Covid-19 Corona: Infektion schützt offenbar besser gegen Delta-Variante als Impfung

Laut einer israelischen Studie bietet die Immunität nach einer Corona-Infektion einen besseren Schutz vor der Delta-Variante als eine Impfung. Die Forschenden betonen aber, dass am besten beides kombiniert werden sollte – und in keinem Fall deswegen komplett auf das Impfen verzichtet werden darf.

Original Phiolen von Moderna und Comirnaty mit einer aufgezogenen Spritze.
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Die Studie der israelischen Forschenden liegt bisher nur als Preprint vor, das heißt sie wurde zwar schon der Öffentlichkeit vorgestellt, aber noch nicht von unabhängigen Gutachtern bewertet. Dennoch sind ihre Ergebnisse sehr interessant, denn in ihr wurden die Krankendaten von 32.000 Israelis zwischen dem 1. Juni und dem 14 August dieses Jahres ausgewertet, als die neue, viel ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus sich bereits im Land verbreitet hatte.

Damit sei die Untersuchung laut den Autoren die bisher größte Beobachtungsstudie, bei der die durch Infektion und Impfung erworbenen Immunitäten gegen Sars-CoV-2 miteinander verglichen wurden. Im Resultat schneidet die Ansteckung besser ab, da durch sie die Wahrscheinlichkeit deutlich stärker sinkt, sich erneut mit der Delta-Variante zu infizieren, Symptome zu entwickeln und ins Krankenhaus eingewiesen werden zu müssen als mit einer doppelten Impfung mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer.

Absichtliche Infektion für Ungeimpfte sehr riskant

Die Forschenden sind sich der Wirkung dieser Ergebnisse durchaus bewusst und haben sie deshalb gleich mit einem großen "Aber"-Schild versehen: Die Corona-Impfstoffe bleiben ein wichtiges Mittel, gerade um vor schweren Verläufen zu schützen. Dazu sei eine absichtliche Infektion für Ungeimpfte extrem riskant. "Wir wollen nicht, dass die Leute rausgehen und Infektionspartys feiern", sagte der nicht an der Studie beteiligte Immunologe Michel Nussenzweig von der Rockefeller University in einem Artikel des Fachmagazins "Science" zum Thema. "Denn dabei könnten auch Menschen sterben." Dem stimmt die Immunologin Marion Pepper von der Universität Washington zu, die sagt, dass in der israelischen Untersuchung zwar die Vorteile der natürlichen Immunität dargelegt werden – aber nicht, was das Virus dem Körper antut, bis man diese erlangt hat.

Die in der Studie festgestellten Unterschiede zwischen genesenen und geimpften Menschen waren dabei erstaunlich groß. Die Wahrscheinlichkeit für letztere, sich mit der Delta-Variante zu infizieren, war demnach sechs bis 13 Mal so hoch wie für die Genesenen. Das Risiko, Symptome zu entwickeln, war für die Geimpften um den Faktor 27 erhöht und die Gefahr, ins Krankenhaus eingeliefert werden zu müssen, um den Faktor acht. Da niemand in der Studie verstarb, konnte kein Vergleich der Todesraten angestellt werden. Dies sei jedoch ein sicheres Zeichen, dass Impfungen weiterhin einen guten Schutz bieten – wenn auch anscheinend einen nicht ganz so guten wie die natürliche Immunität.

Impfung nach Ansteckung stärkt Immunität

Eine weitere interessante Erkenntnis der Studie: Offenbar schützt die Kombination aus Ansteckung und Impfung mit einer Dosis von Biontech/Pfizer besser vor einer weiteren Infektion als nur die Ansteckung. Damit könnte auch die Diskussion um die Notwendigkeit einer zweiten Impfung für Genesene neue Nahrung bekommen – eine Dosis könnte für sie ausreichen, wie es beispielsweise in Deutschland auch schon gehandhabt wird.

