Hütscheroda Luchs-Nachwuchs im Wildkatzendorf wird auf Leben in Freiheit vorbereitet

26. Juli 2022, 19:18 Uhr

Im Wildkatzendorf Hütscheroda haben zwei kleine Luchse das Licht der Welt erblickt. Ein Projekt soll die beiden Jungtiere auf ihr Leben in Freiheit vorbereiten und die Luchs-Population in Thüringen stärken. Einst galten die Raubkatzen in Deutschland als ausgerottet.

Das Wildkatzendorf Hütscheroda im Wartburgkreis hat Zuwachs bekommen. Nach Angaben der Betreiber hatte Luchsin Kaja bereits Ende Mai Junge geworfen, sie jedoch bislang in dem naturnahen Gehege verstecken können. Geschäftsführerin Katrin Vogel sagte, erst jetzt sei klar, dass es zwei Jungtiere sind. Mit etwas Glück könnten Besucher die Kleinen bei der täglichen Fütterung zu Gesicht bekommen. Bereits im vergangenen August hatte das Luchs-Paar Kaja und Looki ein Junges bekommen.

Projekt soll Luchs-Population stärken

Die beiden Jungtiere sollen künftig in Freiheit durch den Wald streifen können. Laut Vogel werden sie dafür etwa in einem Dreivierteljahr in ein Projekt aufgenommen, mit dem der Bestand der Luchse in Deutschland gestärkt werden soll.

Dazu werde bis zum kommenden Sommer in Hütscheroda ein zweites Gehege für Luchse gebaut, das bis zu 3.500 Quadratmeter groß werden soll. Dort sollen Tiere, die in Gefangenschaft geboren wurden, unter möglichst natürlichen Bedingungen ohne Kontakt zu Menschen aufwachsen. Im Alter von zwei Jahren könnten sie dann in den Wald entlassen werden, so Vogel.

Zum Aufklappen: Mehr über das Luchs-Projekt

Das Projekt mit dem Titel "Trittstein Thüringer Wald" wird vom BUND-Wildkatzendorf und der Umweltschutzorganisation WWF getragen. Das Thüringer Umweltministerium stellt die finanziellen Mittel zur Verfügung. Weitere Partner sind Thüringenforst und der Jagdverband. Ziel ist es, im Thüringer Wald verstärkt Luchse anzusiedeln, um eine weitere Population zwischen den beiden bisher isolierten Luchsvorkommen im Harz und im bayerischen Böhmerwald zu schaffen. Neben Nachzuchten aus Gehegen wie in Hütscheroda könnten auch Luchse aus den rumänischen Karpaten umgesiedelt werden. Um die Bedingungen im Thüringer Wald genauer zu untersuchen, wird im Rahmen des Projekts ein Monitoring mit Fotofallen ausgeweitet.

Wiederansiedlung braucht Geduld

In Deutschland waren Luchse einst vollständig ausgerottet. Inzwischen gibt es wieder rund 130 freilebende Exemplare. In Thüringen werden zwar immer wieder einzelne Luchse gesichtet, allerdings seien das nur Einzelfunde, so Katrin Vogel. Es gebe keine feste Population, die beständig Nachwuchs hat.

Nach Untersuchungen der Umweltschutzorganisation BUND dauert es sehr lange, bis sich die Tiere weiter in Deutschland ausbreiten. Nur die jüngeren männlichen Tiere wandern weite Strecken, die Weibchen nicht. Anders als bei anderen Arten sei der Lebensraum für Luchse noch vorhanden, sagt Katrin Vogel. "Ein schöner Wald, in dem Wildkatzen und Luchse leben, sollte uns etwas wert sein."

MDR (rub/cfr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 26. Juli 2022 | 18:50 Uhr

1 Kommentar

Harka2 am 27.07.2022

Das sind ja mal richtig gute Nachrichten. Ich mag die Einrichtung. Jetzt müssen sie sich vor Ort nur noch dazu durchringen, auch ihre Waldkatzen auswilderungsfähigen Nachwuchs produzieren zu lassen. Holt euch endlich mal eine Mietze! ;-) Die Kater warten.

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