SETI-Forschung Ausserirdisches Signal erreicht die Erde

Gibt es intelligentes außerirdisches Leben? Astronomen haben ein Radiosignal entdeckt, das von Proxima Centauri zu kommen scheint. Das System um diesen Zwergstern ist nur 4,2 Lichtjahre entfernt und besitzt Planeten.

Exoplanet Proxima Cen b und der rote Zwergstern Proxima Centauri
Der kleine rote Punkt auf dieser Grafik ist Zwergstern Proxima Centauri, davor zu sehen Planet Proxima b. Aus diesem System stammt das Signal. Bildrechte: ESO/M. Kornmesser

Die Nachricht stammt von der britischen Zeitung The Guardian: Wissenschaftler untersuchen ein Signal, das uns aus dem Weltall erreicht hat. Es stammt scheinbar von unserem erdnächsten Stern Proxima Centauri. In der Zeitung heißt es:

Der schmale Strahl von Radiowellen wurde während 30-stündiger Beobachtungen durch das Parkes-Teleskop in Australien im April und Mai letzten Jahres aufgefangen. Die Analyse des Strahls ist schon seit einiger Zeit im Gange und die Wissenschaftler haben noch keinen irdischen Schuldigen, wie z.B. bodengestützte Geräte oder einen vorbeifliegenden Satelliten, identifizieren können.

The Guardian, Ian Sample

Die Forscher konnten das Signal noch nicht entschlüsseln. Das liegt aber nicht daran, dass es sich um ein Signal in einer fremden Alien-Sprache handelt. Noch bevor die Forscher zu einem endgültigen Ergebnis kommen konnten, wurden sie geleakt. Die Information gelangte vor Abschluss der Analysen an die Öffentlichkeit. Das ist aus zwei Gründen schlecht: Zum einen wurden die Forscher ihrer medienwirksamen Veröffentlichung beraubt. Zum anderen lädt die Nachricht zum Spekulieren und Träumen ein.

Was wissen wir bis jetzt?

Das Parkes-Teleskop in Australien hat im April und Mai 2019 ein Signal empfangen. Dabei war das Teleskop auf die Richtung des nächsten erdnahen Sterns Proxima Centauri gerichtet. Der Untersuchungszeitraum umfasste 26 Stunden. Während dieser Zeit wurde ein schmaler Strahl von Radiowellen empfangen.

Parkes-Teleskop in Australien, das Teil der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organization ist.
Das Parkes-Teleskop in Australien ist Teil der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organization. Bildrechte: NASA / CSIRO / Shaun Amy

Radiowellenausbrüche sind nichts ungewöhnliches. Immerhin werden tagtäglich solche Wellen von der Erde aus in den Weltraum geschickt. Außerdem haben wir etliche Satelliten im Orbit platziert. Es kann also gut sein, dass man auf ein menschliches Signal trifft.

Jedoch sind bei diesem Signal einige Dinge ungewöhnlich. Es liegt auf einem sehr schmalen Band des Radiospektrums, das 982,002 Megahertz entspricht. Einer Region, die typischerweise frei von Übertragungen von menschgebauten Satelliten und Raumfahrzeugen ist. Außerdem scheint es sich um eine Verschiebung der Frequenz zu handeln, die normalerweise durch die Bewegung eines Planeten hervorgerufen wird. Das Signal kommt zudem aus einer unüblichen Richtung. Proxima Centauri sollte solche Signale eigentlich nicht aussenden.

Das Signal wurde seitdem nicht mehr beobachtet.

Das ist Proxima Centauri

Bei Proxima Centauri handelt es sich um einen roten Zwergstern – die kleinsten und somit sehr lichtschwachen Sterne. Mit dem bloßen Auge kann man ihn nicht erkennen. Er befindet sich zirka 4,2 Lichtjahre von uns entfernt. Einem Katzensprung für astronomische Verhältnisse.

Bisher sind mindestens zwei Planeten bekannt, die ihn umkreisen. Planet Proxima c ist ein Gasriese, der 2019 entdeckt wurde. Er soll die siebenfache Erdmasse haben. Außerdem befindet er sich in einer eisigen 5,2-jährigen Umlaufbahn.

Proxima b könnte eine felsige Welt sein, die 1,2-mal so groß und 17 Prozent massenreicher als die Erde sein soll und ihren Stern alle elf Tage umkreist. Trotz seiner Sternnähe liegt der Planet in der bewohnbaren Zone. Die dort herrschenden Temperaturen würden flüssiges Wasser zulassen. Ob es dort tatsächlich Wasser gibt und ob der Planet lebensfreundlich ist, ist unbekannt.

Eine Studie der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA zeigt das mögliche Gegenteil. Dafür wurde 2017 ein Computermodell erstellt, das eine erdähnliche Atmosphäre auf Proxima b zeigt. Durch die intensive Strahlung und die Sonneneruptionen, die von seinem Mutterstern freigesetzt werden, könnte diese zerstört werden. Der vier Milliarden Jahre alte Planet könnte, laut den Berechnungen, seine gesamte Atmosphäre innerhalb von 100 Millionen Jahren verlieren.

Wer oder was könnte das Signal verursacht haben?

Woher es genau kommt ist noch nicht bekannt. Gegenüber dem Magazin Scientific American meinten die zuständigen Wissenschaftler, dass noch viel Arbeit vor ihnen läge. Jedoch sei das Interesse an dem Signal gerechtfertigt.

Das Signal hat einige besondere Eigenschaften, die dazu geführt haben, dass es viele unserer Tests bestanden hat, und wir können es noch nicht erklären.

Andrew Siemion, University of California, Berkeley Scientific American

Die Quelle des Signals sei vermutlich technologisch. Denn sie "kennen keinen natürlichen Weg, um elektromagnetische Energie in einem einzigen Frequenzbereich zu komprimieren", so Andrew Siemion. Er ist einer der Wissenschaftler, die das Signal entdeckt haben. Das Signal könnte ebenso gut einer bisher unbekannten exotische Eigenart der Plasmaphysik entstammen. Dann wäre der Ursprung natürlicher Herkunft.

Anfang 2021 sollen die Studienergebnisse veröffentlicht werden. Hauptautorin wird Sofia Sheikh von der Penn State University sein.

Es ist das aufregendste Signal, das wir im Rahmen des Breakthrough-Listen-Projekts gefunden haben. Denn noch nie zuvor ist ein Signal durch so viele unserer Filter gesprungen.

Sofia Sheikh, Penn State University

Bei den Breakthrough-Listen-Projekt handelt es sich um ein SETI-Projekt. Die Abkürzung steht für "Search for Extraterrestrial Intelligence" und hat sich der Suche nach außerirdischen Signalen verpflichtet.

Mittlerweile hat das unbekannte Signal auch einen Namen erhalten: BLC1, was für "Breakthrough Listen Candidate 1" steht.

Illustration eines Exoplaneten: Braun-grauer Planet mit kleinen Wolkenfeldern und Eiskappen vor schwarz-grauem, dunklen Hintergrund, dem Weltall.
Irgendwie erdenähnlich, irgendwie ganz exotisch: Illustration des Exoplaneten Kepler-62f, der 2013 entdeckt wurde. Auch hier wird Wasser vermutet. Bildrechte: NASA/Ames/JPL-Caltech