Laut Michel Nussenzweig bestätigt die Studie aus Israel die Ergebnisse zu sowohl infizierten als auch geimpften Menschen in einer Reihe von Untersuchungen, die Kollegen von ihm an der Rockefeller University durchgeführt haben und die in "Nature" sowie "Immunity" veröffentlicht wurden. Demnach produziert das Immunsystem von Personen, die erst eine natürliche Immunität gegen Sars-Cov-2 entwickelt haben und danach geimpft werden, außergewöhnlich viele und leistungsfähige Antikörper gegen das Coronavirus. In einem weiteren Preprint stellten die Rockefeller-Forschenden sogar fest, dass eine Infektion plus Impfung mit mRNA-Vakzin dazu führt, dass die Probanden gegen ein eigens gezüchtetes, ungefährliches Virus immun wurden, das 20 verschiedene Corona-Varianten auf seinen Spike-Proteinen trug.

Das Phänomen, das eine natürlich erworbene Immunantwort besser als eine Impfung schützt und langfristig anhält, ist übrigens auch von anderen Infektionskrankheiten bekannt – etwa von Sars-CoV-1 und Mers-CoV (Nahost-Atemwegssyndrom). Andererseits können andere Coronaviren, die nur Erkältungssymptome hervorrufen, bereits Infizierte immer und immer wieder anstecken.

cdi

14 Kommentare

MDR-Team vor 6 Wochen

@Felix
Ihre Aussage ist nicht korrekt, bei der mRNA-Impfung handelt es sich genauso um eine Impfung (https://www.mdr.de/wissen/corona-gentechnik-risiko-rna-impfstoff-gering-impfkommission100.html). Tatsächlich gibt es Unterschiede in den Testungen von Geimpften und Ungeimpften, was die Zahlen nicht 100-prozentig vergleichbar macht, worauf die Studienautoren auch hingewiesen haben. Dennoch ist es nicht korrekt zu sagen, dass die Datengrundlage extrem schlecht sei. Zudem herrscht ja gerade die angesprochene Krankheitswelle und es wurden mit den Daten von 32.000 Personen sehr viele ausgewertet.
Für Ihre Aussage zur Dunkelziffer bei den Nebenwirkungen von Impfungen gibt es außerdem keine Anhaltspunkte (https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/maz-nachgefragt-zimmermann-100.html).
LG, das MDR-Wissen-Team

Felix vor 6 Wochen

@MDR: Die mRNA-Impfung kann man streng genommen nicht als Impfung bezeichnen. Es ist ein völlig anderes Wirkprinzip. Es ist eine genetische Behandlung - keine Impfung.
Bzgl. den Studien zur Wirksamkeit muss man beachten, dass die Datengrundlage dafür extrem schlecht ist. Man vergleicht da Äpfel mit Birnen. Geimpfte und Ungeimpfte werden meist anders behandelt (Geimpfte müssen sich z.B. viel seltener testen lassen und teils gibt es sogar andere Vorgaben für die Testauswertung). Die Fehlerquote der Tests wird auch nicht berücksichtigt (genauso wenig, ob es gerade eine Krankheitswelle gibt oder eher die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung gesund ist - eine Wirksamkeitsstudie kann man eigentlich nur während einer Krankheitswelle durchführen und nicht, wenn sowieso nahezu alle gesund sind).
Bzgl. der Nebenwirkungen bei Impfungen ist anzumerken, dass nur ein sehr geringer Teil überhaupt gemeldet wird - die Dunkelziffer ist sehr hoch.

MDR-Team vor 6 Wochen

@Lumberjack,
weder die Grundsicherung für Rentner, deren Einkünfte nicht für ihren Lebensunterhalt ausreichen, noch das Recht auf Bildung gehen in irgendeiner Form verloren, wenn das Impfangebot nicht angenommen wird.

Bissen Wissen: Erkältung 2 min
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Fr 24.11.2017 16:13Uhr 01:58 min

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