Covid-19 Corona-Impfstoffe: Welcher Booster wirkt am besten?

Britische Forscher haben in einer aufwendigen Versuchsreihe sieben verschiedene Covid-Impfstoffe an doppelt Geimpften durchgetestet. Ergebnis: Alle Booster wirkten – aber unterschiedlich stark.

Ein Arzt füllt einen Impfpass in einer kommunal organisierten Impfstelle aus
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Wenn eine neue Covid-19-Welle losbricht, muss es schnell gehen, beispielsweise bei Booster-Impfungen. Gerade verwundbare Gruppen – alte Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen – sollten eine Auffrischung am besten schon kurz davor erhalten haben. Eine solche neue Impfkampagne zu organisieren, ist kompliziert, dass lässt sich in Deutschland gerade beobachten. Neue Erkenntnisse einer jetzt im Fachjournal "The Lancet" veröffentlichten Studie könnten dabei helfen, künftig mehr Flexibilität zu schaffen.

Ein großes Team britischer Forscherinnen und Forscher um Victoria Cornelius und Saul Faust hat in einer aufwendigen, doppelt verblindeten und randomisierten klinischen Phase-2 Studie sieben verschiedene Covid-Impfstoffe jeweils in der vollen und der halben Dosis an zwei Gruppen von Versuchspersonen getestet, die entweder doppelt mit den Impfstoffen von Astrazeneca oder von Biontech/Pfizer geimpft worden waren. Alle Booster wirkten, aber die Unterschiede in Bezug auf Antikörper- und T-Zell-Antworten waren relativ groß.

Boosterimpfungen auch mit Totimpfstoffen von Valneva und Novavax

Insgesamt nahmen 2.878 erwachsene Versuchspersonen ab einem Mindestalter von 30 Jahren an der Studie teil. Etwa die Hälfte von ihnen waren über 70 Jahre alt. Sie erhielten in einem Zeitraum von zehn bis zwölf Wochen nach ihrer zweiten Impfdosis eine Booster-Impfung. Anschließend maßen die Forscher die Immunantworten anhand von Blutproben im Labor ab.

Neben den vier in Europa und Großbritannien bereits zugelassenen Impfstoffen von Astrazeneca, Biontech/Pfizer, Janssen (Johnson & Johnson) sowie Moderna kamen auch die Impfstoffkandidaten von Novavax, Valneva und CureVac zum Einsatz. Bei den Totimpfstoffen von Novavax und Valneva wird mit einer baldigen Zulassung gerechnet. Beim letztgenannten mRNA-Impfstoff ist dagegen seit Oktober klar, dass die klinische Entwicklung des ersten Impfstoffkandidaten aufgegeben wird.

Die Versuchspersonen wurden in je 13 Versuchs- und Kontrollgruppen aufgeteilt und in denen sie dann jeweils entweder die verschiedenen Booster-Impfstoffe in vollen oder halben Dosierungen oder ein Placebo bekamen.

Stärkste Reaktogenität: Moderna nach Astrazeneca

Grundsätzlich sei durch alle Booster-Impfungen die im Labor feststellbare Immunantwort gesteigert worden, mit einer Ausnahme. Eine Booster-Dosis mit Valneva zeigte in allen Gruppen nur eine schwache Wirkung. Die Steigerung der Antikörperantworten gegenüber der Zweitimpfung reichte vom Faktor 1,3 (eine halbe Dosis Valneva nach zwei Dosen Biontech) bis zum 32,3-fachen (eine volle Dosis Spikevax von Moderna nach zwei Dosen Vaxzevria). Etwa 28 Tage nach der Booster-Impfung gab es keinen Unterschied mehr hinsichtlich der Immunreaktion in den verschiedenen Altersgruppen. Die Wissenschaftler interpretieren das als den Zeitraum, ab dem der volle Schutz durch die Booster-Impfung hergestellt ist.

In der Gruppe derjenigen, die zwei Dosen Astrazeneca als Grundimmunisierung erhalten hatten, konnten die Immunwerte am stärksten gesteigert werden mit einer vollen Dosis Biontech/Pfizer (Faktor 24,48) oder Moderna (Faktor 32,3). Bei denjenigen, die mit Biontech grundimmunisert waren (und die deshalb deutliche höhere Grundimmunitätswerte hatten als die erste Gruppe) wirkten eine weitere Dosis Biontech (Faktor 8,11) und Moderna (Faktor 11,49) am besten. Die Wirkung von Novavax wiederum war mit der von Astrazeneca und Janssen vergleichbar, in diesen Fällen konnten die Antikörper um das fünf bis maximal achtfache gesteigert werden.

Abweichende Impfempfehlung in Deutschland In Deutschland wird für die Auffrischungsimpfung mit dem Impfstoff Spikevax von Moderna nur eine halbe Dosis (50 statt 100 Mikrogramm) verwendet. Die Werte können also zu denen der Studie, die hier dargestellt werden, etwas abweichen.

