Corona-Super-Controller gesucht Uni Magdeburg forscht an einem Corona-Impstoff

Eine Studie von Forschenden aus Magdeburg hat es auf eine ganz spezielle Gruppe an Coronainfizierten abgesehen: Solche, die keinerlei Symptome gezeigt haben. Deren Blut könnte helfen, einen Impfstoff gegen die Krankheit zu entwickeln. Für die Untersuchung werden noch Freiwillige gesucht.

Wenn es trotz öffentlichem Kampf gegen Corona das Virus dann doch geschafft hat, in den Körper zu gelangen, geht der Kampf dort weiter: Dafür sorgt unsere körpereigene Armee an T-Zellen, die durch das Blut patrouilliert. Aber nur ein kleiner Teil von ihnen kann Sars-CoV-2 identifizieren. Je mehr, desto besser ist der Mensch geschützt. Die Magdeburger Immunologin Monika Brunner-Weinzierl forscht mit ihrem Team schon seit 25 Jahren an T-Zellen und arbeitet jetzt an einer großangelegten Studie, in deren Fokus die T-Zellen stehen.

Oder besser gesagt: Die T-Zellen von sogenannten Super-Controllern. Die sind zum Beispiel bereits aus der Aids-Forschung bekannt: "Bei HIV-Infizierten gibt es eine Gruppe an Patienten, die infiziert sind aber keine Symptome haben. Die nennt man Super-Controller", so Monika Brunner-Weinzierl bei MDR um 11. "Wir haben Anzeichen, dass es stark Infizierte ohne Symptome auch bei Corona gibt."

Super-Controller mit Super-Immunantwort

Genau auf die hat es die Magdeburger Forschungsgruppe abgesehen. Die Forschenden gehen davon aus, dass diese Super-Controller die optimale Immunantwort liefern – und damit sozusagen eine Blaupause für eine besonders gute Immunabwehr sind. Sie wollen herausfinden, wie die Zellen die Krankheit in ihrem "Gedächtnis" abspeichern und warum ein Teil der Infizierten Symptome zeigt und ein anderer Teil nicht.

Immunologin Prof. Dr. Monika Brunner-Weinzierl von der Universität Magdeburg. Sie erforscht aktuell die Reaktion von T-Zellen im Immunsystem von Menschen, die trotz einer Corona-Infektion keine Krankheitssymptome zeigen.
Bildrechte: Privat: Monika Brunner-Weinzierl

Wir lernen in unserer Studie sehr viel über das Virus und das Immunsystem und können damit anderen helfen, ihre Impfstrategien zu verbessern und wollen auch selbst eine therapeutische Impfung entwickeln.

Prof. Monika Brunner-Weinzierl, OvGU Magdeburg

Die Magdeburger verfügen dazu als einziges Team weltweit über eine neuartige, selbst entwickelte Laborstimulation, die kleinste Zellreaktionen erkennen kann. Ein Verfahren, das im vergangen Jahr mit dem sachsen-anhaltischen Hugo-Junkers-Innovationspreis ausgezeichnet wurde. "Wir bieten den T-Zellen unterschiedliche Teile vom Sars-Virus an, die sie dann zu bekämpfen versuchen", erklärt Holger Lingel, der das neue System etabliert hat. "Anhand ihrer Reaktion können wir Rückschlüsse ziehen, ob sie vor hatten, virusinfizierte Zellen abzutöten, die Antikörperproduktion in B-Zellen auslösen und wie sie das bewerkstelligen wollten." Doch die beste Technik nützt nix ohne entsprechende Blutproben. Die Forschenden suchen deshalb noch Freiwillige.

Symptomfreie Infizierte gesucht

Gesucht werden vor allem Menschen mit positivem Corona-Test, die gegen eine Aufwandsentschädigung bereit sind, sich Blutproben entnehmen zulassen und einen Fragebogen zu beantworten. Interessierte melden sich hier:

Forschungslabor Universitätskinderklinik Magdeburg Telefon: 0391 6724081 oder 6724003

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 08. Juli 2020 | 11:00 Uhr

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