereich Löschschaum verwendet, in dem solche Chemikalien enthalten waren.

Radpanzer der Bundeswehr bei der Ausfahrt aus dem Standortübungsplatz Ohrdruf
2013 wurde die bis dahin hier stationierte Standort-Feuerwehr abgezogen. Für Brandschutz und -bekämpfung sind seitdem die regionalen zivilen Feuerwehren zuständig. Bildrechte: MDR/Johannes Hornemann

PFC-haltige Löschschäume wurden früher vor allem zum Löschen von brennenden Flüssigkeiten wie beispielsweise Flugzeug-Treibstoff verwendet. Daher handelte es sich bei den sogenannten Verdachtsflächen der Bundeswehr vor allem um Truppenübungsplätze und Flugplätze. Die Feuerwehr auf dem Übungsplatz Ohrdruf war im Jahr 2013 von dort abgezogen worden.

PFC wird nicht natürlich abgebaut

Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) werden in zahlreichen Produkten wie Lebensmittelverpackungen, Sprays für Möbel, Kleidung und Schuhe oder Reinigungsmitteln verwendet. Sie haben fett-, öl- und wasserabweisende Eigenschaften. Einige dieser Chemikalien sind giftig und können im Erdreich oder im Wasser nicht auf natürliche Weise von der Umwelt abgebaut werden.

Über das Grundwasser können sie auch in den menschlichen Körper gelangen. Einer dieser Stoffe ist PFOS, das seit 2011 wegen möglicher gesundheitsschädigender Wirkung nicht mehr verwendet werden darf.

MDR (dr/dst)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 11. Februar 2024 | 18:35 Uhr

9 Kommentare

olaf.schilloks vor 15 Wochen

Es wird schon so sein, dass in der Dienstzeit der Entscheider im Landratsamt das Zeug tatsächlich nicht ins Grundwasser gelangt. Aber die Fürsorgepflicht der Behörde sollte einen größeren Zeithorizont haben. Solange es im Boden ist, stellt es auch eine Gefahr dar. Und das Charmante ist doch eigentlich, dass eine Dekontamination räumlich begrenzt möglich ist.

martin vor 15 Wochen

@ich1: Ich kenne zwar die dortigen Details nicht - aber es gibt durchaus auch Altlasten, wo es auch ökologisch sinnvoller ist, sie vor Ort zu belassen. Je nach örtlicher Situation und den Schadstoffen wird durch eine Sanierung zuweilen mehr Schadstoff freigesetzen würde, als wenn man den Bereich (ggf. abdeckt und) in Ruhe lässt. Das hat sich bspw. auch bei einigen alten Halden bewährt.

Und ja: So eine Sanierung würde viel Geld kosten. Da finde ich es durchaus legitim darüber nachzudenken, ob die Investition in eine Sanierung zum jetzigen Zeitpunkt - im Vergleich zu anderen Investitionsvorhaben - wirklich sinnvoll ist.

Und die Geschichte mit den Radwegen in Peru kann an diesem Punkt ruhig weggelassen werden.

knarf vor 15 Wochen

Für mich grenzt das an Fahrlässigkeit. Wer wird dann Schuld haben wenn doch etwas Unvorhergesehenes passiert,da dieses Gift sich ja nicht von selbst abbaut?

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