Mut zu Grau Graue Haare und natürliche Haarfarbe: So gelingt der Übergang

Sven Hentschel
Bildrechte: MDR/Markus Geuther

Haare färben, tönen – es sind die bekannten Mittel, um den Zeichen des Alterns entgegenzuwirken. Aber Färbung und Tönung sind zeitaufwendig, brauchen Pflege und können ins Geld gehen. Dagegen wehrt sich eine Gegenbewegung: Zurück zur Naturhaarfarbe! Mut zu grauen Strähnchen und Haaren! Doch der Übergang etwa von Dunkel auf Hell ist gar nicht so leicht, den Ansatz herauswachsen zu lassen eine Herausforderung. Diese Tipps von Friseurmeister Sven Hentschel helfen beim Wechsel zum natürlichen Look.

Was macht eine wunderschöne Haarfarbe heute aus? Auf keinen Fall Perfektionismus. Akkurate Strähnen direkt am Haaransatz oder eine ebenmäßige Global-Coloration waren früher das Non-plus-Ultra. Heute ist es das größte Kompliment, wenn der Unterschied von natürlichem und gefärbtem Haar fließend und sanft ist. Noch besser: Die echte Haarfarbe steht im Fokus und wird nur sanft veredelt.

NEIN, ich meine nicht Grau! Sondern einen wunderbar veredelten natürlichen Look mit einer dazu passenden sanften und Friseur-unaufwändigen Haarfärbetechnik.

Sven Hentschel, Friseurmeister

Größte Herausforderung: Ansatz herauswachsen lassen

Ist es einmal geschafft, zwischen drei bis zehn Zentimeter des Naturhaares nachwachsen zu lassen, können wir Friseure mit Techniken wie Softbalayage, Paintings und Mikrosträhnen die Naturfarbe mit der gefärbten Partie wunderbar weich verblenden. So entsteht ein softer Übergang, der das Wachsenlassen erleichtert. Wer bereit ist, sich von seiner Grundlänge zu trennen oder einen gestuften Haarschnitt mag, verstärkt so den Mixeffekt zwischen Alt- und Neu-Haarfarbe und den "Wie gewollt Effekt". Volumen, Bewegung und Naturlocken helfen beim Übergang, da hier die Farbbruchkante im Gegensatz zum glatten Haar weniger präsent ist.

Von Hell auf Dunkel

Eine junge Frau lässt sich von einer Friseurin Strähnchen ins Haar machen.
Auf dem Weg zur Naturhaarfarbe helfen etwa feine Strähnen. Bildrechte: imago images / Westend61

Das ist für uns Fachleute die eher schonende Variante. Denn hier werden dunklere Pigmente wieder ins Haar eingelagert. Weil nach Hellerfärbungen die Schuppenschicht des Haares strapaziert und somit offen ist, muss vor der eigentlichen Coloration noch eine Vorpigmentierung erfolgen. Macht man das nicht, entsteht eventuell ein unerwünschter Grünstich im Haar bzw. verschwindet die dunkle neue Haarfarbe nach wenigen Haarwäschen schnell wieder.

Auch besteht die Möglichkeit, mit Strähnen und Paintings im Naturton die helle Fläche zu unterbrechen und so ein natürlicheres Farbergebnis zu erzielen. Diese Alternative ist für mich persönlich nicht so optimal, da auch hier durch den "Auswascheffekt" schnell wieder ein "zu helles" Haar hervortritt. Außerdem ist das Nacharbeiten der Strähnen fast unmöglich, da diese kaum genau wie vorher zu treffen sind.

Von Dunkel auf Hell

Eine große Herausforderung für jeden Colorationsspezialisten. Haarqualität, Pigmentierung, Länge und Fülle der Haare sind hier extrem bedeutend, um zum gewünschten Erfolg zu kommen bzw. entscheidend dafür, ob die Behandlung überhaupt sinnvoll ist. Auch hier sind zwei Varianten möglich:

  1. Variante: Cleansing – hier sprechen wir von einem kompletten Farbabzug und anschließender Tönung/Glossing.
  2. Variante: Vollflächige Strähnung des Haares und ebenfalls Nachbehandlung mit Farbveredler.

Bei beiden Varianten entsteht nach dem ersten Farbgang meist ein unerwünschter "Rot-Gelb-Stich", der um das Farbergebnis zu harmonisieren anschließend matt bzw. aschig nuanciert wird.

Je nach Ausgangsfarbe sind zwischen drei bis fünf Behandlungen bis zur Wunschhaarfarbe nötig.

Sie stehen zu Ihrem Naturgrau

Wenn man es geschafft hat, sieht es oft schöner aus als gedacht! Auf dem Weg dahin helfen feine Strähnen; entweder ein Weiß/Grau-Blond oder ein Naturton abhängig davon, ob die Farbe vorher heller oder dunkler war.

Eine Frau mit kurzen grauen Haaren sitzt auf einem Sofa.
Naturgrau sieht oft schöner aus als gedacht. Bildrechte: imago images/Westend61

Ich persönlich empfehle meinen Gästen gern eine Grauveredelung mit einem kühlen Toner. Dieser lässt das Haar glänzen und verhindert einen unerwünschten Gelb-, Gold- oder Rotstich.

Tipp vom Friseurmeister All diese Farbbehandlungen gehören immer in Profihände! Diese komplexen Prozesse fordern selbst erfahrene Coloristen sehr stark und sollten immer individuell auf jeden Einzelnen abgestimmt werden.

Macht Naturhaarfarbe älter?

Eine Frau mit graublonden Haaren und extravaganter Schminke legt ihre Hände an die Schläfen.
Es gibt viele Möglichkeiten, die Naturhaarfarbe nicht zu verdecken, sondern in Szene zu setzen. Bildrechte: imago images/Westend61

Das liegt wie immer im Auge des Betrachters. Ist man jung, besteht sicher kein Problem. Aber nach Hormonchaos, Haarausfall und Spannungsverlust sieht das schon ganz anders aus. Und irgendwann hat auch die schönste Naturhaarfarbe ihren Endpunkt erreicht. Aber kein Grund um zu verzweifeln. Es gibt so viele neue und super schöne Farbveredelungstechniken, wo weniger mehr ist. Hier denke ich z. B. an wenige Ton-in-Ton-Highlights nur am Oberkopf oder ein edles Grau-Glossing. Es gibt so viele Möglichkeiten, wie Sie Ihre Naturfarbe nicht verdecken, sondern in Szene setzen und fühlen sich gut dabei.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 02. August 2021 | 17:00 Uhr

Mehr Lifestyle

Weitere Ratgeber-Themen