Tag des Gartens Gärtnern ist das neue Grillen

Noch nie war das Gärtnern als Hobby in Deutschland so beliebt: Jede zweite Familie hat ein Stück Land am Haus, fünf Millionen Hobbygärtner bewirtschaften einen Schrebergarten. Gartenarbeit ist beliebter als Grillen und dazu auch noch gesünder, wie zahlreiche Studien belegen.

Schmetterling auf Blüte
Der eigene Garten, für viele das Paradies. Bildrechte: Colourbox.de

In Notzeiten sorgten ein Stück Land oder ein Garten im Schreberverein für zusätzliche Lebensmittel, brachten aber auch jede Menge schwere körperliche Arbeit bei Wind und Wetter mit sich. Heute ist das Pflanzen und Pflegen ein beliebter Ausgleich zum Alltag und eine Wohltat für die Gesundheit. Das belegen inzwischen zahlreiche Studien.

Stress adé!

Sind wir angespannt, steigt in unserem Blut die Konzentration des Hormons Cortisol. Wissenschaftler in den Niederlanden konnten in ihrer Studie nachweisen, dass das Stresshormon durch Gartenarbeit schneller abgebaut wird als beim Lesen eines Buches. Außerdem fördert das Bodenbakterium Mycobacterium vaccae die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin und wirkt damit sogar antidepressiv, wie Forscher der Universität Bristol bereits 2007 an Mäusen nachweisen konnten.

Gärtnern hält fit bis ins hohe Alter

Wer es in seiner Oase schön haben möchte, muss zum Beispiel Pflanzgefäße tragen, Löcher graben, Unkraut jäten, den Rasenmäher schieben, Holz hacken, Mulchsäcke tragen, Hecke schneiden. Dabei werden viele verschiedene Muskeln trainiert und je nach Intensität der Arbeit werden in einer Stunde zwischen 300 und 400 Kilokalorien verbraucht, etwa so viel wie beim Tanzen. Eine Studie zeigt, das sich damit sogar die altersbedingte Gewichtszunahme aufhalten lässt. Außerdem trainiert Gartenarbeit die Geschicklichkeit.

Training fürs Gehirn

Gartenarbeit trainiert nicht nur die Muskeln, sondern auch unser Gehirn. Laut einer australischen Langzeitstudie an 2.805 Männern und Frauen im Alter über 60 Jahren, sind Menschen, die regelmäßig gärtnern, einem um 36 Prozent geringeren Risiko ausgesetzt, an Demenz zu erkranken. Für Patienten, die bereits erkrankt sind, wird Gartenarbeit als Therapie eingesetzt. Sie weckt unterbewusste Gefühle und Erinnerungen und regt die Sinne an. Außerdem sind dann auch diejenigen, die sich in ihre eigene Welt zurückgezogen haben, während des Gärtnerns doch wieder zu einem Gespräch bereit. Die Gartentherapie wird vielseitig angewandt. Es gibt eine internationale Fachgesellschaft und entsprechende Ausbildungsangebote, auch an Universitäten.

Gärtnern verbindet und macht glücklich

Wer seinen Garten liebt, kommt oft auch mit Gleichgesinnten ins Gespräch: Im Gartenverein, in der Nachbarschaft, beim Einkauf oder auch über die sozialen Medien. Das hilft gegen die Einsamkeit. Ob im Alter, wenn der Partner verstorben ist, wenn sich Reihen der Freunde lichten oder in der Stadt, in der besonders viele Singles leben. Eine Studie aus den USA hat untersucht, ob Stadtmenschen, die einen Garten haben, mehr Kontakt zu anderen haben und deshalb glücklicher sind. Das Ergebnis: Vor allem Gemüsegärtner, Menschen mit geringem Einkommen und Frauen profitieren in dieser Hinsicht. Die selbe Studie ergab auch, dass die Gartenarbeit in den USA zu den Top Fünf der beliebtesten Freizeitaktivitäten gehören.

Gärtnern ist das neue Grillen

Auch bei uns liegt die Gartenarbeit im Trend. Laut einer Allensbach-Umfrage ist im Garten zu arbeiten nach Shoppen die Nummer 2 bei den beliebtesten Hobbys, Freizeitaktivitäten und Sportarten. Und das bereits seit mehreren Jahren. Auf Platz 3 und 4 folgen im übrigen Fotografieren und zum Essen ausgehen. Letzteres ziemlich erstaunlich für eine Erhebung im Jahr 2020.

Aber zurück in den Garten. Wer einen hat oder nutzt, für den steht die eigentliche Gartenarbeit an erster Stelle (73 Prozent), so eine Yougov-Umfrage von 2019 (1.683 Personen ab 18 Jahren). Erst danach kommen Grillen, Chillen oder Spielen. Durchschnittlich elf Stunden pro Woche verbringen die Befragten, von denen nur 60 Prozent angaben, einen eigenen Garten zu besitzen, in den Monaten März bis Oktober im Garten. Davon entfallen rund sechseinhalb Stunden auf die Pflege von Rasen, Beet, Blume, Busch und Baum. Die Motive für die enorme Beliebtheit der Gartenpflege sind vielfältig, wie die Umfrage zeigt. Rund zwei Drittel der Befragten erfreuen sich einfach an ihrer Oase. 46 Prozent empfinden die Arbeit im Freien als Entspannung, 40 Prozent sagen, Gartenarbeit halte sie fit und sei Ausgleich zur Schreibtischarbeit. Gärtnern schlägt also Grillen auf der Beliebtheitsskala, und ist auch noch wesentlich gesünder.

krm

1 Kommentar

Uborner vor 5 Wochen

"Gärtnern" kann nur empfohlen werden, egal ob Kartoffeln, Seerosen oder Alpine. Es ist körperlich gesund und sinnhaft, es lehrt Aufmerksamkeit und Geduld und es ist ein Genuss. Eine selbst geerntete Tomate ist immer etwas anderes als eine gekaufte, immer. Und wer grad seine Rosen ausputzt kann grad nicht auf der Straße randalieren oder andere verprügeln.