Eine halbe und eine ganze Grapefruit
Was viele nicht wissen: Grapefruit hemmt die Wirkung vieler Medikamente. Bildrechte: colourbox.com

Arzneien Medikamente – Helfer mit Risiken und Nebenwirkungen

28. November 2023, 17:57 Uhr

Ob rezeptpflichtig oder freiverkäuflich: Bei Arzneimitteln sollte immer der Beipackzettel beachtet werden. Denn die Dosis macht das Gift – und wo Wirkung ist, ist auch Nebenwirkung.

Selbst freiverkäufliche Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können gravierende Nebenwirkungen haben. So sollte man sich auch bei freiverkäuflichen Medikamenten an die Dosierungsanleitung zu halten. Insbesondere bei Paracetamol ist das nicht immer ganz leicht. Es ist wie auch Ibuprofen in vielen Kombinationspräparaten enthalten - wie etwa Paracetamol in Grippostad, DoreGrippin oder WickMediNait oder Ibuprofen in Boxagrippal, RatioGrippal oder Wick DuoGrippal.

Vorsicht bei Kombi-Präparaten Wer zu Kombi-Präparaten noch den Wirkstoff "pur" einnimmt, überschreitet schnell die zulässige Tages-Höchstdosis. Wem das nur einmal passiert, dem drohen nicht gleich irreversible Schäden, doch bei Dauergebrauch kann auch das vermeintlich harmlose Paracetamol die Leber nachhaltig schädigen.

Pflanzlich ist nicht gleich harmlos

Viele greifen am liebsten zu pflanzlichen Mitteln, in der Meinung, dass pflanzlich zugleich auch schonend ist. Doch das muss nicht so sein. So können z. B. sehr beliebte abwehrstärkende Mittel mit Pelargonium-Extrakten zu Leberschädigungen führen.

Die Pelargonie ist eine Geranienart, die ursprünglich aus Afrika stammt. Ihr Wurzelextrakt wurde dort traditionell zur Behandlung bei Bronchitis verwendet. Heutzutage ist er in Mitteln wie Umckaloabo, Pelaysa oder Pelargonium-Ratiopharm enthalten. Nur wenige Patienten vertragen dieses pflanzliche Mittel nicht. Doch, weil es hin und wieder Mal Betroffene gibt, deren Leber heftig auf den Wirkstoff Pelargonium reagiert, steht die möglicherweise hepatoxische Wirkung unter den Nebenwirkungen im Beipackzettel.

Detailaufnahme von zartlila Blüten in Kugelform.
Pelargonien-Extrakte vertägt nicht jeder. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Auch ein anderer Pflanzenwirkstoff steht im Verdacht in zu hohen Dosen die Leber zu schädigen: das Schöllkraut. Es wird in der Naturmedizin unter anderem zur Behandlung von Warzen und bei Magen- und Darm-Beschwerden verwendet. Auch heute findet es noch in Kombinationsprodukten Verwendung. Das Bundesinstitut für Arzneimittel hat 2008 die Tagesdosierung auf maximal 2,5 mg Gesamtalkaloide beschränkt. Das Schweizer Heilmittelinstitut Swiss Medic warnt daher Patienten mit bestehenden Lebererkrankungen oder solche, die noch weitere Medikamente einnehmen, vor der Einnahme von Schöllkraut.

Schöllkraut (Chelidonium majus)
Vorsicht auch bei Schöllkraut-Präparaten. Bildrechte: IMAGO / Steffen Schellhorn

Wechselwirkungen von Medikamenten beachten

Gerade ältere Patienten müssen häufig mehrere Medikamente am Tag nehmen. Dabei vertragen sich längst nicht alle Wirkstoffe miteinander. Manche verstärken sich, andere blockieren sich oder aber sie reagieren auf ungewollte Weise miteinander. Um dem vorzubeugen, gibt es seit 2016 den bundeseinheitlichen Medikationsplan. Darauf werden in der Hausarztpraxis alle Medikamente vermerkt, die der Patient einnimmt sowie die Angaben, wie die Mittel eingenommen werden sollen.

