Covid-19 Immun, ohne je infiziert zur sein: T-Zellen gegen Corona durch Darmbakterien?

Manche Menschen besitzen schützende T-Zellen gegen den Covid-19-Erreger Sars-CoV-2, obwohl sie niemals damit infiziert waren. US-Forscher zeigen jetzt: Diese Immunität könnte von Haut- und Darmbakterien stammen.

3D-Illustration Lymphozyten und Viren
T-Lymphozyten (rot/grau) und Voren (blau). Bildrechte: IMAGO / agefotostock

Warum manche Menschen schwer an Corona erkranken, während andere nicht mal ein Kratzen im Hals spüren, gehört zu den großen wissenschaftlichen Fragen der Pandemie. Eine einzige Antwort darauf gibt es nicht, eher ein Mosaik, in dem Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen eine Rolle spielen können, aber nicht müssen. Schon früh haben Immunologen außerdem entdeckt, dass einige Menschen offenbar über eine schützende Immunabwehr in Form von T-Zellen verfügen. Diese wirkten direkt gegen den Erreger Sars-CoV-2, obwohl die Personen nie zuvor Kontakt zum Virus hatten.

Erste Hypothesen, wonach diese T-Zellen durch Infektionen mit gängigen Erkältungscoronaviren gebildet wurden, schienen das gesamte Phänomen allerdings nicht vollständig erklären zu können. Weitere Studien zeigten zudem, dass das Phänomen nicht spezifisch für Corona galt. Auch beim Gelbfiebervirus, das weder in den USA noch in der EU verbreitet ist (und höchstens ab und an durch Reisende eingeschleppt wird), gibt es Menschen, die gegen den Erreger wirksame T-Zellen besitzen, ohne je infiziert worden zu sein. Was also könnte die Quelle dieser Immunität sein? Ein Team der Universität Philadelphia hat jetzt eine unerwartete mögliche Ursache entdeckt: Gewöhnliche Haut- und Darmbakterien, die in Symbiose mit Menschen Leben.

Einige Menschen hatten schon vor Corona T-Zellen gegen das Sars-CoV-2 Spikeprotein

Das Team um Laurent Bartolo vom Institut für Immunologie der Perelman School of Medicine (Philadelphia/USA) hatte Blutproben von insgesamt zwölf gesunden Erwachsenen analysiert, die aus der Zeit vor dem Ausbruch der Pandemie stammten. Dabei fanden die Wissenschaftler eine Gruppe von 17 CD4+ T-Gedächtniszellpopulationen, die Bereiche der Oberfläche von Sars-CoV-2 erkennen konnten. Die Immunzellen erkannten unterschiedliche Bereiche des Virus. Einige konnten sogar an das berüchtigte Spikeprotein binden, mit dem das Virus menschliche Zellen befällt. Die jeweilige Art und Menge der T-Zellen variierte zwischen den verschiedenen Spendern.

Bei weiteren Tests reagierten die T-Zellen auch auf einige im Darm und auf der Haut lebende, für Menschen üblicherweise ungefährliche Bakterien. Es ist laut den Forschenden also möglich, dass mit Hilfe der Bakterien trainierte Immunzellen die Ausbreitung von Sars-CoV-2 eindämmen können und dass dieser Faktor durchaus eine Rolle gespielt hat bei der Entwicklung der Pandemie.

Eine gesunde Darmflora könnte wesentlich zum Schutz vor Corona beitragen

"Diese Ergebnisse unterstreichen die Breite der T-Zell-Erkennung und legen nahe, dass eine lebenslange Exposition gegenüber einer vielfältigen mikrobiellen Umgebung tiefgreifende Auswirkungen auf die Zusammensetzung des Immunrepertoires haben könnte", schreiben die Autoren. Eine gesunde, weil vielfältige Darmflora könnte also einen noch größeren Einfluss auf die Widerstandsfähigkeit von Menschen gegenüber Krankheitserregern spielen, als bisher angenommen.

Die Studienautoren nehmen auch an, dass die bei den Spendern vorgefundenen Unterschiede bei Menge und Reifung der coronaspezifischen T-Zellen erklären können, warum die Pandemie verschiedene Menschen so unterschiedlich trifft. Wer also eine gute Immunabwehr aufgebaut hat durch den Kontakt zu vielfältigen Antigenen, könnte bei vielen Infektionskrankheiten besser geschützt sein als jemand, der in seinem Leben zu wenigen Keimen ausgesetzt war. Es seien aber noch viele weitere Studien notwendig, um zu verstehen, wie ein Mikrobiom optimal zusammengesetzt sein müsste und welche Rolle darin beispielsweise auch Pilze oder Viren spielen könnten.