Die Menge der Impfreaktionen sei generell "akzeptabel" gewesen, schreiben die Autoren. Vor allem jüngere Versuchspersonen hätten mit Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen reagiert. Am häufigsten kam es zu Schmerzen an der Einstichstelle. Am stärksten fielen die Reaktionen aus, wenn eine Booster-Impfung von Moderna nach einer Grundimpfung von Astrazeneca gegeben wurde und wenn auf eine Grundimpfung mit Biontech/Pfizer eine Auffrischung mit den Vektorimpfstoffen Janssen oder Astrazeneca folgte.

Weitere Daten im neuen Jahr erwartet

Die Wissenschaftler untersuchten auch, inwiefern die Booster-Impfungen gegen verschiedene Virusvarianten wirkten. Erwartungsgemäß war die Neutralisationsfähigkeit von Antikörpern geringer gegen die Delta-Variante als gegen den Wildtyp der Virus. Nichtsdestotrotz zeigten alle Booster-Impfungen Wirkungen gegen alle Varianten.

Die Autorinnen und Autoren weisen allerdings darauf hin, dass es sich bei den Daten lediglich im Laborwerte handelt, nicht um Beobachtungen aus der Lebenswelt. Es sei zwar wahrscheinlich, dass hohe Antikörper- und T-Zell-Werte auch im Alltag eine gute Immunität gegen Coronaviren bedeuten. Wie beides aber exakt zusammenhänge, sei noch nicht abschließend beantwortet.

Studienleiter Saul Faust von der Universität Southampton kündigte an: "Weitere Studien unserer Gruppe werden Daten drei Monate und ein Jahr nach der Auffrischungsimpfung liefern, die Aufschluss über die Auswirkungen auf den Langzeitschutz und das immunologische Gedächtnis geben werden. Wir untersuchen auch zwei der Impfstoffe bei Personen, die eine spätere dritte Dosis nach sieben bis acht Monaten erhalten haben." Die Ergebnisse davon würden aber erst im neuen Jahr erwartet.

Korrekturhinweis 6. Dezember: In einer früheren Version hieß es, wer eine Grundimmunisierung mit dem Biontech/Pfizer Impfstoff erhalten habe, habe nicht von einer Booster-Impfung mit Astrazeneca profitieren könnten. Das stimmt so nicht und wurde daher korrigiert. Die Wirkung von Astrazeneca als Booster-Impfung war in der Studie mit der von Novavax oder Johnson & Johnson vergleichbar.

6 Kommentare

MDR-Team vor 22 Wochen

Hallo graylox,
vielen Dank für den Hinweis. Da hatte sich tatsächlich ein Fehler eingeschlichen, den wir nun korrigiert haben.
LG, das MDR-Wissen-Team

Maja23 vor 23 Wochen

Ich arbeite in einem Impfzentrum in der Registratur. Hier werden die Impflinge u. a. auch gefragt, wie gut sie die letzten Impfungen vertragen haben. Momentan sind ca. 90 % aller Termine für Booster-Impfungen eingetragen. Da ich ja nun schon ein paar hunderte Menschen gefragt habe, kann ich eines sagen: Von allen älteren Menschen über 60 hatte KEIN EINZIGER!!! irgendwelche Nebenwirkungen von den vorherigen Impfungen, EGAL welcher Impfstoff zuvor geimpft wurde. Es gab kein Gemotze oder Gejammer, keinerlei Einwände gegen z. B. Moderna etc. Und warum? Ältere Menschen haben in ihrem Leben schon so viel durchgemacht, für sie ist eine Impfung kein Problem sondern sie sind dankbar, das es überhaupt eine Impfung gibt. Die junge Generation macht aus allem ein Riesendrama. Das Rauchen, Drogen, Alkohol und Tabletten mehr den Körper schädigen kann als eine Impfung scheinen sie wohl nicht zu wissen. Jede Impfung fordert den Körper heraus Abwehrkräfte zu bilden und das ist gut so!!!

graylox vor 23 Wochen

Im Artikel heißt es:

"Wer bei den ersten beiden Impfungen Comirnaty von Biontech/Pfizer erhalten hatte, konnte von einer Auffrischimpfung mit Vaxzevria von Astrazeneca nicht profitieren."

Diese Aussage ist falsch zitiert. Der noch in der Prüfung befindliche Impfstoff Valneva zeigt keine Wirkung bei doppelt BioNTech geimpften.
Astrazeneca zeigt sogar sehr gute Ergebnisse bei BioNTech geimpften mit geringfügig schlechteren Anrikörpertitern, aber geringfügig besseren T-Zellantwort im Vergleich zu einer 3.Impfung mit BioNTech.

Bitte im Artikel korrigieren!