Man sollte möglichst auch die freigekauften Medikamente darauf eintragen, denn auch diese können mit den anderen Mitteln reagieren. Auf dem Medikationsplan ist auch vermerkt, wann die Medikamente eingenommen werden sollen.

Medikationsplan erstellen lassen

Patientinnen und Patienten, die mindestens fünf ärztlich verordnete Medikamente einnehmen müssen, haben Anspruch auf eine Medikationsanalyse in der Apotheke. Sie soll unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Medikationsfehler aufdecken. Schätzungen zufolge führen schlechte Wechselwirkungen von Medikamenten zu einer Viertel Million Notfällen pro Jahr in Deutschland. Die Medikationsanalyse wird einmal jährlich von den Krankenkassen bezahlt.

Vorgegebene Einnahmezeiten beachten

Wenn die Tabletten vor dem Essen genommen werden sollen, bedeutet dies, dass die Tablette 30 Minuten bis eine Stunde vor der nächsten Mahlzeit geschluckt werden muss. Auf leerem Magen wirken Medikamente nämlich schneller. Manche sogenannte magensaftresistente Tabletten sind mit einer speziellen Schicht überzogen, sodass sie unbeschadet bis in den Darm gelangen, wo ihre Wirkstoffe dann aufgenommen werden.

Mit der Mahlzeit wird bei Medikamenten empfohlen, die sonst die Magenschleimhaut angreifen würden. Der Speisebrei schützt den Magen davor.

Wecker auf einem Teller, daneben Besteck
Medikamente sollten pünktlich eingenommen werden. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Nach dem Essen bedeutet: Der Abstand zur letzten Mahlzeit sollte mindestens zwei Stunden betragen. Der Grund: Es gibt Lebensmittel, die die Wirkstoffaufnahme stören.

Achtung bei bestimmten Nahrungsmitteln

Medikamente haben nicht nur Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, auch Nahrungsmittel können z. T. ganz unliebsame Wechselwirkungen mit Medikamenten haben.

Alkohol z. B. verträgt sich mit den wenigsten Medikamenten.

Calcium und Antibiotika

Aber auch Milch und andere calciumhaltige Lebensmittel wie Mineralwasser und Broccoli vertragen sich nicht mit Antibiotika. Denn das Calcium bindet das in der Magensäure aufgelöste Antibiotikum und es flockt aus. Der Körper kann den Wirkstoff dann nicht mehr aufnehmen. Deshalb sollte man mindestens zwei Stunden vor und nach der Antibiotika-Einnahme warten, bevor man wieder Milchprodukte, Broccoli oder andere calciumreiche Lebensmittel isst.

Auch Osteoporose-Medikamente und Schilddrüsenpräparate können durch Calcium unwirksam gemacht werden.

Lakritz und Entwässerungsmittel

Lakritz und Entwässerungsmittel vertragen sich nicht. Das Süßholz im Lakritz verringert die Hauptwirkung - das Entwässern.

Gleichzeitig erhöht es aber die Nebenwirkung: die Kaliumausscheidung. Das kann zu Kaliummangel führen. Der geht einher mit Muskelschwäche, Schläfrigkeit und Bluthochdruck.

Schwarze Lakritze vor weißem Hintergrund.
Lakritz erhöht die Kaliumausscheidung. Bildrechte: Colourbox.de

Ananas verstärkt Blutverdünner

Ananas und die Superfrucht Goji-Beere verstärken die Wirkung von manchen Blutverdünnern: Es kann zu Blutungen kommen. Diese Früchte sollte man vorsichtshalber ganz weglassen.

Grapefruit - der Enzymhemmer

Inhaltsstoffe der Grapefruit hemmen Enzyme in Leber und Darm, die die Medikamente eigentlich abbauen sollten. Die Folge: Zu viel Wirkstoff bleibt im Blut. Das ist eigentlich bei allen Medikamenten schlecht.

MDR (cbr) Erstmals erschienen am 28.01.2021.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 30. November 2023 | 21:00 Uhr

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