COP 27 Klimaökonomin Kemfert kritisiert Lobby-Tätigkeit auf Weltklimakonferenz

Viele Teilnehmende der UN-Klimakonferenz im ägyptischen Scharm el-Scheich hätten sich noch immer der fossilen Energie verschrieben, kritisiert die Klimaökonomin Claudia Kemfert. Klimaschützer sehen das ähnlich.

Claudia Kemfert bei der Kundgebung von Fridays for Future vor dem Brandenburger Tor.
Ein "Karussell des Wahnsinns" nennt es Claudia Kemfert. Bildrechte: IMAGO/Mauersberger

Die Klimaökonomin Claudia Kemfert hat die Anwesenheit von Vertretern fossiler Energien auf der Weltklimakonferenz in Ägypten massiv kritisiert. Im Klima-Podcast von MDR AKTUELL sprach Kemfert von einem "Karussell des Wahnsinns". Dabei verwies die Wissenschaftlerin unter anderem auf einen Bericht des britischen Senders BBC. Danach ist die Zahl der Delegierten mit Verbindungen zur Ölindustrie auf der UNO-Klimakonferenz im Vergleich zum letzten Treffen um ein Viertel gestiegen. Mehr als 600 Personen hätten Beziehungen zu Öl- und Gaskonzernen. 200 der Lobbyisten seien in nationalen Delegationen vertreten, weitere 436 in internationalen Gremien oder Nichtregierungsorganisationen.

Kemferts Klima-Podcast 54 min
Bildrechte: MDR / Oliver Betke

Dazu sagte Kemfert: "Diese Lobbyisten sind nicht im Sinne des Klimas unterwegs". Kemfert warf den ägyptischen Gastgebern vor, die Teilnahme der Lobbyisten zugelassen zu haben. Sie sagte: "Das ist höchst problematisch für die Klimakonferenz." Das sei so, als wolle man einen See austrocknen und vorher die Frösche befragen, ob das für sie in Ordnung sei. Sie befürchtet: "Diese Lobbyisten werden sich nicht ernsthaft in den Klimaschutz einbringen."

Klimaaktivisten machen ähnliche Vorwürfe

Vanessa Nakate und Luisa Neubauer
Vanessa Nakate und mit der deutschen Klimaaktivistin Luisa Neubauer auf dem COP27. Bildrechte: dpa

Auch Klimaschützer haben sich empört darüber geäußert, dass auf der Weltklimakonferenz in Ägygten zahlreiche Lobbyisten für Öl, Gas und Kohle präsent sind. Die prominente Aktivistin Vanessa Nakate aus Uganda, sagte, die fossile Industrie untergrabe zynisch den Zweck des globalen Treffens. Die Lobbyisten verwandelten die Konferenz in ein Verkaufs- und Marketing-Event für mehr Verschmutzung, mehr Zerstörung und mehr Tod.

Nakate appellierte an die Regierungsvertreter, trotz der Energiekrise keine neuen Öl-, Gas- und Kohleprojekte mehr zu unterstützen. Andernfalls lasse sich die Erderwärmung nicht auf 1,5 Grad begrenzen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 16. November 2022 | 16:00 Uhr

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