Streit mit der Familie Mit diesen Tipps kommen Sie zufriedener durch die Weihnachtszeit

23. November 2023, 08:38 Uhr

Eigentlich verbinden wir Weihnachten traditionell mit einer friedlichen Zeit. Doch immer wieder verheddern sich Familien in Streitereien. Psychologin und Paartherapeutin Evelyn Beverly Jahn verrät Konfliktfallen und Wege aus ihnen heraus – damit Sie das Fest der Liebe auch wirklich mit Freude begehen können.

Stress erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass wir nicht in (weihnachtliche) Stimmung kommen und nicht die Ruhe und Entspannung erleben, die wir uns wünschen.

Die fünf Konfliktfallen in Beziehungen jeder Art sind:

  1. Erwartungen
  2. Abwertung
  3. Vorwürfe/Kritik
  4. Rechthaben wollen
  5. Rückzug/Mauern

Das größte Problem

Besonders die erste Konfliktfalle "Erwartungen" droht zur Weihnachtszeit zuzuschnappen. Wir alle wollen ein ganz besonderes Fest, unvergessliche Momente und eine feierliche Stimmung zur Weihnachtszeit erleben. Genau diese oft sehr konkreten Vorstellungen lassen wenig Raum für Abweichungen und Störungen. Vor allem Personen mit sehr konkreten Vorstellungen und Plänen zeigen dann wenig Bereitschaft für Änderungen – oder verfügen nicht über die nötige Flexibilität, die es braucht, wenn es nicht so läuft wie geplant. Auch Erwartungen an andere Personen entpuppen sich als echter Stimmungskiller, wenn sie enttäuscht werden.

Eine Familie beim Essen stößt an
So harmonisch und schön soll Weihnachten unbedingt werden: Mit dieser Vorstellungen fangen die Probleme oft an. Bildrechte: IMAGO/Westend61

Diese Tipps können Ihnen helfen

Sprechen Sie Ihre Erwartungen konkret an und achten Sie darauf, dass sie realistisch sind. Überhöhte Erwartungen haben die Tendenz, enttäuscht zu werden.

Seien Sie flexibel – im besten Fall haben Sie noch einen Plan B in der Tasche. Die Ente ist angebrannt? Dann verlegen Sie die Feier in die Küche, kochen gemeinsam mit Resten oder organisieren im Notfall einen Bestellservice, der auch an Weihnachten aktiv ist.

Text neben festlichem Mini-Weihnachtsbaumschmuck
Mit Flexibilität und Humor können Sie für Ihre mentale Gesundheit sorgen. Bildrechte: IMAGO / Pond5 Images

Bedenken Sie auch, dass andere Personen Ihre Gedanken meist nicht erraten oder gar lesen können. Überlegen Sie zunächst genau, ob Sie getäuscht wurden oder ob Sie sich selbst getäuscht haben. Meistens ist Letzteres der Fall.

Wenn Sie enttäuscht sind, dann können Sie jetzt klarer sehen, was WIRKLICH ist ("Ok, mein Mann weiß immer noch nicht, welche Kosmetikmarke ich benutze."). Mit dieser Klarheit lässt sich dann arbeiten. Klarheit kann schmerzen, aber sie löst eben auch den Nebel auf.

Sie kennen doch Ihre Familie. Besprechen Sie schon vorher, welche Stresspunkte zusammenkommen und wo Spannungen entstehen könnten und wie Sie damit umgehen wollen. Reden Sie gemeinsam darüber, was Ihnen wirklich wichtig ist und seien Sie mutig, Belastendes und/oder Unwichtiges auch mal wegzulassen ("Dieses Jahr gibt es weniger Lametta und weniger Geschenke.").

Behalten Sie Ihren Humor!

Wenn es wirklich nicht mehr geht Vereinbaren Sie ggf. ein Signalwort, das dem Anderen anzeigt: "Ich bin kurz vor dem Limit und raste gleich aus" oder "Ich bin jetzt durch und brauche Abstand". Sie können auch eine gelbe und eine rote Karte bereithalten. Zieht einer die rote Karte, dann braucht es eine Auszeit.

Gehen Sie an die frische Luft, nehmen Abstand, um sich wieder zu beruhigen und runter zu regulieren. Wenn eine/r Abstand braucht und der Kontakt erstmal abbricht, dann sollte festgelegt werden, wie lange die Auszeit sein soll: "Du, jetzt brauche ich 20 Minuten Pause. Dann komme ich zurück und wir reden nochmal in Ruhe darüber, wie wir das Problem lösen."

Das sollten Sie vermeiden

Verzichten Sie unbedingt auf Vorwürfe oder überzogene Kritik, selbst wenn der Ärger in Ihnen hochkocht. Kritik, Abwertung und Vorwürfe führen nicht zu einer guten Lösung oder einer Annäherung, sondern sorgen für weitere Eskalation und Abstand.

Wenn Sie jemandem etwas vorwerfen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass diese/r zurückwirft oder aus dem Kontakt geht – und zwar meist zum Selbstschutz.

Mutter und Tochter streiten sich.
Anschuldigungen und Abwertung sorgen für eine Eskalation des Streits. Bildrechte: IMAGO / Pond5 Images

So geht vorwurfsfreie Kommunikation

Die hohe Kunst der vorwurfsfreien Ärger-Kommunikation will zwar gelernt sein, führt aber meist mehr zu dem, was sich alle Beteiligten wünschen:

  • Formulieren Sie statt Vorwürfe Ihre Bedürfnisse und Wünsche.
  • Sprechen Sie von sich und teilen Sie auch mit, wie Sie sich fühlen.
  • Beziehen Sie sich konstruktiv aufeinander, wenn die Vorstellungen und Wünsche sehr unterschiedlich sind: "Was kann ich für Dich tun, damit Du mir entgegenkommst?"
  • Bei Kritik achten Sie darauf, dass diese gerechtfertigt ist.
  • Kritisieren Sie einen Umstand, aber nicht die ganze Person.
  • Verzichten Sie auf generalisierende Worte wie "immer", "ständig", "nie".
  • Hören Sie genau zu und lassen Sie einander ausreden.
  • Wiederholen Sie das, was Ihr Gegenüber gesagt hat in eigenen Worten und versichern Sie sich rück, ob es so gemeint war, denn was jemand sagt, muss nicht mit dem übereinstimmen, was ein Anderer hört!

Diese Form von Konfliktgespräch ist zwar anstrengend, aber das ist Ihr Konflikt ja auch. Der Vorteil liegt darin, dass Sie präziser werden müssen und der Prozess sich verlangsamt, statt in einem Feuerwerk von Anklagen und Vorwürfen zu enden.

Liebe hilft Nehmen Sie sich auch Zeit für den Austausch von anerkennenden Worten und Wertschätzung. Geben Sie sich auch mal eine "Liebesdusche".

Außerdem sollten für jede Kritik mindestens drei Anerkennungen ausgesprochen werden.

Versuchen Sie es – machen Sie "Wortgeschenke": Ein paar ausgewählte liebevolle Worte aus dem Herzen gesprochen oder geschrieben sind meist das größte Geschenk.

Unsere Expertin

Psychologin Beverly Jahn lächelt.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Evelyn Beverly Jahn

Evelyn Beverly Jahn

Diplom-Psychologin Evelyn Beverly Jahn arbeitet als Autorin sowie Verhaltenstherapeutin mit Praxis in Leipzig. Sie ist spezialisiert auf Embodiment, was u.a. die Körperhaltung als Auslöser von Gefühlen ins Zentrum rückt.

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MDR (lk)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 23. November 2023 | 17:00 Uhr

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