05.09.2019 | 17:55 Uhr Legendärer "Vindobona" Zug zwischen Dresden und Wien vor Renaissance

Ein Zuglaufschild "Berlin - Prag - Wien" des Zuges Vindobona hängt in der Dauerausstellung "Im Deutschland der zwei Bahnen" im DB Museum.
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Dresden soll offenbar im kommenden Jahr wieder eine umsteigefreie Zugverbindung nach Wien erhalten. Ein Sprecher der Österreichischen Bundesbahnen sagte auf Anfrage: "Es gibt Überlegungen, etwa ab Mai diese Verbindung aufzunehmen." Zuständig sei die Tschechische Staatsbahn (České dráhy), da es sich um die Verlängerung eines Zugpaares der Verbindung Wien - Prag handele.

Kein Umstieg mehr in Prag

In bereits veröffentlichten Fahrplanentwürfen der České dráhy ist tatsächlich ein sogenannter Railjet Graz - Berlin über Wien, Prag und Dresden verzeichnet. Bei Railjets handelt es sich um moderne Schnellzugarnituren, die von den Österreichischen Bundesbahnen und der Tschechischen Staatsbahn betrieben werden.

Die Verbindung wäre eine Wiederbelebung des legendären "Vindobona", der 2014 wegen der Einführung eines neuen Taktverkehrs Prag - Wien eingestellt worden war. Reisende zwischen Dresden und Wien mussten seither in Prag umsteigen. Ab Berlin gibt es nach Wien einen Intercityexpress über Passau und einen Nachtzug "Nightjet" über Polen, beiden machen einen Bogen um Dresden. Die Bahnverbindung Dresden - Berlin wird ab Dezember mit Einführung der neuen Intercity-Linie nach Warnemünde auf einen Stundentakt verdichtet. Zugleich fällt die direkte Eurocity-Direktverbindung zwischen Leipzig und Prag weg. Dieser Zug morgens nach Prag und abends nach Leipzig wurde zwischen Riesa und Dresden auch von Abo-Kunden des Verkehrsverbundes Oberelbe als schnelle Pendlerverbindung genutzt.

Deutsche Bahn will sich erst im Oktober äußern

Laut VVO-Sprecher Christian Schlemper soll ab Dezember ein Intercity ersatzweise zwischen Leipzig und Dresden in dieser Fahrplanlage pendeln. Da die Deutsche Bahn sämtliche Fragen erst im Oktober beantworten will, ist unklar, wie künftig die Morgen- und Abendverbindung zwischen Dresden und Prag aussehen wird und ob weiterhin Tagesausflüge an die Moldau per Bahn möglich sind.

Im März hatte ein Bahnsprecher gesagt, die grenzüberschreitenden Verbindungen zwischen Sachsen und Tschechien sollen nicht gekürzt werden. Das Eisenbahnmagazin Drehscheibe - bekannt für sein Insiderwissen - schreibt ferner, dass die bisher morgens beziehungsweise abends zwischen Dresden und Berlin eingesetzte Wagengarnitur der Polnischen Staatsbahn PKP mit Speisewagen zum Dezember entfallen und durch einen deutschen Intercity der Linie Warnemünde - Dresden ersetzt werden soll. Die Warnemünde-Züge sollen demnach über Schönefeld fahren beziehungsweise im Falle der Flughafeneröffnung Berlin-Brandenburg (BER) im Oktober 2020 ab dann den neuen Flughafenbahnhof ansteuern.

Legendärer Vindobona Vindobona ist der lateinische Name für die Stadt Wien. Zwischen 1957 und 2014 verkehrte unter diesem Namen ein internationaler Fernzug auf der Strecke Berlin - Wien und zeitweise über den Semmeringpass weiter bis Graz. Legendär war der Zug insbesondere durch den Einsatz komfortabler Triebwagen bis Ende der 1970er Jahre, die wechselweise von der Deutschen Reichsbahn der DDR, der Tschechoslowakischen Staatsbahn ČSD und der Österreichischen Bundesbahnen gestellt wurden. Für die DDR war der Zug auch Devisenbringer, weil er von West-Berlinern für die Reise nach Wien genutzt wurde.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.09.2019 | ab 11:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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