Natürlich lindern Hilfe bei Blasenentzündung: ohne Antibiotika?

Ständiger Harndrang, brennende Schmerzen beim Wasserlassen: Vor allem Frauen werden immer wieder von hartnäckigen Entzündungen der Blase geplagt. Die Erreger kommen meist aus dem eigenen Darm. Lange wurden dagegen unbesorgt Antibiotika verordnet. Doch das ändert sich. Antibiotika sind für die Behandlung oft gar nicht nötig.

Eine junge Frau liegt in einem Bett und leidet unter Regelschmerzen
Eine Blasenentzündung ist meist sehr schmerzhaft. Daher sollte man nicht zu lange warten, um sie einzudämmen. Bildrechte: dpa

Ursache oft (eigene) Darm-Bakterien

Vom Darmausgang über die Harnröhre bis in die Blase – das ist der Weg, den die Erreger einer Blasenentzündung am häufigsten nehmen. Meist handelt es sich um verschiedene Stämme des Bakteriums Escherichia coli. Im Darm übernehmen viele dieser Keime nützliche Funktionen, sie sind Teil unseres natürlichen Mikrobioms. Das Problem beginnt, wenn die Bakterien dorthin gelangen, wo sie nicht hingehören.

Warum Frauen häufiger von solchen Entzündungen betroffen sind, lässt sich einfach erklären: Ihre Harnröhre ist kürzer als die bei Männern. Die Bakterien müssen nicht so weit klettern, bis sie sich in der Wand der Harnblase einnisten können. Das tun sie dann oft so erfolgreich, dass die der körpereigenen Abwehr trotzen können und sogar für Antibiotika mitunter schwer zu erreichen sind.

Antibiotika: Gefahr von Resistenzen und Nebenwirkungen

Lange Zeit galt die Behandlung von Blasenentzündungen geradezu als Paradedisziplin für die Anwendung von Antibiotika. Die Mittel wurden meist ohne Zögern verordnet, denn es bestand die Sorge, dass eine unbehandelte Entzündung der Harnblase in Richtung Niere aufsteigen könnte.

Inzwischen setzt aber ein Umdenken ein. Die bedenkenlose Verwendung von Antibiotika hat dazu geführt, dass Krankheitskeime sich angepasst haben. Immer häufiger bekommen es Mediziner mit Erregern zu tun, die gegen Antibiotika resistent sind. Die schärfste Waffe im Kampf gegen bakterielle Krankheitskeime droht stumpf zu werden. "Früher haben wir reflexartig das Rezept mit einem entsprechenden Medikament gezückt. Jetzt sehen wir – die Resistenzen schränken unsere Möglichkeiten ein, Antibiotika dort zu geben, wo sie wirklich gebraucht werden", sagt Dr. Tom Kempe, Urologe und Gynäkologe am Medizinischen Versorgungszentrum der Uniklinik Leipzig.

Hinzu kommen die Nebenwirkungen, die solche Arzneimittel nicht selten mit sich bringen. Gerade bei der Therapie von Blasenentzündungen stellen sich Ärztinnen und Ärzte, aber auch Patientinnen und Patienten immer häufiger die Frage: Geht es nicht auch mit weniger Antibiotika?

Dr. Tom Kempe sagt dazu: "In vielen Fällen sind Antibiotika gar nicht nötig, um die Beschwerden zu behandeln." Ziel ist, Schmerzen und Harndrang zu lindern und möglichst Rückfälle zu vermeiden. Dabei soll auch die körpereigene Abwehr mit einbezogen werden. Und dazu steht eine ganze Palette von Mitteln zur Verfügung.

Blasenentzündung natürlich lindern mit pflanzlichen Mitteln

Eine große Auswahl an pflanzlichen Mitteln kann eingesetzt werden um eine Blasenentzündung zu bekämpfen. Dr. Kempe empfiehlt häufig Arzneien auf Basis einer Kombination von Rosmarin, Tausendgüldenkraut oder Liebstöckel. Die Mittel wirken entkrampfend und lindern damit Schmerzen. Auch Goldrute wird eingesetzt. Wichtig – ausreichend dazu trinken!

Auch mit Anwendungen aus Meerrettich gibt es gute Erfahrungen. Die Senföle aus der Wurzel wirken gegen Bakterien. Entsprechende Präparate, die als Kapseln gegeben werden, lassen sich ebenso aus der Kapuzinerkresse gewinnen.

Auszüge aus den Blättern der Bärentraube hemmen die Vermehrung von Bakterien und sollen bei Blasenentzündungen ähnlich gut wie Antibiotika wirken.

Der Saft von Preiselbeere oder Cranberry genoss lange Zeit den Ruf, Harnwegsinfekten vorzubeugen und bei der Behandlung von Entzündungen zu helfen. Zu Unrecht – Studien konnten das nicht überzeugend bestätigen.

Ein Newcomer bei den pflanzlichen Präparaten gegen Blasenentzündung ist der Wirkstoff Forskolin, der aus dem tropischen Halbstrauch Plectranthus barbatus gewonnen wird, aber auch in bestimmten Buntnessel-Arten steckt. Er soll das Wiederaufflammen der Entzündungen verhindern. Hier gibt es bisher jedoch kaum wissenschaftliche Studien. 

Schließlich – D-Mannose, ein bestimmter Zucker. Präparate daraus sollen die Erreger quasi verkleben und ihnen das Anhaften an der Blasenwand erschweren. Sie werden beim Wasserlassen herausgespült.

Achtung Wichtig – wenn sich die Beschwerden nicht bessern, lieber zum Arzt! Gar nicht zögern sollten Schwangere, Kinder und ältere Männer. Bei Blasenentzündung gleich in die Praxis!

Hilft die Impfung?

Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland Impfungen, die wiederkehrenden Blasenentzündungen vorbeugen sollen. Die Mittel werden entweder geschluckt oder gespritzt. Sie enthalten abgetötete Erreger. Mediziner sprechen hier von Immunstimulation – die Impfung führt also nicht zur Produktion von Antikörpern, sondern steigert die Abwehrkräfte in der Harnblase.

Viele Frauen, die unter wiederkehrenden Blasenentzündungen litten, berichten über eine spürbare Besserung ihrer Beschwerden. Nicht bei allen jedoch hatte die Impfung Erfolg. Ob ein Versuch lohnt, sollte mit den betreuenden Ärztinnen bzw. Ärzten von der urologischen oder gynäkologischen Praxis abgestimmt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 16. Juni 2022 | 21:00 Uhr

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